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1 Stadt, 21 Fragen: Münster, die Heimat des katholischen Humors

Foto: Oliver Berg/ picture alliance / Oliver Berg/dpa

1 Stadt, 21 Fragen - Münster Tatort Freibad

Töttchen, dazu ein Bier und nachts am Steiner See in Hiltrup spazieren gehen: SPIEGEL-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer über Münster, die Heimat des katholischen Humors.

Ob Münster, Dresden oder Paris - in der Serie "1 Stadt, 21 Fragen" stellen SPIEGEL- und SPIEGEL-ONLINE-Redakteure und -Autoren ihre Heimat- und Lieblingsstädte vor.

Welches Buch passt zu dieser Stadt?

Man braucht minimales Abstraktionsvermögen, aber dann... "Atemübungen", "Der leuchtend blaue Faden", "Dinner im Heimweh-Restaurant". Also alles von Anne Tyler. Diese wunderbarste aller Schriftstellerinnen beschreibt Baltimore, schon klar, aber dieses Kleinstädtisch-Metropolische, das Sehnsüchtig-Spießige, dieses Betrügerisch-Treue der Menschen von Tylers Baltimore, das ist Münster. Ansonsten: Jürgen Kehrer ist der Autor der Wilsberg-Krimis, und Kehrer kennt unser westfälisches Baltimore bestens.

Und welche Musik passt zu ihr?

Mit Abstraktionsvermögen... BAP. Denn deren Konzert in der Halle Münsterland war vor viel zu vielen Jahrzehnten mein Erweckungserlebnis. Ansonsten: Bob Marley, The Cure, Fehlfarben, denn das war die Jugend. Und dann, welch schreckliche Erinnerung, hieß es irgendwann im Radio "Alphaville aus Münster", aber ich kenne keinen Münsteraner, der "Alphaville" kannte... doch egal. Steffi Stephan ist jedenfalls echt. Der ist jetzt 70 und kann immer noch Bass spielen.

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Worauf sind ihre Bewohner wahnsinnig stolz?

Die Preußen waren Gründungsmitglied der Bundesliga.

Und wofür schämen sie sich?

Die Preußen stiegen im ersten Bundesligajahr ab und kehrten nie zurück.

Welches Bauwerk sollte man unbedingt sehen, fotografieren und nie wieder vergessen?

Das Rathaus am Prinzipalmarkt.

Das Szenegetränk der Stadt ist...

Keine Ahnung. Für uns war es Altbierbowle, aber das ist ja nun eine Weile her. Immer wieder eine Aufgabe, die Erdbeerstückchen aus dem Altbier herauszufischen.

Vor welchem Hintergrund knipst man das beste Urlaubsfoto?

Vor Wasser. Also im Hafen am Dortmund-Ems-Kanal (welcher Kreative ist bloß auf den Namen "Kreativkai" gekommen?) oder natürlich am Aasee.

Wo kann man nachts gut spazieren?

Am Steiner See in Hiltrup. Wir sind dann über den Zaun des Hiltruper Freibads geklettert, aber Vorsicht, der Zaun ist erhöht worden.

Was kann man hier kaufen und nirgendwo anders?

Töttchen. Das ist... wie soll man sagen? Ein Ragout aus Innereien vom Kalb mit Zwiebeln und Essig. Schmeckt wirklich, aber am besten mit viel Bier. Das Bier muss von Pinkus sein.

Was ist das Seltsamste an dieser Stadt?

Dass sie Humor hat. Münster ist schwer katholisch und schwer konservativ und kann trotzdem lachen.

Wo kennt man den Wirt beim Namen?

In unserer Kneipe, bei Erna, hieß die Wirtin Erna. Aber auch das ist lange her. Im Kuhviertel, der Kneipenmeile, gibt es noch immer die Akademische Bieranstalt Cavete und das Blaue Haus. Aber ich weiß nicht mehr, wie die Wirte heißen.

An welchem Ort sitzen Studenten an lauen Sommerabenden?

Auf den Wiesen am Aasee.

An welchem Museum kommt man nicht vorbei?

Am Picasso-Museum, Königsstraße 1.

Die schönste Bus-, Tram- oder S-Bahn-Linie ist...

...der Nahverkehrszug von Hiltrup nach Münster.

In welchem Café bekommt man Kuchen wie bei Oma?

Ach, dies ist der passende Moment für Wehmut, denn all die Cafés sind verschwunden, selbst das Kleimann am Prinzipalmarkt. Wo also? Waldhotel Krautkrämer (auch wenn es jetzt zu Best Western gehört) am See in Hiltrup.

Welches Restaurant lohnt sich wirklich?

Jetzt kommen wir nach Hause... und zwar "Zur Prinzenbrücke" am Kanal in Hiltrup.

Wo kann man gut Leute beobachten - und welche?

Auf einer Bank an der Promenade. Fahrradfahrer. Viele.

Auf welche Persönlichkeit ist diese Stadt am stolzesten?

Es gibt natürlich enorm viele berühmte Münsteraner. Dr. Reiner Klimke? Der hat so viele Goldmedaillen im Dressurreiten gewonnen, dass niemand sie zählen konnte. Fiffi Gerritzen? Der größte aller Preußen, er durfte viermal für Deutschland spielen.

Welches Gebäude ist das hässlichste?

Das geliebte Preußen-Stadion. Hilfe, ist das hässlich. Und wenn ich dann noch an die gehässigen Fans denke. Man muss Liebe nicht immer erklären können.

Wo sieht man Prominente - und wen?

Im fürchterlichen, fürchterlichen, fürchterlichen Münster-"Tatort". Und nein, das ist nicht der Humor, den ich meinte.

Anmerkung der Redaktion: Dieser Artikel wurde bereits 2017 bei SPIEGEL DAILY veröffentlicht. Eine frühere Version enthielt einen Hinweis auf die Ausstellung "Skulptur Projekte". Diese findet allerdings nur alle zehn Jahre statt - und nicht 2018. Daher haben wir ihn entfernt.

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