Radweg Romantische Straße
Radweg Romantische Straße
Foto: Thorsten Brönner

Radfernwege Raus aus der vollen Stadt – ab ins Grüne

Für Radler teilt sich Deutschland in zwei Welten: in volle Städte und ruhiges Land. Sechs Tipps für beschauliche mehrtägige Radtouren – mal ist die Küste das Ziel, mal sind es die Berge – oder Prag!
Von Thorsten Brönner

Wenn am Osthimmel die zarten Farbtöne aufflammen, fällt der Startschuss: Frühmorgens schleicht man sich aus der heimischen Stadt. Zurück bleiben: der Lärm, die Fahrradwege, die im Nichts enden, und der Gestank der Abgase. Alles, was das Fahrradfahren in der Stadt so beschwerlich macht. Die ersten Kilometer sind noch vertraut – dann beginnt das Abenteuer. Raus aus der vollen Stadt. Ab ins Grüne.

Diese sechs Fernwege starten in Städten und führen durch schöne Landschaften, vorbei an Wasserschlössern, Seen und Flüssen. Von jeder deutschen Großstadt aus gibt es lohnende Ziele. Mal das Meer, mal die Alpen, mal eines der Nachbarländer. In Dänemark kann man zum Beispiel erfahren, dass auch Radfahren in der Stadt Spaß machen kann. Na dann: auf nach Kopenhagen!

Radweg Hamburg-Rügen: Inselträume

Start und Ziel: Bahnhöfe in Hamburg und Sassnitz

Länge: 520 Kilometer, rund neun Tage

Die Seebrücke von Sellin

Die Seebrücke von Sellin

Foto: Thorsten Brönner

Da geht’s lang: Hamburger Radlerinnen und Radler, die sich nach Ruhe in der Natur sehnen, sollten den Lenker gen Osten drehen und Rügen entgegenfahren. Jeden Tag geht es auf dieser Strecke an Flüssen oder Seen entlang.

Den Anfang macht die Elbe. Vom Hamburger Rathaus sind es nur wenige Minuten im Sattel bis ans Ufer. In dem flachen Terrain rollt es sich leicht voran. Zeit zum Schauen. Vom Elbdeich über das Wasser, die Wiesen und alten Bauernhäuser bis hin zum Horizont. Unterwegs versüßen Cafés, Restaurants und Rastplätze die Stunden.

Im Herzogtum Lauenburg stimmen die Seen um Ratzeburg auf die Landpartie in Mecklenburg-Vorpommern ein. Schwerin ist unterwegs die größte Stadt. Ansonsten bummelt man über Radwege, Nebenstraßen und durch Alleen. Mal führen sie in einen Laubwald, mal in ein Dorf und stets tiefer hinein in die Stille der Provinz. Unter dem weiten Himmel kreisen die Gedanken frei umher. Je länger die Reise dauert, desto häufiger wandern sie voraus zum Reiseziel Rügen.

Fotostrecke

Stadt, Land, Rad

Foto: Thorsten Brönner

Der Radweg führt bis an die Ostküste von Deutschlands größter Insel. An einem der Strände stellt man das Rad ab. Strandkorb entern und den Wellen beim Ausrollen zuschauen. Hamburg ist weit weg. Das Land dazwischen gefüllt mit persönlichen Erlebnissen. Eine großartige Tour!

Unbedingt besuchen: Für das Reiseziel Rügen sollte man mehrere Tage einplanen. Sandstrände, Seebäder, Fischerdörfer, dazu die Naturjuwelen Kap Arkona und Nationalpark Jasmund – alle verbunden durch den 275 Kilometer langen Rügen-Rundweg.

Radlertyp: Wer den ganzen Tag in der Natur verbringen möchte, hat Freude an dieser Fahrt. Der nächste See ist nie weit entfernt. Also Badesachen einpacken! Die Dörfer und Städte dienen als weitere Ankerpunkte. Häufig stellen sie die Pracht der Backsteingotik zur Schau. Ideal für stimmungsvolle Spaziergänge nach der Radetappe.

Infos: www.auf-nach-mv.de 

3-Flüsse-Tour: Ahr, Erft und Rhein

Start und Ziel: Bahnhof in Köln

Länge: 304 Kilometer, rund fünf Tage

Unterwegs auf dem Ahr-Radweg

Unterwegs auf dem Ahr-Radweg

Foto: Thorsten Brönner

Da geht’s lang: Vor der Fahrt ist da erst einmal die Entscheidung: Im Uhrzeigersinn radeln? Oder dagegen? Wer sich für Letzteres entscheidet, bummelt stromabwärts den Rhein entlang. Die Rheinauen zaubern viel Grün in die Landschaft. Städte, Straßen, Bahntrassen – all das bleibt in der Ferne zurück.

Nach 50 Kilometern zieht linker Hand das Flüsschen Erft daher. Der Radweg an seiner Seite ist gut ausgebaut. Um Grevenbroich blendet man besser die Bilder um die Tagebaue und Kraftwerke aus, tritt schneller in die Pedale und steuert zu den Perlen des Erfttales – den Wasserschlössern.

Zwischen Erft und Ahr zwingt eine lange Steigung Radlerinnen und Radler in die kleinen Gänge. Oben ist es geschafft – die Reststrecke geht immerzu bergab. Auch Fluss Nummer drei schlägt einen schnell in den Bann.

Der Ahr-Radweg bringt es auf knapp 80 Kilometer. Zu Beginn nutzt er die Trasse der ehemaligen Oberen Ahrtalbahn. Die Beine treten wie von allein. Der Kopf scannt unentwegt das Terrain. Man saust durch Bahntunnels und freut sich weiter unten über die Weinberge.

Unbedingt besuchen: Der Rhein-Erft-Kreis ist eine der wasserburgenreichsten Regionen Deutschlands. Mehr als fünfzig Burgen und Schlösser schmücken die Landschaft. Aushängeschilder sind die Schlösser Augustusburg und Falkenlust in Brühl, beide Teil des UNESCO-Welterbes.

Radlertyp: Die guten Radwege laden zu einer Reise mit der ganzen Familie ein. Die einzige Steigung zwischen den Flüssen Erft und Ahr ist langgezogen und auch ohne E-Bike gut machbar.

Infos: www.ahrtal.de www.rhein-erft-tourismus.de 

Berlin-Kopenhagen: 700 Kilometer Bilderbuch

Start und Ziel: Bahnhöfe in Berlin und Kopenhagen

Länge: 700 Kilometer, rund zwölf Tage

Nyhavn in Kopenhagen – hier endet die Radtour

Nyhavn in Kopenhagen – hier endet die Radtour

Foto: Thorsten Brönner

Da geht’s lang: Würde man Europas Radwege nach ihrer Vielfalt bewerten, dann bekäme der zwischen Berlin und Kopenhagen einen der ersten Preise. Ein schöner Moment ist es, wenn die 3,8-Millionen-Stadt Berlin am Rand ausfranst und die Vorstädte zurückbleiben.

Die Naturparks Barnim und Uckermärkische Seen stimmen auf die Landpartie ein. Dahinter zieht der Müritz-Nationalpark einen tiefer in das Landschaftsgemälde. Sein Schöpfer: die Gletscher der Eiszeit. Auf einen Hügel schnaufen, runter in ein Dorf, aus deren Mitte eine Backsteinkirche ragt. Es geht im Zickzackkurs von Brandenburg nach Mecklenburg-Vorpommern. Dort mischen sich neue Bilder in die Stille. Erst dominieren Felder, dann weitet sich der Horizont – voraus die Ostsee.

Per Fähre geht es auf die dänische Insel Falster. Mit der Meeresluft in der Nase genießt man das Inselhüpfen via Bogø und Møn nach Seeland. Dort hat sich der Radweg den Höhepunkt für das Finale aufgespart. In Kopenhagen reiben sich Radlerinnen und Radler die Augen: überall markierte Radspuren, abgestimmte Ampeln, Haltegriffe, Radparkhäuser. Wer in dem Schwarm der Radler mitschwimmt, fragt sich früher oder später, wann es in Deutschlands Städten endlich so eine Infrastruktur gibt?

Unbedingt besuchen: Auf der 700 Kilometer langen Fahrt kann man sich mit Ruhetagen belohnen. Etwa in der Mecklenburgischen Seenplatte oder an der dänischen Ostsee.

Radlertyp: Auf dieser Fahrt schlagen die Herzen von Städteurlaubern wie von Naturfreunden höher. In reizvollem Wechsel serviert der Radweg beides. Den einen Tag in einer Altstadt übernachten, den nächsten an einem See oder direkt am Meer schlafen – funktioniert unterwegs wunderbar!

Infos: www.bike-berlin-copenhagen.com/de 

100-Schlösser-Route: Vierfacher Radgenuss im Münsterland

Start und Ziel: Bahnhof in Münster (Nordkurs und Südkurs), Coesfeld (Westkurs), Warendorf (Ostkurs)

Länge: Westkurs 310 Kilometer, rund fünf Tage; Nordkurs 305 Kilometer, rund fünf Tage; Ostkurs 240 Kilometer, rund vier Tage; Südkurs 210 Kilometer, rund vier Tage

Das Wasserburg Anholt

Das Wasserburg Anholt

Foto: Thorsten Brönner

Da geht’s lang: Dürften sich Radlerinnen und Radler eine Gegend für Ausfahrten malen, dann würde sie wohl so aussehen wie das Münsterland: Flach bis sanft welliges Terrain mit Wäldern und Feldern drin. Hier und da hingetupfte Kleinstädte. Und dann erst die Parks mit ihren Wasserschlössern und Burgen.

Seit mehr als 30 Jahren gibt es die 100-Schlösser-Route bereits. Die vier Rundschleifen erschließen auch die hintersten Winkel des Münsterlandes.

Zwei der Touren beginnen in Münster, dieser fahrradfreundlichen Stadt mit ihrer Promenade als Aushängeschild. Auf 4.500 Meter Länge umschließt die Promenade die ganze Altstadt. Autofrei! So cruist man unter den Lindenbäumen hindurch und fragt sich, welche der Runden wohl am meisten lohnt.

Der Westkurs? Die 310 Kilometer sind reich an Attraktionen wie der Wasserburg Anholt, dem Schloss Raesfeld und der Burg Gemen.

Wer sich den Nordkurs vornimmt, darf sich auf das Schloss Münster, die Burg Hülshoff und das Kloster Bentlage freuen.

Der Ostkurs führt zum NRW Landgestüt in Warendorf und im Tal der Lippe zum Schloss Hovestadt.

Und der Südkurs? Der reserviert den Höhepunkt aller Runden für sich – das Schloss Nordkirchen, genannt »Westfälisches Versailles«.

Unbedingt besuchen: Die Fahrradwege im ruhigen Münsterland mit seinen Wäldchen, Alleen und Feldern sind eine Sehenswürdigkeit für sich. Insgesamt gibt es vor Ort 4.500 Kilometer Radwege, unterteilt in 300 Rundstrecken und 21 Themenrouten. Dort lassen sich wunderbar Tagesradtouren fahren.

Radlertyp: Fans von großen Landschaftspanoramen sollten woanders hinfahren. Dafür gibt es radlerfreundliche Städte und tolle Parks, mittendrin meist ein Schloss, eine Burg oder ein Kloster. Romantiker freut es.

Infos: www.muensterland.com 

Radweg München-Regensburg-Prag: Go East!

Start und Ziel: Die Bahnhöfe in München und Prag

Länge: 470 Kilometer, rund acht Tage

Der Radweg von München nach Prag führt streckenweise an der Isar entlang

Der Radweg von München nach Prag führt streckenweise an der Isar entlang

Foto: Thorsten Brönner

Da geht’s lang: Für Münchner Radler gibt es einen perfekten Weg, um ruhig aus der Metropole herauszukommen: Man rollt einfach durch den Englischen Garten nach Nordosten. Irgendwann greifen die Kronen des Auwaldes längs der Isar ineinander. Wie ein hoher grüner Vorhang riegelt er den Trubel ab. Die Straßen, die Vorstädte, den Flughafen. Die Radreifen knirschen über den gekiesten Doppelspurweg.

Hinter Freising steht der erste Kulissenwechsel an. Es geht durch die Hügel der Hallertau. Das Hopfenanbaugebiet ist ein Flecken, in dem sich Radlerinnen und Radler wohlfühlen können. Verschlafene Dörfer betten sich in Wälder und Flächen voller Hopfengestelle. Dann taucht wie aus dem Nichts die schönste Landschaft der Reise auf: der Donaudurchbruch. In einer Schleife setzt sich dort das Kloster Weltenburg auf einer Schotterbank in Szene.

In Regensburg holpert man über die Steinerne Brücke und lässt sich von den Routenschildern den Weg in den Bayerischen Wald zeigen. Bergauf. Blick auf gewelltes Land. Bergab. Wiesen, durch die sich ein Bach oder Fluss schlängelt. Es riecht nach Nadelwald und Harz.

Voraus liegt Tschechien. Auch dieser Abschnitt ist eine packende Naturfahrt. An ihrem Ende wartet eine der schönsten Städte des Kontinents – Prag. 470 Kilometer stecken zu diesem Zeitpunkt in den Beinen. Aber den prächtigsten Kilometer hat sich diese Reise fürs Finale aufgehoben. Er führt von der Altstadt über die Karlsbrücke hinauf zur Prager Burg.

Unbedingt besuchen: Dass diese Reise neben den Fahrten in der Natur auch viel Kultur bietet, zeigen die Endpunkte München und Prag. Dazwischen laden zwei weitere Städte zu längeren Aufenthalten: Regensburg und Pilsen. Die eine trägt den Titel Weltkulturerbe der Unesco, die andere war 2015 Kulturhauptstadt Europas.

Radlertyp: Die Flüsse Isar, Abens, Donau, Regen, Chamb, Radbuza, Berounka und Moldau ebnen Familien das Terrain zu genussvollen Tagen. Auch die welligen Abschnitte dazwischen lassen sich von Klein und Groß gut meistern.

Infos: www.ostbayern-tourismus.de 

München-Venedig: Ab in den Süden!

Start und Ziel: Bahnhöfe in München und Venedig

Länge: 560 Kilometer, rund elf Tage

Der Radweg bei Toblach in den Dolomiten

Der Radweg bei Toblach in den Dolomiten

Foto: Thorsten Brönner

Da geht’s lang: Nach Venedig wollen viele. Die schönste Annäherung ist die per Rad, denn diese Fernroute steigert sich jeden Tag ein bisschen. Manchmal kann man in München die Nähe zu Italien spüren wie schmecken. Die wärmenden Sonnenstrahlen sind für Radlerinnen und Radler mit Italiensehnsucht der Weckruf.

Gestärkt mit einer Brez'n und einem Cappuccino schwingt man sich am Marienplatz in den Sattel. Ab in den Süden! Als Fluchthelferin aus der Stadt dient die Isar. Sie ist nicht nur schön anzusehen, sondern hat an ihrer Seite einen Radweg, der in die Berge führt.

In Tirol geht das Staunen in die zweite Runde. Auf den fjordgleichen Achensee folgt die berauschende Abfahrt ins Inntal. Eines der Schlösser anschauen, ab in die Altstadt von Innsbruck und am nächsten Morgen über den Brennerpass schnaufen.

Voraus liegt Südtirol. Diese gezackten Berge! Dazu die lieblichen Täler und blauen Seen. Radler freuen sich über die topausgebauten Bahntrassenradwege. Hinter jeder Kurve hält man an. Nicht um nach Atem zu ringen, denn das Terrain steigt nur sanft an – es ist das Panorama des Unesco-Weltnaturerbes Dolomiten, das einen umhaut.

Vom 1.530 Meter hohen Gemärkpass (Passo Cimabanche) senkt sich das Terrain bis auf null. Wen es bisher noch nicht erwischt hat, der verliert auf diesem Abschnitt sein Herz. Sei es im Val di Cadore, dem »Tal der Gelatieri« mit seinen urigen Dörfern, den italienischen Historienstädtchen oder den stündlich wechselnden Landschaften. Eine davon ist am Reiseziel die Lagune. Sie legt sich schützend um Venedig. Geschafft!

Unbedingt besuchen: Auf der Transalptour kann man in Toblach gut einen Ruhetag einlegen. Doch zur Ruhe kommt man bei dem Dolomitenpanorama nicht, es lockt eine Wanderung. Als krönendes Reisefinale ist in Venedig der Dogenpalast Pflicht.

Radlertyp: Jeder, der gern schlemmt und jeden Tag ein anderes Panorama auskosten möchte, wird nach dieser Fahrt schwärmen. Aber vorher unbedingt trainieren, denn unterwegs lauern der Brennerpass (1.370 Meter) und der Gemärkpass (1.530 Meter).

Infos: www.muenchen-venezia.info 

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