Folgen der Oder-Umweltkatastrophe Was Ostseeurlauber jetzt wissen müssen

In der Oder sind massenhaft Fische gestorben, die Ursache ist weiterhin unklar. Wie ist die Lage in den Strandbädern am Stettiner Haff und auf Usedom? Der Überblick.
Strand in Ueckermünde vor der Odervergiftung

Strand in Ueckermünde vor der Odervergiftung

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Maurice Tricatelle / Zoonar / Alamy Stock Photos / mauritius images

Am vergangenen Wochenende hat sich Jürgen Kliewe, der Bürgermeister von Ueckermünde, selbst auf den Weg zum Strand gemacht, um bei hochsommerlichen Temperaturen Fragen besorgter Gäste im Seebad zu beantworten. Sie wollten wissen, ob sie angesichts der Nachrichten über die Umweltkatastrophe in der Oder ins Wasser gehen können oder lieber an Land bleiben sollten.

Ueckermünde liegt auf dem Festland vor Usedom am Stettiner Haff, in das die Oder mündet und das mit der Ostsee verbunden ist. Das Stettiner Haff steht nun im Fokus der alarmierten Behörden in Mecklenburg-Vorpommern. Mit rund 900 Quadratkilometern ist es etwa doppelt so groß ist wie der Bodensee. Es gehört zu zwei Dritteln zu Polen.

Immer wieder hat Kliewe Touristen den derzeitigen Stand erklärt: Es gibt kein behördliches Badeverbot. Bisher wurden keine toten Fische auf der deutschen Seite des Stettiner Haffs in Ueckermünde gefunden. Vom Landwirtschafts- und Umweltministerium in Mecklenburg-Vorpommern wurde dennoch eine vorsorgliche Warnung herausgegeben. Überall in Ueckermünde sind die entsprechenden Anschläge aufgehängt – an den Strandeingängen, am Kiosk und an den Toiletten: Auf das Angeln und Fischen im Kleinen Haff sollte man derzeit verzichten, ebenso auf die Nutzung des Wassers sowie auf die Wasserentnahme und »Verwendung für menschliche Nutzungen«. Typisch deutsches Behördendeutsch.

Kliewe jedenfalls stellte nicht nur gegenüber den Badegästen, sondern auch in einem Telefonat mit dem SPIEGEL am Montagmittag Folgendes klar: »Erwachsene können baden gehen. Allerdings hatten wir Ende der vergangenen Woche auch Blaualgen, deshalb sollten Allergiker vorsichtig sein. Säuglinge und Kleinkinder hingegen sollten derzeit nicht im Haff planschen, sie könnten Wasser verschlucken.« Vorsicht ist gut, findet der Bürgermeister. Sollte aus der Oder etwas kommen: »Wir können hier innerhalb von einer Stunde alles sperren«, sagt Kliewe.

Und doch: Am Montagnachmittag schließlich rät die Landesregierung Mecklenburg-Vorpommerns vorsorglich vom Baden in Ueckermünde und an folgenden weiteren potenziell gefährdeten Badestellen am Stettiner Haff ab:

  • Altwarp Dorf

  • Altwarp Siedlung

  • Bellin (das Badeverbot gilt hier grundsätzlich, unabhängig vom aktuellen Geschehen)

  • Grambin

  • Mönkebude

  • Vogelsang

  • außerdem in Rieth am Neuwarper See

Es handele sich dabei um eine Vorsichtsmaßnahme, sagte eine Sprecherin des Schweriner Gesundheitsministeriums. Sobald gesicherte Informationen vorlägen, würden die Meldungen aktualisiert oder es werde Entwarnung gegeben.

»Aufgrund der Gewässerverunreinigung der Oder wird, solange keine genauen Informationen vorliegen für Badegewässer in Mecklenburg-Vorpommern, die von Oderwasser beeinflusst sein können, aus Vorsorgegründen vom Baden abgeraten«, heißt es in den Warnhinweisen, die auf dieser Badewasserkarte  der Landesregierung Mecklenburg-Vorpommern eingesehen werden können.

Für die Ostseeküste auf Usedom gibt der Landrat von Vorpommern-Greifswald, Michael Sack, gegenüber dem SPIEGEL am Montag Entwarnung: »Die Ostseeküste der Insel ist nicht betroffen, hier herrschen beste Badebedingungen.« In Ueckermünde hingegen will Bürgermeister Kliewe die Lage am Dienstagmorgen neu bewerten.

Mit Material von dpa

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