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29. August 2011, 06:26 Uhr

Scube-Hotelprojekt

Nachts im Freibad

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Schicke Würfel im legendären Prinzenbad: Berlin-Besucher können seit Juni im Kreuzberger Freibad übernachten. Das Projekt begeisterte die Juroren eines Gründerwettbewerbs - doch Einheimische kämpfen nun dafür, dass die Holzhütten schnellstmöglich wieder verschwinden.

Urlaub klingt anders. Statt Meer rauscht alle fünf Minuten die U-Bahn vorbei. Die Wagen der Linie 1 rattern, rumpeln und rasseln. Statt Brandung dröhnen Automotoren durch die Nacht. Statt Möwen und Schwalben trillern in regelmäßigen Abständen Polizeihörner. Willkommen in Berlin-Kreuzberg, willkommen im Prinzenbad, willkommen im Scube Park.

Seit Juni können Touristen und Einheimische in dem ungewöhnlichen Ferienresort einchecken. Sozusagen in Betten mit Beckenblick. Die Häuschen der Anlage stehen im Sommerbad Kreuzberg, am Rande der Liegewiese zur Gitschiner Straße, direkt hinter den U-Bahn-Gleisen. Die Anreise führt einmal quer durchs Bad. Halbstarke präsentieren ihre Muskeln, Sportler jonglieren Fußbälle in der Luft. Es riecht nach Chlor und Sonnencreme. Kinder schreien. Türkinnen sonnen sich mit Kopftuch auf der Liegewiese. Am Ziel schaukeln rote Buchstaben im Wind, sie baumeln an einer Leine zwischen zwei Bäumen und formen die Wörter Scube Park.

Es handelt sich dabei um fünf Holzwürfel, je 2,80 Meter breit, hoch und tief. Im Innern ist Platz für zwei bis drei Betten und ein Tischchen. Darauf steht eine Vase. Orchideen strecken ihre Blüten zum Sonnenlicht, das durch die Glasscheibe neben der Eingangstür fällt. Die Fichtenwände duften.

Party-Touristen unerwünscht

2008 gewann das Konzept "Übernachten im Freibad" den Business-Plan-Wettbewerb der Landesbanken Berlin und Brandenburg. Heute, drei Jahre später, arbeiten die Geschäftsführer der Scube Parks Berlin GmbH, Markus Haas und Tanja Rathmann, daran, dass das Konzept nicht nur auf dem Papier, sondern auch in der Realität funktioniert.

Eine Garage mit drei Schreibtischen ist Büro und Rezeption in einem. Die Chefs schütteln ihren Besuchern zur Begrüßung persönlich die Hand. 49 Euro kostet ein Bungalow momentan pro Nacht für zwei Personen, drei Gäste zahlen 69 Euro. "Der Preis soll Party-Touristen abschrecken. Unsere Hauptzielgruppe sind Familien", sagt Haas.

Der 35-Jährige will mit seinen Wohnwürfeln auch Einheimische begeistern. "Berliner, die keinen Balkon oder Garten haben, sind bei uns herzlich willkommen." Außerdem können Badegäste tagsüber einen Würfel nutzen, für neun Euro. Die Holzwände schützen vor Regen, UV-Strahlen - und vor unerwünschten Blicken. "Manchmal versuchen minderjährige Liebespaare, unsere Würfel zu mieten. Sobald wir sie nach dem Ausweis fragen, hat sich die Sache jedoch erledigt", sagt Haas.

Lokalpolitiker wollen keine Würfel

Die Urlaubsanlage mitten in der Stadt polarisiert. Die Studenten Oliver Schneider und Malte Langmann stehen mit nassen Badehosen und freien Oberkörpern vor den Hütten. Die Besucher des Prinzenbads haben sich auf der Suche nach einer Klimmstange in den Scube Park verirrt. Sie sind begeistert von dem Projekt. Nur die Preise seien etwas hoch.

Einige Lokalpolitiker wollen die Holzbuden dagegen am liebsten wieder aus dem Bad herauswürfeln. Sie bekämpfen die Geschäftsidee mit allen Mitteln. Ihre Waffe: die Drucksache 2233/III. Der Antrag "Kein Hostel im Prinzenbad" wurde von der Bezirksverordnetenversammlung im Frühling angenommen. Die Folge: Statt der geplanten 40 stehen nur fünf Würfel in der Nähe der Schwimmbecken. Die Politiker kritisieren, dass Haas die Würfel auf dem Rasen aufgebaut hat. Das verkleinere die Liegewiese, die Gäste hätten weniger Platz. "Öffentliches Areal wird privatisiert", schreibt die Grüne Taina Gärtner im Antrag.

Haas bedauert den Widerstand der Politiker. "Der Scube Park sollte nie ein Hostel sein, sondern den Badebetrieb ergänzen. Unser Motto lautet: Tagsüber baden, nachts übernachten." Die Entscheidung der Bezirksverordnetenversammlung wirft seine Kalkulation durcheinander. "Für fünf Würfel rechnet es sich nicht, in der alten Umkleidekabine neben unserem Gelände Toiletten und Duschen einzubauen. Das ist nicht refinanzierbar."

Dixi-Klo statt Luxus-Toilette

Haas greift nach einem Feuerzeug, setzt es an den Kronkorken. Plopp. Der Geschäftsführer reicht seiner zukünftigen Praktikantin ein Bier. Die 25-Jährige übernachtet heute mit ihrem Freund im Park. Sie soll das Produkt, das sie demnächst vermarkten wird, kennenlernen. Haas steht am Grill und wendet Würstchen. Dazu gibt's Kartoffel- und Krautsalat vom Discounter um die Ecke.

Die Glut lodert und knistert. Auf dem Tisch flackert ein Teelicht. Limbrock schiebt seinen Holzstuhl zurück und stampft durch die Nacht Richtung Dixi-Klo. Im Plastik-WC ist es dunkel, es riecht nach Desinfektionsmitteln. Statt Abflussrohren gibt's eine Fallgrube, statt einem Wasserhahn steht ein schwarzer Plastikeimer voller Wasser neben der Toilette.

Tagsüber sind Klobesuche komfortabler. Von 7 bis 20 Uhr können Gäste die Infrastruktur des Bades nutzen, Toiletten und Duschen inklusive. Der Prinzenbad-Imbiss verkauft zum Frühstück Müsli und Brötchen. Zum Abendessen frittiert der Koch Pommes. Nach 20 Uhr müssen die Gäste sich selbst versorgen. Das Betreten des Bades ist dann verboten. Ein Zaun stoppt potenzielle Nachtschwimmer.

"Laut den Berliner Bäderbetrieben dürfen Gäste zu ihrem eigenen Schutz nur unter der Aufsicht von Rettungsschwimmern ins Wasser springen", sagt Haas. Ins Berliner Nachtleben dürfen die Besucher dagegen ganz ungestört eintauchen. Wenn Gäste durch Kreuzberger Clubs tanzen wollen, öffnet Haas den Seiteneingang zur Gitschiner Straße. Nur er hat den Schlüssel zum Tor. Wer wieder rein will, muss Haas anrufen. Egal zu welcher Uhrzeit.

Von Berlin nach Usedom

Es ist kurz nach Mitternacht. Die Praktikantin und ihr Freund fallen in die Betten. Weitere Gäste gibt es heute nicht. Unter der Woche stehen die Häuser häufig leer, am Wochenende ist es etwas voller. Etwa 150 Besucher haben im Scube Park nach Angaben von Haas seit der Eröffnung übernachtet. Sie bleiben im Schnitt zweieinhalb Nächte. In Zukunft soll es voller werden. Vor kurzem verkaufte Haas über ein Internet-Schnäppchenportal 200 Übernachtungen. Mund-zu-Mund-Propaganda und Internet-Werbung soll das Ferienressort noch bekannter machen - trotz des Widerstands der Politiker.

Damit seine Gäste in Zukunft den vollen Luxus genießen können, sucht der Unternehmer derzeit einen neuen Standort. Schließlich soll der Berliner Würfelpark nur der erste von vielen sein. Haas' Traum: Ab 2012 radeln Urlauber von Scube Park zu Scube Park, von der Hauptstadt bis an die Ostsee, von Berlin bis nach Usedom. Alle 30 bis 40 Kilometer übernachten sie in einem Würfel. Wer will, bekommt vor Ort Frühstück. Und im Winter heizen Infrarot-Strahler die Luft im Innern der Kabinen.

Am Ziel der Reise würde dann auch der Klang stimmen. Statt der U-Bahn rauscht das Meer und statt einem Porsche dröhnt nur die Brandung. Willkommen im Urlaub.

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