Luftfahrt Eurowings streicht kostenlose Snacks in der Economy Class

Keine Verpflegung, dafür aber früheres Boarding: Deutschlands größter Billigflieger Eurowings passt die Leistungen für seine Economy-Passagiere an. Er folgt damit einem Marktrend.

Hungrig sollte man künftig nicht mehr in einen Eurowings-Flieger steigen
Marcel Kusch/DPA

Hungrig sollte man künftig nicht mehr in einen Eurowings-Flieger steigen

Von


Demnächst gibt es bei Deutschlands größter Billigfluglinie nichts mehr gratis zu essen und zu trinken, selbst wenn Passagiere den teureren Smart-Tarif gebucht haben. Das überarbeitete Konzept soll ab dem 4. Juni gelten.

Diese Veränderung sei angeblich aufgrund "des klaren Feedbacks unserer Gäste" getroffen worden, teilte eine Eurowings-Sprecherin mit. Sie nennt die bisher gereichten und im Tarif inkludierten Getränke und Snacks eine "Verpflegungskombination" - es handelte sich dabei oft um ein Behältnis, in dem sich eine kleine Wasserflasche und ein Brot befanden. Flugbegleiter mussten auf einer Liste nachschauen, welcher Passagier den günstigsten Basistarif gebucht hatte und wem im Smart-Tarif Catering zustand.

Eurowings glaubt, die Streichung der Sandwiches sei eine Art Verbesserung, weil gleichzeitig andere Vorteile mit dem Angebot einhergehen. So würden Passagiere im Smart-Tarif künftig am Priority-Boarding teilnehmen dürfen. Bisher war dies Gästen der "BIZclass" und Kunden mit bestimmten Statuskarten vorbehalten: Die dürften wenig begeistert von dieser neuen Regelung sein, weil nun beim Vorab-Einstieg mehr Passagiere am Gate ins Flugzeug drängen.

Auch sollen Gäste im Smart-Tarif künftig garantiert ihr Handgepäck mit an Bord nehmen dürfen. Bisher konnte es sein, dass bei vollen Flügen vorab das Gepäck abgenommen und im Laderaum der Maschine transportiert wurde.

Minitüte Chips für 2,50 Euro

Eurowings reiht sich mit der Catering-Anpassung in einen Markttrend ein. Bei den Billig- und Urlaubsfliegern gibt es meist nicht einmal den kleinsten Snack gratis. Eine Minitüte Chips (40 Gramm) kostet aktuell bei Eurowings 2,50 Euro. Für ein Fläschchen Wasser werden derzeit im Basistarif 3 Euro fällig. Die Kunden sind an der kulinarischen Misere nicht unschuldig. Die meisten buchen ihre Flüge nur nach einem einzigen Kriterium, dem Preis.

Auch bei Netzwerk-Linien wie der Eurowings-Mutter Lufthansa gehört in der Economy Class oft nur noch ein Müsliriegel und ein Getränke-Service zu den Verpflegungsannehmlichkeiten. In der Business Class werden zwar nach wie vor etwas üppigere Tabletts gereicht, doch auch hier regiert Kostendruck, weil das Bordessen kaum etwas kosten darf.

Zuletzt berichtete der SPIEGEL darüber, dass die Cateringtochter der Lufthansa, LSG Sky Chefs, im tschechischen Industriepark Nová Hospoda bei Bor kochen lässt, nahe der deutschen Grenze. Das Essen wird anschließend mit Lastern Hunderte Kilometer nach Frankfurt oder München gekarrt und dort in die Kombüsen der Flugzeuge geschoben. Das soll massiv Geld sparen.

In München experimentiert Lufthansa im Terminal 2 seit vergangenem Jahr mit einem alternativen Catering-Konzept. Statuskunden und Business-Class-Gäste dürfen einen Snackautomaten benutzen. Der gibt auf Touchscreen-Druck kleine Verpflegungsboxen aus, deren Inhalt man aus zwei bis drei Angeboten selbst auswählen kann - das System wird unter dem Marketingnamen "Delights to go" vermarktet.

Schon in den Neunzigern gab es bei Lufthansa so etwas Ähnliches, wenn auch ohne Automat und in Buffet-Form mit Plastiktüten für den Transport. Das Konzept wurde nach einiger Zeit wieder abgeschafft.

insgesamt 81 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
maxheadroom1900 22.05.2019
1. Es wird nicht besser
Wenn die Marge und der Erfolg der Milliardenschweren Airlines von den "Dreieuromenus" abhängig ist, sollte der Betrieb am Besten direkt eingestellt werden. Das wäre dann optimal imvestiert ! Ist ja wirklich Peinlich was da abgeht...
Datenschubser 22.05.2019
2. Prima
Mal ehrlich, auf den kurzen Strecken, auf denen die Billigflieger unterwegs sind, braucht man eigentlich auch nicht unbedingt Verpflegung. Der Snack wird halt gegessen, weil er dabei ist. Die Abschaffung erspart der Umwelt jede Menge Plastikmüll und den Gästen jede Menge leere Kalorien.
Lankoron 22.05.2019
3. Tja...irgendwie müssen
die 29-Euro-Ticket ja refinanziert werden....interesant wär ja mal so eine seriöse Kostenkalkulation eines Fluges insgesamt. Ich glaube, kaum einer weiss, was ein gesamter Flug so an Kerosin, Landegebühren, Personalkosten etc kostet...
cat69 22.05.2019
4. Wirklich kein Verlust
Lustloser als zuletzt konnte man den Snack nicht darbieten. Wenn man auch bei kleinen Mahlzeiten einen Minimalanspruch an Kultur hat, dann konnte das nur erschrecken. Es ist auch völlig egal, die Verpflegungsmöglichkeiten an den Flughäfen sind so viel besser geworden, da ist niemand auf den Bordservice angewiesen. Wenn er denn zahlt, dann kann man schon eine andere Qualität erwarten.
BodoBodo 22.05.2019
5. Diesen Snack wird keiner vermissen
...mal ehrlich...lieber keinen Snack als dieses alte Brot, was es da zuletzt gab.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.