Reisetipps von Bloggern Eine Familie für alle Wetter

Kalt, regnerisch, windig? Familie Marquardt schreckt widriges Wetter nicht ab. In ihrem Blog geben sie Tipps für traumhafte Ferien im hohen Norden.

nordicfamily

Über das Blog
    Geertje und Jan Marquardt aus Potsdam schreiben in ihrem Blog "Nordicfamily" seit 2009 über die Reiseabenteuer mit ihren Kindern, dem heute vierjährigen Morten und der neunjährigen Merle. Hauptsächlich ist die Familie im hohen Norden unterwegs, oft auch in der Nebensaison. Kaltes Wetter sei für sie eher Ansporn als Hindernisgrund, sagen sie.
  • Familienblog "Nordicfamily"

SPIEGEL ONLINE: Ihr Blog dreht sich fast nur um Reiseziele im kühlen Norden - wird der Süden überschätzt?

Marquardt: Der Süden gilt ja als Garant für schönes, der Norden für ungemütliches Wetter. Wir haben immer wieder festgestellt, dass Urlaub im Süden beinahe ein Reflex ist, der nicht hinterfragt wird. Das ändert sich jetzt langsam, vor allem für Familien mit Kindern. Der Süden wird also nicht überschätzt, sondern der Norden unterschätzt.

SPIEGEL ONLINE: Was fasziniert Sie denn an Skandinavien?

Marquardt: Der Norden fasziniert uns vor allem, weil er so viel zu bieten hat und touristisch oft weniger entdeckt ist. Und das zu allen Jahreszeiten. Statt in die Alpen könnte man zum Beispiel entlang der norwegischen oder Faröer Fjorde wandern. Da gibt es Berge plus Meer. Oder man fährt zum Baden in die Westschären Schwedens. Im Winter sind Skigebiete in Schweden und Norwegen schneesicher und besonders familienfreundlich.

SPIEGEL ONLINE: Gibt es auch lohnenswerte Mini-Abenteuer für Familien in Deutschland?

Marquardt: Direkt vor unserer Haustür in Potsdam gibt es wirklich schöne abenteuerliche Ecken, zuletzt waren wir beim Paddeln mit dem Vierer-Kanadier im Dschungel der Uckermark bei Lychen. Rund um Kolbatzer Mühle gibt es noch echte Wildnis - man könnte es das Kanada des Ostens nennen.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie auch einen Tipp für Wasserscheue?

Marquardt: Empfehlen kann ich auch Eselwanderungen durch die Uckermark oder einen Ausflug zu den Rittern im Barnim.

SPIEGEL ONLINE: Wie gelingt es Ihnen, Ihre Kinder auf längeren Reisen im Auto bei Laune zu halten?

Marquardt: Ab der Autobahn beginnt die Herausforderung. Der Kinder- und Familiensender Radio Teddy unterhält alle ganz gut, zumindest solange wir es empfangen können. Während unsere neunjährige Tochter Merle sich auch gern mit Hörspielen beschäftigt, hat unser vierjähriger Sohn Morten gerade das Kartenspiel Uno für sich entdeckt. Dann sitzt meist die Mama hinten und spielt hundertmal Uno auf einer Pappkiste. #nochmal!

SPIEGEL ONLINE: Bis nach Lappland dürften das mehr Runden werden...

Marquardt: Lange Strecken fliegen wir meist. Auch in den Norden. Das sind dann maximal zwei Stunden Flug. In der Zeit können die Kinder zusammen einen Film auf dem Tablet gucken.

SPIEGEL ONLINE: Zelt oder Familienhotel, Couchsurfing oder Wohnungstausch: Welche Unterkunft war die beste?

Marquardt: In abgelegenen Gegenden sind Ferienhäuser über AirBnB eine tolle Möglichkeit, Menschen vor Ort kennenzulernen, die gute Insider-Tipps geben. Im Sommer haben wir meistens ein Zelt mit dabei, aber da machen uns oft die extremeren Wetterbedingungen einen Strich durch die Rechnung. Beim Zelten auf den Faröer Inseln hat uns zuletzt fast ein Regensturm von der Insel gepustet.

SPIEGEL ONLINE: Was war Ihre schönste Nacht auf Reisen?

Marquardt: Davon gab es viele! An Weihnachten standen wir einmal mitten in der Nacht in Wollunterwäsche bei minus 25 Grad im Freien und sahen uns spektakuläre Nordlichter im nordschwedischen Dundret an. Nach der obligatorischen Sauna huschten wir schön müde zurück ins Bett. Auf Island beobachteten wir auch Nordlichter, während wir in einem Hotpot saßen, einer riesigen Badewanne mit heißem Wasser.

SPIEGEL ONLINE: Mal ehrlich: Gab es einen Moment auf Reisen, an dem Sie dachten: "Schade, dass die Kinder dabei sind"?

Marquardt: Natürlich teilen Kinder die Begeisterung Erwachsener für tolle Ausblicke nicht. Zumindest nicht lange. Auf einem Berg der Faröer etwa schauten wir über die Klippen, ein starker Wind ließ die Wolken wunderschön entlang des Tals wandern. Wir hätten stundenlang zusehen können, aber hinter uns ging es schon wieder los: "Ich hab Hunger!", "Was ist denn hier?" und "Können wir zurück?". Wir gingen dann zurück…, um Uno spielen.

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insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
stepanus34 17.08.2016
1. Einfach schön.
Möchte noch hinzufügen: Kinder müssen auch auf langen Autofahrten nicht notwendigerweise quengeln. Wir fahren oft Tausende von Kilometern von Deutschland/Österreich nach Nordnorge und zurück. Wie ist das zu schaffen? Die ständige Reizüberflutung von Kindern fernhalten. Malbücher, Lesebücher, einfach rausschauen. Reden. Ne schöne CD. Und Homeschooling. Da sehen die Kinder nicht ständig andere Kids mit dem Smartphone rumspielen. Und man ist flexibler was die Reisetermin angeht.
derauchnoch 17.08.2016
2. Bewundernswert
Ich find diese Art von Familenurlauben einfach Klasse. Ich weiß, ich könnte das nicht und finde es daher noch viel spannender. Nur am Rande: Radio Teddy ist ein Privatradiosender. Die einzige Gemeinsamkeit mit dem RBB besteht darin, dass beide Sender in Potsdam sitzen.
notbehelf 17.08.2016
3. Windel?
Trägt Morten mit 4 noch eine Windel? Oder ist das Foto älter?
emiliano-zapata 17.08.2016
4. was zum Teufel heißt:
"Homeschooling"? Habe ich da damals in meiner Schule gepennt, als dieser Ausdruck erklärt wurde? Zum Beispiel, wir kamen letztlich aus Schottland zurück (nur zu Empfehlen mit dem Zelt und Motorrad bis in die letzten Winkel!) als auf der Fähre "Coffee to take away" angeboten wurde. Kaum war die niederländische Küste in Sicht wurde das Schild in "Coffee to go" ausgetauscht. Lachhaft oder peinlich? Emil
georg69 17.08.2016
5. Interessant
Allerdings fällt auf, dass die Marke AirBnB hier und im Blog oft erwähnt wird. Da würde mich schon interessieren, ob Nordicfamily hierfür irgendeine Gegenleistung erhalten hat.
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