Sicherheit an Flughäfen Polizei will Körperscanner in Hamburg testen

Strichmännchen statt Nacktbilder: Die Bundespolizei will einen entschärften Körperscanner ab September auf dem Hamburger Flughafen testen. Noch ist das Gerät nicht serienreif - Innenminister de Maizière spricht von Kinderkrankheiten.
Protest gegen Körperscanner (Januar 2010): Demnächst ist ein Gerät in Hamburg im Einsatz

Protest gegen Körperscanner (Januar 2010): Demnächst ist ein Gerät in Hamburg im Einsatz

Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/ dpa

Thomas de Maizière

Berlin - Der Einsatz von Scannern bei der Sicherheitskontrolle an deutschen Flughäfen rückt näher. Ende September will die Bundespolizei mit einem freiwilligen Test der Geräte beginnen. Dafür wurde der Flughafen Hamburg ausgewählt, sagte Bundesinnenminister (CDU) der "Bild am Sonntag".

Die Bundespolizei habe mehrere Scanner intensiv getestet und mit dem Hersteller weiterentwickelt. "Es gibt dabei keine echten Körperbilder", betonte der Innenminister. Gegenstände würden auf einer schematischen Personendarstellung ("Strichmännchen") angezeigt. "Die im Körperscanner erzeugten Daten werden sofort nach der Kontrolle gelöscht", versicherte de Maizière.

Nacktscanner

Über die Einführung sogenannter hatte es in Deutschland eine hitzige Debatte gegeben, nachdem im Oktober 2008 ein Vorstoß der EU-Kommission hierzu bekanntgeworden war. Die Geräte sollen helfen, am Körper verborgenen Sprengstoff oder Waffen aufzuspüren. In den Niederlanden und Großbritannien sind die Scanner an Flughäfen bereits im Einsatz.

Millimeterwellen statt Röntgenstrahlen

Das Gerät, das nun in Hamburg erprobt werden soll, arbeitet nicht mit Röntgenstrahlen, sondern mit Millimeterwellen. Die Geräte seien für die Gesundheit unbedenklich, versicherte der Minister. "Die Experten haben sorgfältig gemessen und festgestellt, dass von der Strahlung im Körperscanner keine gesundheitliche Gefährdung ausgeht." Verdächtige Stellen würden mit einem roten Punkt auf dem Monitor markiert.

Anders als Metalldetektoren finden die duschkabinengroßen Apparate nicht nur Metallwaffen, sondern auch Sprengstoff oder Keramikmesser. In der Kleidung oder am Körper versteckte Päckchen oder Flüssigkeiten werden sichtbar. Die neue Technik ist wesentlich teurer als herkömmliche Detektoren, ein Gerät kostet rund 130.000 Euro.

Neben der gesundheitlichen Unbedenklichkeit hatte de Maizière stets die Wahrung der Intimsphäre der Passagiere sowie die Leistungsfähigkeit als Voraussetzung für eine Einführung der Geräte genannt. Trotz umfangreicher Tests ist der Körperscanner aber offensichtlich noch nicht serienreif. Er schlage zurzeit noch eher zu oft als zu selten an. Ziel des Feldtests sei es daher, diese "Kinderkrankheiten" zu beseitigen, sagte de Maizière.

Das Gerät wurde bei der Bundespolizeiführungsakademie in Lübeck unter Laborbedingungen getestet. Für den Praxistest wurde der am nächsten gelegene Flughafen in Hamburg ausgesucht, erläuterte ein Ministeriumssprecher. 2009 nutzten gut zwölf Millionen Passagiere den Hamburger Flughafen. Damit ist er der fünftgrößte Airport in Deutschland.

abl/dpa