Radtour per Social Media Auf der Suche nach den schönsten Mountainbike-Trails

Der Mountainbiker Stefan Loibl fährt drei Wochen lang quer durch Deutschland - von Westen nach Osten. Dabei hält er sich komplett an Tipps, die er von der Bike-Community auf Social Media erhält.

Dennis Stratmann

Ein Interview von


Wenn Stefan Loibl am heutigen Donnerstag mit seinem Mountainbike aus Bad Orb im Spessart aufbricht, weiß er noch gar nicht so genau, wo es lang geht. Er weiß nur, dass seine Radtour in etwa zehn Tagen im Bayerischen Wald enden wird. Dazwischen wird er sich an Tipps auf Facebook und Instagram halten - und er wird andere Biker treffen, die ihn mit auf ihre Lieblingstrails nehmen.

Seine Tour ist in zwei Abschnitte geteilt, die erste Etappe führte Loibl Mitte Mai vom Dreiländereck über das Sauerland in den Spessart. Auf seinen Social-Media-Kanälen teilt der 32-Jährige mit, wo er sich gerade befindet und bittet die Fahrrad-Community um Empfehlungen.

Im Interview erzählt Loibl von den Vor- und Nachteilen des Reisens per Social Media und wie sich sein Smartphone mit seinem Mountainbike verträgt.

Zur Person
  • Georg Grieshaber
    Stefan Loibl, 32, ist Redakteur bei der Fahrrad-Fachzeitschrift "Bike". 2017 fuhr er mit dem Mountainbike von Süddeutschland nach Norddeutschland und vertraute dabei auf Tipps von der Community. Nun gibt es eine Neuauflage des Projekts - er fährt von der Eifel bis in den Bayerischen Wald.

SPIEGEL ONLINE: Herr Loibl, Sie fahren von Westen nach Osten mit dem Mountainbike durch Deutschland und lassen sich dabei komplett über soziale Medien von der Biker-Community leiten. Funktioniert das?

Stefan Loibl: Das funktioniert sogar sehr gut. Ich habe das 2017 schon einmal gemacht, damals bin ich von Süden nach Norden quer durch Deutschland gefahren. Im Mai bin ich in der Eifel gestartet und über Bonn, das Hochsauerland, Winterberg und das Rothaargebirge gefahren bis nach Bad Orb im Spessart. Da hatte ich jeweils direkt ab dem ersten Tag Mitfahrer.

SPIEGEL ONLINE: Die anderen Mountainbiker geben Ihnen also nicht nur Trail-Tipps, sondern fahren sogar selbst mit?

Loibl: Etappenweise fahren immer wieder ortskundige Biker mit und zeigen mir die schönsten Pfade der Region. Da sind alle Altersgruppen dabei, vom abfahrtorientierten 20-Jährigen am Feldberg bis zu 75-jährigen Zwillingen, die mich 50 Kilometer begleitet haben. Ich habe einen Livetracker, der zeigt, wo ich mich gerade befinde. Und da kommt es öfter vor, dass ich durch den Wald fahre, um die Ecke biege und dort jemand mit seinem Handy steht und auf mich wartet.

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Deutschlandtour: Mit Smartphone und Mountainbike

SPIEGEL ONLINE: Fast schon ein bisschen gruselig.

Loibl: Das stimmt. Die meisten schreiben mich aber vorher per Facebook oder Instagram an und geben mir entweder Tipps oder fragen, ob wir uns treffen und sie einige Kilometer mitfahren können.

SPIEGEL ONLINE: Nervt es nicht, die ganze Zeit aufs Smartphone zu schauen?

Loibl: Das ist einer der Nachteile dieser Reiseart mithilfe von Social Media. Ich denke die ganze Zeit daran, dass ich ja noch eine Story posten oder Kommentare beantworten muss. Es ist auch mein Anspruch, jedem zu antworten, der Interesse hat mitzumachen. Ich hänge sehr viel am Handy.

SPIEGEL ONLINE: Welche Apps oder Gadgets benutzen Sie?

Loibl: Ich poste hauptsächlich auf Facebook und Instagram, wo ich gerade bin und was das Ziel für den nächsten Tag ist. Meine Fotos zeigen, dass es ganz einfach ist mitzumachen. Mein Livetracker zeigt auf der Website der Zeitschrift "Bike" an, wo ich gerade entlangfahre. Und ich nutze die Outdoor-App "Komoot", wo ich meine Route hinterlegt habe.

SPIEGEL ONLINE: Da darf der Akku niemals leer sein.

Loibl: Ich muss meine elektronischen Geräte jeden Abend aufladen. Deshalb schlafe ich auch in Pensionen, Hotels oder bei Leuten, die mich aufnehmen, und nicht im Zelt. Dadurch spare ich wenigstens auch noch ganz schön viel Gewicht.

SPIEGEL ONLINE: Wie viel Gepäck haben Sie trotzdem noch dabei?

Loibl: Mein Rucksack wiegt etwa sieben Kilo. In meiner Lenkertasche habe ich leichte Regenkleidung und ein paar Kleinigkeiten. Alles, was direkt am Fahrrad befestigt ist, kann hin und her wedeln und technische Abfahrten enorm beeinflussen. Daher habe ich auch keine große Satteltasche. Der Rucksack sitzt eng am Körper und bewegt sich nicht - man schwitzt allerdings ganz schön am Rücken.

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Robert Niedring

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SPIEGEL ONLINE: Es geht also hauptsächlich um sportliche Abfahrten und weniger darum, von A nach B zu gelangen.

Loibl: Einfach nur eine Route von einem Ort zum anderen wäre ja leicht. Ich will aber die schönsten Pfade im Wald finden, die ja gerade für Mountainbiker das i-Tüpfelchen sind. Also weg vom Asphalt und hinein in den Wald, wo Naturtrails mit ein bisschen Gefälle, mit Wurzeln, Kurven und Steinen warten. Wo man sich konzentrieren und im richtigen Moment bremsen muss, um dann wieder schnell abzufahren.

SPIEGEL ONLINE: Wie schnell?

Loibl: Bergab kann man schon einmal rund 60 km/h draufkriegen. Im Allgemeinen ist man aber mit einem Mountainbike nicht so schnell wie etwa mit einem Rennrad. An manchen Tagen schaffe ich nur 30 Kilometer und bin abends trotzdem total fertig. Das Anstrengende sind nämlich die Höhenmeter.

SPIEGEL ONLINE: Machen Sie, abgesehen von den Alpen im Süden, in Deutschland überhaupt so viele Höhenmeter?

Loibl: O ja, man glaubt es kaum, aber auch im Mittelgebirge kann es ganz schön rauf und runter gehen. Die Anstiege sind natürlich nicht so lang wie in den Alpen, aber sogar um Hamburg herum ist es überraschend hügelig: In den Harburger Bergen gibt es eine richtig große Biker-Community. Deutschland hat eine super Topografie fürs Mountainbiken, da muss man nicht unbedingt zum Gardasee.

SPIEGEL ONLINE: Auf Ihrer letzten Etappe geht es von Bad Orb bis zum Großen Arber. Was erwartet Sie da?

Loibl: In zehn Etappen werde ich vom Spessart bis in den Bayerischen Wald fahren. Da sind sicher noch einige Highlights dabei: Würzburg, Bamberg, die Fränkische Schweiz oder das Fichtelgebirge. Für die meisten Etappen haben sich auch bereits Mitfahrer gemeldet. Die letzten drei Tage geht's dann entlang der deutsch-tschechischen Grenze bis auf den Großen Arber, den höchsten Punkt der Tour. Ich freue mich auf nette Begegnungen, fränkisches Bier und viele Kilometer feinste Singletrails.



insgesamt 38 Beiträge
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Seite 1
doitwithsed 11.07.2019
1.
"Naturtrails mit ein bisschen Gefälle, mit Wurzeln, Kurven und Steinen" werden spätestens nach dem Einhundersten Pedalisten dieser Sorte erodierte Schlammpfade mit ruinierter Pflanzen und Mikrofauna im Nahbereich sein. Auch als Wanderer immer wieder erfreut, wenn einem jemand im Wald auf Wanderwegen mit "60 km/h" bergab entgegengerast kommt.
hrboedefeld 11.07.2019
2. Quatsch
ein Mountainbiker schadet der Natur genauso wenig wie ein Wanderer. Klar gibts auf beiden Seiten schwarze Schafe, Biker die alles kaputt bremsen weil sie nicht richtig fahren können und Wanderer, die ihren Müll in die Natur werfen. Aber zum Glück ist der Großteil beider Gruppen sehr vernünftig unterwegs...
vinzenz 11.07.2019
3. Zerstören?
Zitat von doitwithsed"Naturtrails mit ein bisschen Gefälle, mit Wurzeln, Kurven und Steinen" werden spätestens nach dem Einhundersten Pedalisten dieser Sorte erodierte Schlammpfade mit ruinierter Pflanzen und Mikrofauna im Nahbereich sein. Auch als Wanderer immer wieder erfreut, wenn einem jemand im Wald auf Wanderwegen mit "60 km/h" bergab entgegengerast kommt.
das machen immer nur die anderen!! Schwarze Schafe gibts auf beiden Seiten, man nimmt aber nur zu gern die wahr, die einen ohnehin stören .. beim Wanderer sinds die Biker, und umgekehrt . da heissts halt dann.. die depperten Stockenten, gehen immer nebeneinander, lassen diverse Hinterlassenschaften hinter sich liegen etc... Stimmt beides.. in begrenztem Ausmass.. einziger ausweg.. alle ab auf die Strasse, da wird kein boden mehr zersört.. aber das würd dann die "Motorisierten" wieder stören.. mit etwas Verständnis und weg vom Egotrip wäre ALLEN gedient...
tpro 11.07.2019
4.
Zitat von hrboedefeldein Mountainbiker schadet der Natur genauso wenig wie ein Wanderer. Klar gibts auf beiden Seiten schwarze Schafe, Biker die alles kaputt bremsen weil sie nicht richtig fahren können und Wanderer, die ihren Müll in die Natur werfen. Aber zum Glück ist der Großteil beider Gruppen sehr vernünftig unterwegs...
"....ein Mountainbiker schadet der Natur genauso wenig wie ein Wanderer...." Querfeldeinfahren schadet dem Waldboden und stört Tiere beim Nisten und Brüten. Mountainbiker, die quer duchr den Wald fahren sind Egoisten. Wanderer, die ihren Müll in die Natur werfen habe ich noch nie gesehen. Rücksichtslose Mountainbiker öfters.
hisch88 11.07.2019
5. Kritik nicht erlaubt
Zitat von hrboedefeldein Mountainbiker schadet der Natur genauso wenig wie ein Wanderer. Klar gibts auf beiden Seiten schwarze Schafe, Biker die alles kaputt bremsen weil sie nicht richtig fahren können und Wanderer, die ihren Müll in die Natur werfen. Aber zum Glück ist der Großteil beider Gruppen sehr vernünftig unterwegs...
Ich bin bereits zensiert worden, weil ich als Wanderer das Verhalten der M-Bikers zur Sprache (und im Text vermisst) gebracht hatte, die sich in unsere Gegend recht rücksichtslos gegenüber den Fußgängern verhalten. (In der lokalen Presse sind fast wöchentlich Leserbriefe hierzu zu Lesen.) Eine Drosselung der Geschwindigkeit ist durch rechtzeitiges Brüllen der Fahrer nicht vorgesehen. Solange die M-Bikers auf eigenen Strecken fahren ist es ok, aber bei Wegen mit Wanderern gibt es so gut wie keine Hemmschwelle in Aggressivität.
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