Urlaub am Wasser Die schönsten Reisetipps für den Osten Deutschlands

Mit dem Hausboot einsame Seen in Brandenburg entdecken oder auf dem Darß am weißen Sandstrand entlangschlendern: Wer im Urlaub die Füße ins Wasser baumeln lassen will, muss nicht unbedingt weit weg. Vier Empfehlungen.

Inka Chall

Alleine in Brandenburg gibt es mehr als 3000 Seen, Mecklenburg-Vorpommern lockt mit viel unverbauter Ostseeküste und an der brandenburg-sächsischen Grenze entsteht derzeit einer der größten Seenverbünde Deutschlands, das Lausitzer Seenland.

Perfekt also, um einmal den Osten als Urlaubsziel unter die Lupe zu nehmen, denn es gibt keine lange Anfahrt, ist gut für den eigenen CO2-Fußabdruck und bisher hat der Massentourismus die wenigsten Orte erreicht.

Vier Reisetipps für Urlaub am Wasser:

1. Mit dem Hausboot durch Brandenburg

Ein schwimmendes Haus zum Mieten: das BunBo-Hausboot
Inka Chall

Ein schwimmendes Haus zum Mieten: das BunBo-Hausboot

Der Hausboot-Tourismus muss wohl in Brandenburg erfunden worden sein, denn auf Tausenden Seen gibt es unzählige Anbieter, vom schlichten Floß bis zum luxuriösen Mehrkabinen-Boot. Dennoch sind die Gewässer so weitläufig, dass man sich vielerorts allein wähnt.

Ein Bootsführerschein wird nicht benötigt, lediglich eine kurze Einweisung ist vorgeschrieben. Schwer ist das Fahren nicht, nur beim Schleusen sollte man aufpassen und guten Ratschlägen folgen. Der Rest kommt von allein: Morgennebel auf dem Wasser, Begegnungen mit Graureihern, Bibern, Störchen, Kranichen, Kormoranen und manchem Bettelschwan (bitte nicht füttern!). Brandenburg ist wie ein kleines Abenteuerland und die Entspannung des langsamen Reisens kommt garantiert spätestens am zweiten Tag.

Am Abend wird der Anker gesetzt, ein Lagerfeuer angezündet und man schaut sich am schönen Sonnenuntergang müde.

Ein guter Kompromiss zwischen Huckleberry-Finn-Manier und angenehmem Luxus bietet zum Beispiel das Bungalow-Boot "BunBo" mit ein bis zwei Schlafzimmern, Toilette, Dusche, Küche: ein Tiny-House in Holz-Charme auf dem Wasser. Anbieter gibt es in jedem Revier, besonders empfehlenswert für Anfänger sind die Gewässer um Brandenburg an der Havel: wenige Schleusen, dafür viele Seen und die wunderbare wilde, alte Havel.

Tipp: Ein Beiboot ist unbedingt empfehlenswert, um auch ohne Stege anlanden zu können.

Besonders geeignet für: Familien mit Kindern unterschiedlichen Alters, denn das finden wirklich alle toll. Aber auch stressgeplagte Städter haben so einen Ort zum Erholen.

2. Ins neue Lausitzer Seenland

Auch diese Häuser an der Lausitz schwimmen im Wasser
Inka Chall

Auch diese Häuser an der Lausitz schwimmen im Wasser

Die Lausitz, sind da nicht die großen Tagebauten? Richtig. Beim Spreewald fängt die Lausitz an, irgendwo in Sachsen hört sie auf, dazwischen erstrecken sich unzählige Seen, genau dort, wo ehemalige Tagebaulöcher geflutet wurden. An manchen Stellen ist das bereits 40 Jahre her, mittlerweile hat sich eine spannende Landschaft entwickelt. Wer hierher kommt, kann wahres Neuland und so manch feinen, kleinen Campingplatz entdecken, am Gräbendorfer See zum Beispiel, nur zehn Kilometer vom Spreewald entfernt und mit perfekter Wasserqualität ausgestattet.

Weiter im Süden befindet sich der Großräschener See, der gerade erst seinen endgültigen Pegelstand erreicht hat und nun bald für Boots- und Badetouristen freigegeben wird. Er ist einer der großen Seen, die in den kommenden Jahren durch Kanäle miteinander verbunden werden und es lohnt sich, die Gegend frühzeitig zu entdecken. Da die Region besonders auf den kommenden Tourismus setzt, gibt es viele sehr gut ausgebaute Fahrradwege.

Der Senftenberger See ist bereits unter Einheimischen beliebt, ruhiger geht es nebenan und schon halb in Sachsen am Geierswalder See zu. Mit dem Solarschiff eine Runde übers Wasser drehen und zum Beispiel in den "schwimmenden Häusern" des Lausitz-Resorts einmieten, auf dessen großzügigen Dachterrassen der Tag besonders schön ausklingt.

Tipp: Wer in der Gegend ist, sollte einen Ausflug in den nahegelegenen aktiven Tagebau Welzow nicht verpassen, um sich selbst ein Bild zu machen. Touren bietet der Bergbautourismusverein Excursio an.

Besonders geeignet für: Pioniere, die keine Lust auf ausgetrampelte Touristenpfade haben.

3. Auf den Darß

Weißer, feiner Sandstrand auf dem Darß
Inka Chall

Weißer, feiner Sandstrand auf dem Darß

Die Halbinsel Fischland-Darß-Zingst in der Ostsee ist eigentlich kein Geheimtipp, im Westen jedoch immer noch recht unbekannt. Auf der kleinen Insel gibt es verschiedene Naturwunder zu bestaunen, die beiden Hirsch-Rudel zum Beispiel, die in den Salzgraswiesen leben. Im Herbst hört man sie bis Zingst röhren und mit Glück sieht man sie auf einem Ausflug im Wasser stehend - eine optische Täuschung, denn sie befinden sich auf Sandbänken in den Wiesen.

Auf dem Darß gibt es sogar Hirsche zu bestaunen
Inka Chall

Auf dem Darß gibt es sogar Hirsche zu bestaunen

Bei einem Rundgang zum Darßer Ort, dem äußersten Zipfel der Halbinsel, geht es durch den ursprünglichen Küstenwald und über Bohlen durch die feuchten Wiesen zum Strand und Darßer Leuchtturm mit herrlicher Rundumsicht. Auch Kegelrobben schätzen immer mal wieder den schönen Weststrand, mit Glück können Schweinswale gesichtet werden.

Am besten mietet man sich in Wieck oder Born in eines dieser schnuckeligen Reetdachhäuser ein, die direkt dem Kirschblütental der Gebrüder Löwenherz entsprungen sein könnten. Die geschnitzten und verzierten Darßer Türen sind das Merkmal der Gegend: Die Haustüren alter Fischer- und Kapitänshäuser wurden früher mit Symbolen versehen, die den Wohlstand erhalten, Böses fernhalten oder den Status der Person anzeigen sollten.

Das nahegelegene Zingst bietet viele Restaurants und kulturelle Highlights. Fahrräder können überall auf der Insel gemietet werden.

Tipp: Im Herbst ist der Bodden um die Große Kirr ein Paradies für Kranichliebhaber. Einfach ein Ticket auf einem der Touristenschiffe buchen und zehntausende Kraniche erleben, die sich zum Schlafen niederlassen.

Besonders geeignet für: Naturliebhaber, die weder auf Strand noch Kultur verzichten wollen.

4. Im Ferienpark an der Mecklenburgischen Seenplatte

Ferienpark Mirow: Insbesondere mit Kindern ein Highlight
Inka Chall

Ferienpark Mirow: Insbesondere mit Kindern ein Highlight

Ferienpark klingt ein bisschen nach Massenabfertigung - und das ist es auch und es ist wunderbar, insbesondere mit kleinen Kindern, die in den Ferien 24/7 beschäftigt werden möchten.

Die große Anlage beherbergt gepflegte und großzügig geschnittene Ferienhäuser im Skandinavien-Look. Wer möchte, bleibt einfach im eigenen Garten mit Terrasse, Grillplatz und Begrünung, so sitzt man den Nachbarn nicht auf der Pelle. Die Kids können derweil alleine zum nahegelegenen Spielplatz laufen oder das Kettcar nehmen, denn Autos fahren hier nicht. So mancher Erwachsener katapultiert sich mit den Gefährten ebenfalls wieder in die Kindheit.

Am Badestrand mit Kinderbereich kann ein Kanu ausgeliehen werden, um eine Runde über den See zu paddeln oder weiter in das Labyrinth der Seenkette. Minigolfplatz, Kartbahn, Streichelzoo und Kinderprogramm lassen das Gefühl zurück, noch einmal wiederkommen zu müssen, denn das letzte Grillfleisch ist noch übrig und Pony Emil wollte doch noch einmal gestreichelt werden.

Tipp: Auch die Umgebung hat Interessantes zu bieten, zum Beispiel den Bärenwald Müritz, in dem ehemalige Zirkusbären einen schönen Lebensabend bekommen.

Besonders geeignet für: Eltern, die ihre Kinder glücklich machen und dennoch die Füße hochlegen möchten.



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