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Erlebniszentrum Geysir Andernach: Auf den Spuren der CO2-Bläschen

Foto: Thomas Frey/ picture alliance / dpa

Größter CO2-Geysir der Welt Eifel für Kaltduscher

Vier Fontänen pro Tag, bis zu 60 Meter hoch: Für Besucher ist es ein erfrischendes Erlebnis, wenn vulkanische Gase in der Eifel Wassersäulen in die Luft schleudern. Bei einem Ausflug zum größten CO2-Geysir der Welt bleibt kaum jemand trocken.

Aus unerfindlichen Gründen vermuten wir spektakuläre Naturschauspiele und -landschaften grundsätzlich fernab von Zuhause - als gäbe es kein Rügen, kein Wattenmeer, keine Alpen, keine sächsische Schweiz. Auch das beschauliche Rheinstädtchen Andernach am Eifelrand hat man wohl nicht direkt auf dem Radar, wenn das Stichwort Geysir fällt. Das Wort kommt nicht von ungefähr aus dem Isländischen: Die Vulkaninsel ist berühmt für ihre siedendheißen Geysire, genau wie der Yellowstone-Nationalpark in den USA und weitere Hot Spots in Neuseeland oder Kasachstan.

Von Vulkanen geformt ist aber auch die Eifel. Seit mehr als 11.000 Jahren raucht es dort nicht mehr, doch Mofetten, Austritte von Gasen vulkanischen Ursprungs, findet man noch immer an vielen Eifelorten. Im See von Maria Laach liegen sie unter der Oberfläche und lassen das Wasser sprudeln. An zwei Orten aber drücken diese Gase in regelmäßigen Abständen sogar Wasserfontänen in die Luft: Kaltwassergeysir nennt man das, und der größte weltweit liegt in Deutschland, in Andernach .

In den Jahren 1901 bis 1903 bohrte man auf der Rhein-Halbinsel Namedyer Werth in den Boden, weil im Uferbereich steigende Gase aufgefallen waren, die man als Kohlendioxid erkannte. CO2 ist ein wichtiges, industriell nutzbares Gas. Wir brauchen es seit langem als Treibgas, es macht unsere Softdrinks zu einem prickelnden Erlebnis, wir nutzen es als Kühlgas oder zur Feuerbekämpfung per Feuerlöscher. So etwas hatte man damals eigentlich im Sinn, als eine Bohrung eine stark Grundwasser-führende Schicht erreichte. Und zwar so CO2-gesättigtes Wasser, dass dieses von diesem Augenblick an in einem steten Puls unter Hochdruck an die Oberfläche schoss - damals 40 Meter weit hinauf.

Andernach hatte mit dem Namedyer Geysir versehentlich eine Touristenattraktion gewonnen - ein teilnatürliches Phänomen: Die Fontänen sind ein Nebeneffekt des Eifel-Vulkanismus, sie beruhen auf physikalischen Gesetzen. Dass aber der Geysir überhaupt "eröffnet" wurde, und dass er so hoch "springt", ist dagegen Bohrungen zu verdanken. Im Grunde ist er also eine Art Brunnen, der sich Naturgesetzen folgend wie ein Geysir verhält. Und zwar überzeugend: Mit heute bis zu 60 Meter Fontänenhöhe zählt er unter den Geysiren zu den höchsten der Welt.

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Geysir Andernach: Salzwasser-Naturdusche am Rhein

Foto: Frank Patalong

Anfänglich war der aber eher eine Art Nebeneffekt der kommerziell motivierten Bohrung. Bis 1918 füllte man sogar das eigentlich viel zu salzige Mineralwasser ab, bis 1953 auch die entweichende Kohlensäure. 1967 verschloss man die Gas- und Wasserquellen, der Geysir verschwand für über 30 Jahre aus dem öffentlichen Bewusstsein.

Ende des letzten Jahrhunderts erinnerte man sich wieder daran. Aus der Namedyer Werth war inzwischen ein idyllisches Naturschutzgebiet geworden, dem ein Geysir noch mehr Attraktivität verleihen könnte, fand man. Nur der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) war anderer Meinung: Wegen seines Salz- und Mineraliengehalts ist das Geysir-Wasser für heimische Pflanzen toxisch. Der BUND bekämpfte die geplante Bohrung auch wegen des befürchteten Publikumsverkehrs.

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Nachgehakt: So funktioniert ein Kaltwassergeysir

Foto: Ralf Schunk

Am Ende gab es einen Kompromiss: Obwohl Gas- und Wasserdruck zu einem Takt führen, der eigentlich zwölf Geysir-Eruptionen pro Tag vorgäbe, hat man das mit mächtigen Sperrschiebern reguliert. Viermal am Tag darf der Geysir nun seit 2003 wieder springen, im Winter wird er "abgedreht".

Das Erlebnis Geysir wird dabei immer ein in Grenzen exklusives bleiben: Wegen Naturschutz-Auflagen, aber auch bedingt durch die Kapazität des kleinen, aber feinen Erlebniszentrums, können nie mehr als 350 Personen auf die Insel, viermal am Tag. Dass der Trip oft ausgebucht ist, sieht man schon an der Jahresstatistik: Im Jahr 2011 kamen trotzdem rund 120.000 Besucher - an Wochenenden und Feiertagen kann es also eng werden. Wer sichergehen will, reserviert telefonisch (02632 958008-0) oder per E-Mail  Karten.

Adresse:
Konrad-Adenauer-Allee 40
56626 Andernach

Öffnungszeiten Erlebniszentrum: täglich 9 bis 17:30 Uhr

Fährzeiten: 11:15 Uhr, 13:05 Uhr, 15:00 Uhr und 17:00 Uhr (eineinhalb Stunden früher einplanen für Erlebniszentrum)

Parkplatz: Am Bollwerk (Beschilderung Innenstadt, am Rheinufer)

Ablauf eines Geysir-Besuches:

  • Vorab-Informationen im Besucherzentrum (empfehlenswert auch mit Kindern!), rund eineinhalb Stunden sollte man einplanen.
  • Fährüberfahrt, Inselbesuch und Rückfahrt (ca. 1,5 Stunden)

Preis: 13,50 pro Person inklusive, ermäßigt 9,80 Euro, Kinder unter 1 Meter frei.

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Foto: SPIEGEL ONLINE
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