Familienurlaub im Schwarzwald Wettkampf der gekreuzten Ski

Mutter und Tochter stehen zum ersten Mal auf Skiern - und vor den gleichen Hürden. Wer schlägt sich besser? Ein nicht ganz ernst gemeintes Kräftemessen auf den Schwarzwälder Hängen von Todtnauberg.

Alexandra Frank / TMN

Todtnauberg - Der Wind bläst kalt von schräg oben. Meiner Tochter scheint das Wetter nichts auszumachen. Juchzend gleitet sie auf ihren Skiern in die Arme ihrer Skilehrerin, dann winkt sie fröhlich.

Ich blicke auf die verkeilten Skier an meinen Füßen. Aufgeben kommt nicht in Frage. Es ist ein Wettstreit: klein gegen groß, Kind gegen Erwachsene, jung gegen - nicht ganz so alt. Kann man mit Mitte 30 noch Skifahren lernen? Oder muss man mit fünf anfangen, wie mein Kind?

Um das herauszufinden, sind wir in das Dorf Todtnauberg im Südschwarzwald gereist. 700 Menschen wohnen hier in einem Hochtal in rund tausend Meter Höhe. Todtnauberg ist einer von rund 40 Orten in Baden-Württemberg, die von der Tourismus Marketing GmbH und vom Hotel- und Gaststättenverband beim Wettbewerb "Familien-Ferien" ausgezeichnet wurden: Seine Infrastruktur und die Urlaubsangebote sind ganz auf Reisende mit Kindern ausgelegt.

Am Buck, einer Anhöhe am Rande des Ortes, stehen wir zum ersten Mal auf den Brettern. "Hier ist die Steigung nicht groß und die Pisten nicht allzu weit", sagt Alex Schubnell, der am Hang eine Skischule betreibt. Es gibt ein rund hundert Meter langes Förderband, den "Zauberteppich", der kleine Skifahrer und Rodler den Berg hoch befördert, dazu einen Skiverleih, der Kinderequipment bereithält, und geschultes Personal, das kleinen Wintersportlern beim Ein- und Aussteigen am Lift hilft.

1:0 für die Tochter: "Wer jung ist, ist weniger ängstlich"

Um mir einen Vorteil im Mutter-Kind-Wettbewerb zu verschaffen, beobachte ich den Kinderskikurs eine Weile, bevor mein eigener Unterricht beginnt. Karin Matthes, eine Frau mit feuerrotem Haar, hockt vor fünf Schützlingen im Alter von vier bis sechs Jahren und gibt ihnen Tipps: Sie sollen "wie Elefanten" seitlich über den Teppich stampfen, um den Hügel hoch zu kommen. Mit den Skiern ein "Hausdach" oder ein "Pizzastück" formen, um zu bremsen. Und sich mit seitlich ausgestreckten Armen "wie ein Flugzeug" gleiten lassen.

"Ihre Tochter lernt bestimmt schneller Skifahren als Sie", erklärt Matthes. Wer jung ist, sei weniger ängstlich. "Außerdem stehen Kinder viel mehr mit ihrem Körper in Kontakt, während Erwachsene eher kopfgesteuert an die Sache rangehen und sich schnell verspannen."

Um diesen Vorteil wettzumachen, nehme ich Einzelunterricht bei Stefan, einem 27-jährigen Skilehrer, der seit seinem dritten Lebensjahr auf Brettern steht. Im Prinzip lerne ich dasselbe wie meine Tochter - allerdings ohne Teppiche als Aufstiegshilfe. Nach kurzer Zeit fühle ich die Anspannung in meinen Muskeln. "Was wird mir heute Abend alles weh tun?", will ich wissen. "Alles", sagt Stefan.

Ein Grund, sich nach dem Skikurs erst einmal auszuruhen und zu stärken. Dazu fahren wir zum Berggasthof "Stübenwasen", der etwa vier Kilometer nordöstlich von Todtnauberg zwischen schneebedeckten Bäumen steht. Rund um den Gasthof verlaufen Loipen für Langläufer, Wege für Winterspaziergänger und Pfade für Schneeschuhwanderer. In der Ferne ragen die Gipfel der Alpen empor, im Westen die Vogesen.

Meinem Kind ist die Aussicht egal. Es fordert: "Mehr Schnee." Also leihen wir uns Poporutscher und Schlitten aus und rodeln den Hügel gleich hinter dem Haus hinunter. Abends im Bett fühle ich meine Glieder. Meine Tochter spürt nichts. 1:0 für sie.

1:1: Nicht gejammert trotz Skilehrer-Crash

Am nächsten Morgen liegen 20 Zentimeter Neuschnee: gute Bedingungen für eine Schneeschuhwanderung, bevor am Nachmittag unser Skikurs weitergeht. Wir wollen einen Erlebnispfad erkunden, der sich 2,4 Kilometer lang durch den Wald schlängelt und extra für Familien angelegt wurde. An Erlebnisstationen erschnuppern wir Lavendelduft, messen wir uns im Schneeballwerfen, und mit einem hängenden Ledersack kegeln wir Tannenzapfen in den Schnee.

Drei Stunden später ist der Enthusiasmus meiner Tochter gedämpft. Ein gutes Dutzend Mal ist sie im Schnee gelandet und bei der "Tunnelübung" zweimal an ihrer Skilehrerin vorbeigeschlittert, statt durch deren Beine zu sausen. Weinerlich setzt sie sich auf den Boden und jammert: "Ich kann das nicht." Karin Matthes ist bestens vorbereitet. Rasch zieht sie ein Päckchen Gummibärchen aus ihrer Jackentasche und trocknet die Tränen des Kindes.

Schon ein paar Minuten später lacht meine Tochter, als sie gemeinsam mit ihrer Skilehrerin den Abhang runterfährt. Am Ende der Stunde gelingt es ihr, auf Skiern eine Kurve zu schlagen. Dennoch steht es bei unserem Wettbewerb jetzt 1:1 - trotz meines Muskelkaters bin ich nur zweimal in den Schnee gefallen und habe nicht gejammert, als ich wiederholt in meinen Skilehrer hineingefahren bin.

Am Ende der letzten Skistunde bewältigt die Tochter eine Strecke von rund acht Metern. Ich schaffe einen Hügel von knapp 110 Metern hinab. Das verrate ich meiner Tochter aber nicht. Sie ist stolz auf ihren Erfolg - und ich auch auf ihren.

Zum Schluss schnappen wir uns einen Schlitten und rodeln bis in die Dunkelheit hinein, weil ein Flutlicht den Hang hell erleuchtet. Unser Wettkampf ist längst vergessen. Wir rodeln so lange, bis wir erschöpft und durchnässt am Hang liegen bleiben und Schneeengel-Abdrücke in der weißen Pracht hinterlassen.

Alexandra Frank/dpa/abl

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insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
gumbofroehn 12.01.2015
1. Das ist ja schon nicht einmal ...
... mehr Schleichwerbung. Da sollte gleich - ANZEIGE - dran stehen.
Stäffelesrutscher 12.01.2015
2.
»und habe nicht gejammert, als ich wiederholt in meinen Skilehrer hineingefahren bin.« Wieso kommt mir jetzt bloß Emil Steinbergers »Skilehrer« in den Sinn?
albe 12.01.2015
3. die photos...
sind wohl eher vom letzten Winter, derzeit liegt da so gut wie kein Schnee und es läuft auch nur einer von 6 Liften...
Laemat 12.01.2015
4.
Wenn ich sehe wie die 10 Dropse aus der Kinderskischule wie ein einer Perlenkette jeder Bewegung des Skilehrers nach fahren, fällt es mir schwer zu glauben, dass das Kind nicht unter dem Skilehrer durchkommt. Mein Skilehrer sagte eher so etwas wie.....jetzt vor mir bremsen, wenn es nicht klappt weicht er nach links aus :D
henryb_de 12.01.2015
5. Kinderskischulen ?
Hier im Artikel steht, dass das Kind nach 2 Tagen Skischule 8m fahren kann !?!? Das bestätigt meine Meinung zu Kinderskischulen. Wenn die Eltern sicher und durschnittlich gut Skilaufen und das Kind kein "totaler Körperklaus" ist. Fährt ein fünfjähriges Kind nach 2h üben mit einem Elternteil jede beliebige blaue Piste (mit wenigen leichten Stürzen) runter. Am zweiten Tag beginnt das "Experimentieren" und die Suche nach neuen Herausforderungen. Nach einer Woche muss man, von einigen "gefährlichen" Stellen mal abgesehen, sehen dass man am Kind noch dranbleibt. Skischulen für Kinder sind dann gut, wenn die Eltern selbst nicht oder nur sehr schlecht Skilaufen (wie im Artikel) oder wenn es die Eltern mal "richtig krachen lassen wollen" und die Kinder so für 2h im Skigebiet in Betreuung gegeben werden können. Ansonsten verzögern Kinderskischulen eher das Lernen im Vergleich zum "Einzelunterricht" bei den Eltern. Und das ist ausdrücklich kein Vorwurf an die Skischulen! das geht in Gruppenarbeit und mit einer riesigen Spanne an Voraussetzungen garnicht anders. Schon die Zeit die die Kinder auf dem Zauberteppich stehen ist enorm im Relation zur effektiven Übungszeit.
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