Frankfurter Hauptbahnhof: Streik schon in der vergangenen Woche
Frankfurter Hauptbahnhof: Streik schon in der vergangenen Woche
Foto: Arne Dedert / dpa

Ausfälle, Verspätungen, Erstattungen Das müssen Bahnreisende jetzt wissen

Ab Montag trifft der zweite Lokführerstreik Pendler und Bahnfahrer. Bis in die Nacht auf Mittwoch werden erneut Züge ausfallen. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Erneut will die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) einen Streik als Arbeitskampf-Mittel einsetzen. Von Montag bis in die Nacht auf Mittwoch wollen ihre Mitglieder die Arbeit im Personenverkehr niederlegen. Bereits in der vergangenen Woche hatten sie zwischen Dienstagabend und Freitagfrüh bundesweit gestreikt. Etwa Dreiviertel der Fernzüge und 60 Prozent des Nahverkehrs fielen aus. Auch rund 300 Güterzüge blieben stehen.

Auch jetzt werden wieder Tausende Pendler und Bahnfahrer betroffen sein und ihre Pläne umstellen müssen. Die Bahn hat Ersatzfahrpläne erstellt. Wer an den Streiktagen einen Zug nutzen möchte, sollte sich rechtzeitig informieren, ob die gewünschte Verbindung auch zur Verfügung steht, oder sich um ein anderes Verkehrsmittel bemühen.

Wann wird gestreikt?

Die GDL kündigte am Freitag einen Streik von Montagmorgen 2 Uhr bis Mittwochmorgen 2 Uhr im Personenverkehr an. Der Güterverkehr wird bereits ab Samstagnachmittag 17 Uhr bestreikt.

Was bedeutet das für den Bahnverkehr?

Zugausfälle und -verspätungen sind unvermeidbar. Die Deutsche Bahn hat Ersatzfahrpläne erstellt, Verbindungen sind online in der Fahrplanauskunft  sowie in der DB Navigator App  abzurufen.

Im Fernverkehr fahren laut der Bahn bundesweit etwa 25 Prozent der Züge. Im Regional- und S-Bahn-Verkehr sollen rund 40 Prozent der Züge sein – es gebe jedoch starke regionale Unterschiede, teilte die Bahn mit. Streikschwerpunkt seien die östlichen Bundesländer.

Laut Bahn sollen auf ausgewählten Hauptstrecken etwa zwischen Berlin-Köln, Hamburg-Köln, Hamburg-Frankfurt oder München-Stuttgart die Fernzüge ab Montag im Zwei-Stunden-Takt fahren. Zwischen München und Berlin verspricht der Konzern mehrere Fahrten am Tag, ebenso zwischen der Hauptstadt und Frankfurt. »Die Anzahl der angebotenen Züge wird jedoch je nach Region stark schwanken«, hieß es. Auch der internationale Fernverkehr wird vom Streik betroffen sein.

Der Konzern rechnet ab Mittwoch, 25. August, wieder mit einem weitgehend normalen Ablauf im Bahnverkehr.

Wo erfahren Reisende, ob ihr Zug ausfällt oder Verspätung hat?

Informationen darüber hat die Deutsche Bahn in die Fahrplanauskunft  und die App eingepflegt. Eine Streikhotline steht Fahrgästen unter der Telefonnummer 08000 996633 zur Verfügung. In der vergangenen Woche wollte das Unternehmen Hunderte zusätzliche Beschäftigte einsetzen, die Reisende an den Bahnhöfen informieren.

Wie bekommen Betroffene das Geld für ihre Fahrkarte zurück?

Die Bahn hat mehrere Kulanzregelungen  angekündigt: So sollen vor allem gebuchte Tickets für Verbindungen, die vom 23. bis einschließlich 24. August vom Streik betroffen sind, bereits ab diesem Samstag bis einschließlich 4. September flexibel genutzt werden können. Auch bei Spar- und Supersparpreisen werde die Zugbindung entsprechend aufgehoben.

Für die Weiterfahrt können auch andere Züge als die auf der Fahrkarte angegebenen genutzt werden. Das gilt auch für Züge des Nahverkehrs. Auch Sitzplatzreservierungen können kostenfrei umgetauscht werden. Allerdings gilt die City-Funktion nur an dem gebuchten Reisetag.

Wer nicht zu einem späteren Zeitpunkt reisen möchte, kann sich die Fahrkarte über ein Kulanzformular  auf der DB-Website oder in der DB-Verkaufsstelle kostenfrei erstatten lassen.

Grundsätzlich gelten aber auch während des Arbeitskampfs die Fahrgastrechte  der EU-Fahrgastverordnung, erklärt Beatrix Kaschel von der Schlichtungsstelle Nahverkehr in Düsseldorf. Das bedeutet, dass die Bahn auch bei Verspätungen mindestens einen Teil des Fahrpreises zurückbezahlen muss.

Die Höhe der Entschädigung richtet sich dabei nach der Länge der Verzögerung. »Kommen Fahrgäste mindestens 60 Minuten später als geplant an, haben sie Anspruch auf 25 Prozent Erstattung, bei mehr als 120 Minuten sind es 50 Prozent«, sagt die Expertin. Diese Ansprüche können mit dem Fahrgastrechte-Formular online,  im Zug oder in einem DB-Büro geltend gemacht werden.

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Wie können Fahrgäste Verbindungsstörungen nachweisen?

Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen rät, Belege für Verspätungen oder Zugausfälle zu sammeln. Im Idealfall lassen sich Reisende die Störung von DB-Beschäftigten am Bahnhof bescheinigen.

Alternativ können Betroffene aber auch Fotos von Anzeigetafeln oder Screenshots von einer Information in der DB-App oder auf der Internetseite des Eisenbahnunternehmens machen, auf denen die Verspätung oder der Ausfall des Zugs stehen.

Welche Alternativen zur Bahn haben Reisende?

  • Mit dem Taxi weiterfahren: »Im Nahverkehr hat die Deutsche Bahn in der Vergangenheit bereits Taxifahrten von größeren Bahnhöfen aus organisiert und entsprechende Gutscheine ausgeteilt«, sagt Schlichterin Beatrix Kaschel. »Falls Reisende auf eigene Faust nach einem Taxi suchen, gibt es allerdings Einschränkungen – nicht jede Taxirechnung muss das Unternehmen nachträglich übernehmen. Nur wenn die geplante Ankunft am Ziel zwischen null Uhr und fünf Uhr nachts liegt und Reisende mindestens 60 Minuten später per Zug ankommen würden, muss das Bahnunternehmen die Kosten für eine Taxifahrt bis maximal 80 Euro erstatten. Das Gleiche gilt, wenn der letzte planmäßige Zug des Tages ausfällt und Reisende ihr Ziel bis Mitternacht nicht anders erreichen.«

  • Mit dem Fernverkehr weiterfahren: »Wenn sich abzeichnet, dass Fahrgäste ihr Ziel mit Nahverkehrszügen erst mit mehr als 20 Minuten Verspätung erreichen, können sie ohne Aufpreis mit einem Zug des Fernverkehrs fahren«, so Kaschel. Bevor Fahrgäste jedoch in den Fernverkehrszug einsteigen, müssen sie ein gültiges Ticket lösen. »Den entstehenden Mehraufwand können sie sich später von dem Bahnunternehmen zurückerstatten lassen. Dieses Recht besteht allerdings nur dann, wenn die ursprüngliche Route nicht mehr als 50 Kilometer lang ist oder nicht länger als eine Stunde dauert. Auch bei einer erheblich ermäßigten Fahrkarte, also beispielsweise einem Länderticket oder Semesterticket, gilt diese Regelung nicht.«

  • Mit dem eigenen Auto weiterfahren: Kosten für Fahrten mit dem privaten Pkw werden von der Bahn nicht erstattet.

  • Umstieg auf Mietwagen, Fernbus oder Flugzeug: Reisende, die noch keine Fahrkarte der Deutschen Bahn gebucht haben, können auf andere Verkehrsmittel zurückgreifen.

Was gilt für Berufspendler?

Grundsätzlich müssen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer auch bei einem Streik alle Möglichkeiten ausschöpfen, um pünktlich bei der Arbeit zu sein. Wenn Probleme im Personenverkehr absehbar sind, können Beschäftigte sich also nicht auf die Bahn verlassen, sondern müssen sich Alternativen suchen. Bei einer Verspätung sollten Arbeitnehmer den Arbeitgeber rechtzeitig informieren. Im schlimmsten Fall droht sonst eine Abmahnung.

abl/dpa
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