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Budersand auf Sylt: Begehbare Postkarte

Foto: Jana Ebert / Budersand

Golf spielen auf Sylt Auf Budersand gebaut

Sylt hat ein Stück Schottland: Der Golfplatz Budersand ist Deutschlands einzig wahrer Links-Kurs mit 18 Löchern. Wer den Kampf gegen die Natur aufnimmt, der wird mit traumhaften Aussichten belohnt - und darf sich wie bei den British Open fühlen.
Von Denis Krick

Rolf-Stephan Hansen hat die kleine Regenjacke etwas ungelenk über den Kopf gezogen, um sich vor dem kalten Schauer zu schützen. Helfen tut das nicht. Der Landschaftsarchitekt ist nass bis auf die Knochen. "Schottisches Wetter", sagt er und grinst. "Besser geht's eigentlich nicht." Recht hat er. Der Seewind pfeift gnadenlos, der Regen peitscht ihm ins Gesicht. So fühlt sich Golf an der Küste Schottlands an - und dafür muss man lediglich nach Sylt fahren.

Hansen hat hier in Hörnum, am verschlafenen Südzipfel der Insel, einen 18-Loch-Platz gebaut , der alle Kriterien eines echten Links-Kurses erfüllt: die Nähe zum Meer, ganzjährig harte und schnelle Fairways und Grüns, einen sandigen Untergrund, kaum Bäume, einen natürlichen Charakter und viel, viel Wind. Budersand heißt das gute Stück Land, und Hansen ist sehr stolz darauf.

Von den geschätzten 30.000 Golfplätzen weltweit können sich nur knapp ein Prozent damit rühmen, ein "true links", ein wahrer Links-Kurs zu sein. Und davon findet sich der Großteil im Mutterland des Golfs, in Schottland. In Deutschland gibt es genau drei - und Budersand ist der einzige mit 18 Löchern.

Unangenehme Hinterlassenschaften

2008 wurde Budersand eröffnet, gebaut wurde der Platz auf einem alten Kasernengelände der Bundeswehr. "Das waren damals nur noch Ruinen", sagt Hansen. "Dem Bund war der Unterhalt zu teuer, die Scheiben waren eingeschmissen." Unter anderem mussten 26 Militärgebäude abgerissen und Fundamente eines überwucherten Seefliegerhorstes entfernt werden. Dabei machte man unangenehme Entdeckungen.

"Wir fanden zugeschüttete Kellergewölbe, in denen sogar alte Autos verrosteten", erinnert sich der Architekt. Das gesamte Erdreich musste abgetragen werden und wurde per Schiff von der Insel geschafft. Noch immer werden regelmäßig Stichproben gezogen, um den einwandfreien Zustand des Bodens zu überwachen.

Die Umweltbehörden schauten Hansen bei Planung und Bau ständig auf die Finger. Der Golfplatz sollte im Einklang mit dem Naturschutz entstehen. "Es war immer ein Geben und Nehmen", sagt Hansen. "Sie bekamen von mir eine weitere Heidefläche, und ich durfte mein Grün dahin bauen, wo ich es haben wollte." Insgesamt verschlang das Projekt, zu dem auch ein edles Designhotel mit knapp 80 Zimmern gehört, 50 Millionen Euro, 20 Millionen mehr als ursprünglich geplant.

James Ellis kann sich noch gut an die Entstehung des Platzes erinnern. Auch der Course Manager, der so etwas wie der oberste Gärtner von Budersand ist, ist wie Hansen von Anfang an mit dabei. Auch ihm bläst der Wind gerade den Regen ins Gesicht. Ellis macht das allerdings deutlich weniger aus, er ist Schotte. "Es war harte Arbeit", sagt er und erzählt, wie er mit seinen Leuten einzelne Gräser per Hand einpflanzte und die Betonüberreste der Kaserne wegschaffte.

Amateure fühlen sich wie Profigolfer

Sylt ist für den Course Manager Fluch und Segen zugleich. Das Klima macht dem Platz zu schaffen - das Gras wächst nicht so, wie es eigentlich sollte. "Während meine Kollegen in anderen Teilen Deutschlands dreimal am Tag mähen, mähe ich die Fairways alle drei Tage", sagt er. Dafür braucht Ellis keine Angst vor zu viel Regen zu haben: "Der Sandboden saugt alles auf, wir haben nicht mal eine Drainage."

Ellis ist auch der Experte, wenn es darum geht, wie man Budersand eigentlich richtig spielt. Der Schotte ist in seiner Heimat mit Links-Kursen aufgewachsen. "Ihr Deutschen wollt die Bälle immer schön hoch schlagen", sagt er und schüttelt den Kopf. "Das funktioniert hier nicht." Vielmehr verlangt der Platz nach mehr Strategie und einer Vielzahl von verschiedenen Schlagarten. Nur so könne man den Wind und die harten Fairways zum Vorteil nutzen. Budersand sei zwar offiziell der drittschwerste Platz Deutschlands, aber wer sich auf das klassische Links-Golfen einlassen würde, der käme gut über die Runden. "Das ist hier ein Kampf mit der Natur - und deshalb das ursprüngliche Golf", sagt Ellis.

Budersand ist aber noch mehr: Es ist eine begehbare Postkarte. Der Platz wirkt stellenweise wie ein Gemälde. Loch Nummer 15 gehört zu den schönsten Bahnen in der ganzen Republik. Das kurze Par-3 liegt direkt an der See. In weiter Ferne sind die Inseln Föhr und Amrum zu sehen. Und bei starkem Wind wird selbst der einfachste Schlag zur großen Aufgabe.

Doch das ist nicht die einzige Schwierigkeit: Meist warten hier oberhalb des Abschlags jede Menge Zuschauer am Zaun des Golfplatzes. Ein Wanderweg führt an dem Loch vorbei - und die Amateure dürfen sich für einen kurzen Moment wie die Profigolfer bei den British Open fühlen. Selbst dafür muss man also auch nicht mehr nach Schottland fahren. Nur nach Sylt.

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