Gipfelfieber in der Stadt Die Seven Summits von München

Nicht jeder kann die höchsten Berge der sieben Kontinente besteigen. Was aber auch ohne bergsteigerische Erfahrung geht: die sieben höchsten Gipfel Münchens erklimmen. Johanna Stöckl hat einige innerstädtische Höhenmeter auf sich genommen.

Juergen Sack/ Vetta/ Getty Images

An den Wochenenden machen sich viele Münchener auf in die umliegenden Berge. Doch Outdoor-Fans müssen die Stadt gar nicht zwangsläufig verlassen. Mit etwas Fantasie finden sich auch mitten in der City Gipfelabenteuer und bergige Superlative.

Meine Freundin Nadine Ormo und ich haben beschlossen, die sieben höchsten "Berge" Münchens an einem Tag zu besteigen: angelehnt an die "Seven Summits", die jeweils höchsten Berge der sieben Kontinente, deren Besteigung für manche Bergsteiger zum absoluten Muss ihrer Karriere gehören.

Zugegeben: Bergsteigerisch sind die sieben höchsten Gipfel Münchens keine große Herausforderung. Dennoch müssen immerhin 42 Kilometer zurückgelegt werden, für die wir unsere Fahrräder nutzen.

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München: Sieben Gipfel in vier Stunden

Die Vorbereitungen sind gar nicht so einfach wie gedacht. Zunächst müssen wir klären, welche Erhebungen überhaupt die höchsten der bayerischen Hauptstadt sind - und da scheiden sich die Geister. Was ist ein Berg? Was ist eine Hangkante? Schnell stellt sich heraus, dass viele Erhebungen in München eigentlich künstlich aufgeschobene Hügel oder Trümmerschutt aus dem Krieg sind. Das haben wir nicht gewusst.

Ein Anruf beim Geodaten-Service München klärt uns aber ein wenig auf: In einem Höhenschichtmodell, ausgestellt im Stadtmuseum am Sankt-Jakobs-Platz, ist erkennbar, dass sich die Münchner Schotterebene tatsächlich zwischen zwei Hügelreihen erstreckt. Das Isartal südlich von Thalkirchen präsentiert sich als ein tief eingeschnittener Canyon. Östlich der Isar verläuft von Harlaching bis Bogenhausen ebenfalls eine steile Hangkante, in die sich zahlreiche kurze, mitunter richtig steile Bergstraßen eingeschnitten haben.

Bei der Auswahl der Gipfel hilft uns vor allem das Buch "Münchner Bergführer, 100 Stadtberge, Bergl und Berganstiege". Der Autor Gerhard Ongyerth ist Geograf und kennt sich mit Münchens Höhen und Tiefen bestens aus. Schnell steht fest: Wir wollen uns an den optisch markantesten Erhebungen im Stadtgebiet orientieren - nicht an den Höhenmetern.

So kommt es, dass wir zwar am höchsten Punkt der Stadt, dem Warnberg mit 580 Metern über Normalnull, starten. Da dieser aber eigentlich in der flachen Ebene liegt, markiert er nur den Startpunkt und ist kein offizieller Teil unserer Route.

Los geht's mitsamt unseren Fahrrädern morgens mit der S7 nach Solln, einem der teuersten Wohnviertel Münchens, um am Warnberg loszuradeln. Kurz darauf folgt die Katastrophe: Nach nur einem Kilometer habe ich bereits einen Platten. Bikeläden gibt es zwar einige in Solln, allerdings öffnen sie erst gegen Mittag.

Das fühlt sich in etwa so an, als hätten wir bei einer lange geplanten Alpintour die Bergschuhe oder den Rucksack vergessen. Aber was lernt man von den professionellen Alpinisten? "Aufgeben ist keine Option!"

Das Fahrrad schiebend laufen wir zurück zur S-Bahn, wo ein Passant rät, es in einem drei Kilometer entfernten Fahrradladen zu versuchen. Um das Fahrrad mit in den Bus nehmen zu dürfen, müssen wir erst noch ein wenig Überzeugungsarbeit leisten und vom Projekt erzählen. "Iss scho recht", gibt mir der Busfahrer zu verstehen. Nachdem der Reifen erfolgreich gewechselt ist, strampeln wir mit zweistündiger Verspätung endlich los.

Der Startpunkt ist eigentlich kein Berg: Der Warnberg
Johanna Stöckl

Der Startpunkt ist eigentlich kein Berg: Der Warnberg

Ab Solln erreichen wir über den Isartalradweg den 24 Meter hohen Maria-Einsiedel-Berg, an dessen bewaldetem Fuß sich das denkmalgeschützte Asam-Schlössl schmiegt. Das mit barocken Fresken versehene ehemalige Künstlerschloss ist heute eine edle Gaststätte. Dort angekommen, muss das Fahrrad erstmals über den steilen Weg bergauf geschoben werden. Im Anschluss lassen wir uns entspannt Richtung Stadtzentrum rollen.

In Sendling passieren wir dabei zahlreiche überraschend aussichtsreiche Stadtbalkone, wo wir auf der bewaldeten Hangkante gelegentlich einen Blick auf die deutlich tiefer gelegene Stadt erhaschen.

Flauchersteg in Sendling
Stefan Auth/ imageBROKER/ picture alliance

Flauchersteg in Sendling

Weiter geht's über den Flaucher, den wir Münchner auch liebevoll "Isar-Riviera" nennen, nach Giesing, wo wir am östlichen Isarufer den Giesinger Berg mit 19 Meter Höhe, später den 16 Meter hohen Nockherberg und den 14 Meter hohen Gebsattelberg erstrampeln.

Der steilste Aufstieg erwartet uns in der Altstadt. Natürlich gehört das nächste Ziel streng genommen nicht zu den höchsten Bergen Münchens: der Alte Peter, die älteste Kirche Münchens, mit ihrem 91 Meter hohen Turm. Sie steht auf dem nur vier Meter hohen Petersbergl, immerhin die höchste natürliche Erhebung in der Altstadt. Die Plattform in 56 Meter Höhe gehört zu den schönsten Aussichtspunkten der Stadt, weshalb wir sie über 306 Stufen wie einen Berg erklimmen.

Anschließend geht's über den Hofgarten Richtung Monopteros im Englischen Garten. Der Pavillon in 16 Meter Höhe entstand über Aufschüttungen, wo König Ludwig I. 1836 im Auengelände das klassizistische Monument von Leo von Klenze errichten ließ. Den mit 75 Metern höchsten Münchner Gipfel, den Fröttmaninger Berg erreichen wir über den Nordteil des Englischen Gartens und die idyllischen Isarauen.

Johanna Stöckl (l.) und Nadine Ormo im Englischen Garten
Johanna Stöckl

Johanna Stöckl (l.) und Nadine Ormo im Englischen Garten

Schweißgebadet ganz oben am Windrad angekommen, eröffnet sich ein ungewöhnliches Panorama auf die Stadt und die nahegelegene Allianz-Arena. Umgeben von der A9 und dem Autobahnkreuz München-Nord will auf der ehemaligen, renaturierten Mülldeponie mit der Heilig-Kreuz-Kirche und deren Replik an ihrem Fuße wenig Ruhe aufkommen. Unerwartet lauschig gestaltet sich jedoch der Rückweg in die City über das Naturschutzgebiet der Fröttmaninger Heide, von wo aus es im Anschluss über den Petuelring in den Luitpoldpark mit seinem 34 Meter hohen Schuttberg, dem Luitpoldhügel geht.

Auf der höchsten Erhebung Schwabings erwartet uns wie in den Bergen ein Kreuz. Wenn da nicht die Inschrift wäre: "Betet und gedenket all der unter den Bergen von Trümmern Verstorbenen!"

Ein letztes Mal heißt es kräftig in die Pedale treten, ehe nach mehr als 42 Kilometern der letzte der Seven Summits, der Olympiaberg, erreicht ist. Der Münchner Stadtberg schlechthin türmt sich, aus Trümmerschutt des Zweiten Weltkrieges und durch den Aushub der U-Bahnlinie U3 entstanden, zu 60 Meter Höhe auf.

Bevor es nach Hause geht, lockt - wie im Gebirge - natürlich eine finale Einkehr in Münchens höchst gelegenem Biergarten, der "Olympia-Alm".



insgesamt 47 Beiträge
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parhornung 16.07.2019
1. Nein, nein!
Und schon wieder diese dumm-dämliche Aufdonnerung einer Überschrift mit Englisch! Was soll das? Das erinnert an "Galileo"-Niveau oder an "maskierte Sänger", an irgendwelche "Herausforderungen" und "Wildhüter" oder "Feldschütze" auf einem Baumwipfelpfad. Es ist einfach nur noch unerträglich!
Sibylle1969 16.07.2019
2.
Flickzeug sollte man auf einer Radtour aber eigentlich immer dabei haben. Gerade in der Stadt, wo viel zu oft Glasscherben o.ä. auf Radwegen herumliegen. Ansonsten empfehle ich pannensichere Reifen, die die Wahrscheinlichkeit für einen Plattfuß sehr stark verringern. Sind etwas teurer, lohnen sich aber definitiv.
andiwe 16.07.2019
3. Bei dem Titel
hätte ich eher die Aussichtsplattformen der großen Kirchen in der Innenstadt erwartet...
bedui 16.07.2019
4. Doch doch
Ich sehe ja die vielen englischen Begriffe ähnlich skeptisch, aber die "Seven Summits" sind nun mal ein feststehender Begriff. Dann ist die Wortwahl durchaus OK.
Hexavalentes Chrom 16.07.2019
5. Man wird doch noch
Dürfen wir uns fragen, ob dieser Bericht das Ergebnis eines Tests für den Ersatz von Mitarbeitern durch eine rudimentäre KI ist? Oder müssen wir mit Entsetzen feststellen, dass auch das Sommerloch nicht mehr das Sommerloch ist? Das muss doch erlaubt sein! Immerhin ist man etwaig unfreiwillig Teil eines solchen Experiments. Wehrlos, wenn Sie verstehen. Dem Nichts ausgeliefert. Verloren, also.
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