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21. April 2018, 09:45 Uhr

Bergbau-Dämmerung

Schicht im Schacht

Das Ruhrgebiet hat in diesem Jahr Anlass für bittersüße Feiern: 2018 ist das Jahr des endgültigen Kohleausstiegs. Wir verlosen zehn exklusive Tickets für eine der letzten Fahrten "unter Tage".

Es gibt keine Region in Deutschland, die sich so sehr über ihre Industrien definiert wie das Ruhrgebiet. Stahl und Kohle bestimmten mehr als ein Jahrhundert Lebensstil und Alltagskultur im "Pott". Doch seit Jahrzehnten sind diese Schlüsselbranchen in stetem Niedergang, mit der Kohle ist Ende 2018 sogar endgültig Schluss: Mit der Zeche Prosper Haniel in Bottrop schließt der letzte noch aktive "Pütt".

Damit ist das Thema Montanregion Ruhr wohl endgültig auf dem Weg, Geschichte zu werden. Davon loslassen wollen aber weder die Menschen in der Region, noch die Städte: Die Industrien bleiben Teil der Ruhr-DNS - auch wenn man da, wo früher Arbeiter schwitzten, heute eher beim Tanzen ins Schwitzen kommt.

Oder ins Staunen, Wundern, sentimentale Rückbesinnen: Kohle und Stahl sind Themen, die man an der Ruhr auf vielfältige Weise ins kulturelle Leben integriert. Und 2018 legen sich die Museen und Verbände, Veranstalter und Kreativen ganz besonders ins Zeug: Abschied von der Kohle feiert man schließlich nur einmal.

Die Highlights des Jahres 2018 an Rhein und Ruhr

200.000 Besucher, 46 Spielorte, 21 Städte, eine Nacht: Das ist die ExtraSchicht am 30. Juni 2018, die Nacht der Industriekultur. Fördertürme, Gasometer und Lohnhallen werden zur Bühne für Streetart, Musik- und Theaterperformances, Poetry Slams, Licht- und Pyro-Inszenierungen.

ExtraSchichtler erleben eine Metropole in Bewegung und reisen von 18 Uhr bis 2 Uhr früh mit Shuttlebus oder Straßenbahn, per Kanalschiff, Fahrrad oder zu Fuß von Spielort zu Spielort. Und für zehn Leser von SPIEGEL Online beginnt die Extraschicht mit einer Grubenfahrt unter Tage (siehe unten).

Kunst und Kohle: Die mit dem Bergbau verbundenen Facetten der Region - die von der Industrie geprägte Landschaft, die harte körperliche Arbeit unter Tage, das Material Kohle an sich, der unprätentiöse und solidarische Menschenschlag, der Strukturwandel - inspirieren und faszinieren Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt seit jeher.

Vor diesem Hintergrund führen die RuhrKunstMuseen vom 6. Mai bis zum 16. September 2018 künstlerische Positionen unter dem Ausstellungstitel "Kunst & Kohle" zusammen, die sich sowohl retrospektiv als auch perspektivisch der Frage nach der kulturellen Dimension dieses Einschnitts widmen.

Schichtwechsel: Was macht der Bergmann, wenn er nicht einfahren muss? Klar doch: kicken oder gucken - nichts hat das Ruhrgebiet neben dem Bergbau mehr geprägt als der Fußball.

Die Sonderausstellung "Schichtwechsel. FußballLebenRuhrgebiet" blickt auf die historisch enge Symbiose zwischen beiden Lebensbereichen und zeigt, wie der Fußball auch in Zukunft - nach Ende des Bergbaus - das Identitätsgefühl der Menschen zu ihrer Region prägen wird. Vom 22. März bis zum 23. Dezember 2018 im Deutschen Fußballmuseum in Dortmund.

Rückschau: Wenn nach Hunderten von Jahren der deutsche Kohlebergbau Geschichte wird, dann verdient das natürlich auch einen ausgiebigen Blick zurück. Dafür haben das Essener Ruhr Museum, das Deutsche Bergbau-Museum Bochum und das Leibniz-Forschungsmuseum für Georessourcen ihre Kompetenzen gebündelt und mit "Das Zeitalter der Kohle. Eine europäische Geschichte" eine große Gemeinschaftsausstellung auf die Beine gestellt.

Ort: die beeindruckenden Räume der Mischanlage der Kokerei Zollverein, Welterbe Zeche Zollverein, 27. April bis 11. November 2018.

Wandel erfahren: Orte der Arbeit werden zu Orten der Kultur und Freizeit, zu Attraktionen in einer Landschaft, die so menschgemacht ist wie sonst kaum eine andere. Besonders intensiv lässt sich das per Fahrrad erkunden - auf dem die ganze Region durchziehenden, beispiellosen Radwege-Netzwerk des "radrevier.ruhr". 2018 ist auch das Jahr, in dem die Verbindung der Radschnellwege vollzogen wird. Sie erschließen die einstigen Industriestätten als touristische Ziele.

Die Fahrt, die man nicht buchen kann: Unter Tage auf Prosper Haniel

Ein Event aber kann man aber nicht buchen, das muss man gewinnen: Nur am 30. Juni 2018 - der Nacht des Ruhrgebiet-weiten Kulturfestivals Extraschicht - haben ein paar Dutzend Bürger letztmalig Gelegenheit, auf Zeche Prosper Haniel einzufahren, bevor sie bei Streetart und Konzerten, Poetry-Slams oder Theater-Performances die Nacht zum Tage machen. Die Tickets sind nicht käuflich und können auch nicht weitergegeben werden. Wer sich darum bewirbt, sollte sich sicher sein, dass sie oder er es auch nach Bottrop schafft.

Für die Grubenfahrt gilt, was auch auf den wilderen Fahrgeschäften in Freizeitparks üblich ist: Man sollte hinreichend fit sein, keine akuten Herz- oder Kreislaufprobleme haben, nicht schwanger sein, kein Problem mit geschlossenen Räumen haben (oder der Vorstellung, ein paar Millionen Tonnen Gestein über sich zu wissen). Strapazen muss man aber nicht befürchten - und heutzutage fährt man unter Tage auch eher mit der Bahn, als durch enge Stollen zu krauchen.

Wir verlosen die exklusiven Tickets jeweils im Doppelpack und bieten damit fünf mal zwei Personen Gelegenheit, das Abenteuer Bergwerk noch live zu erleben, bevor seine Zeit in Deutschland endgültig endet.

Update Montag, 23.4.2018: Das Gewinnspiel ist beendet. Die Namen der Gewinner werden im Laufe des Tages veröffentlicht.

pat

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