Urteil in Berlin Zweitwohnungen dürfen an Touristen untervermietet werden

Gegen den Trend, in Großstädten Privatwohnungen als Fremdenzimmer zu vermieten, gibt es eine Vielzahl von Urteilen. In Berlin hatte ein Gericht darüber zu urteilen, ob das bei Zweitwohnungen erlaubt sein sollte.

Untermiete auf Zeit
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Untermiete auf Zeit


Zweitwohnungen in Berlin dürfen zeitweise an Touristen vermietet werden. Dafür müssen die zuständigen Bezirksämter eine Ausnahmegenehmigung erteilen, entschied das Berliner Verwaltungsgericht. Es gab damit drei Eigentümern recht. Sie hatten geklagt, weil ihnen Bezirksämter die Genehmigung verweigert hatten.

Damit werden Zweitwohnungen völlig anders bewertet als normale Mietwohnungen. Angesichts des knappen Wohnraums in der Hauptstadt dürfen Ferienwohnungen seit Mai endgültig nicht mehr gewerblich angeboten werden. Wer dennoch ohne besondere Genehmigung vermietet, riskiert bis zu 100.000 Euro Bußgeld.

Die Bezirksämter von Friedrichshain-Kreuzberg und Pankow hatten argumentiert, auch Zweitwohnungen unterlägen dem Zweckentfremdungsverbot. Mit dieser Auffassung scheiterten sie nun vor Gericht.

Die Eigentümer aus Rostock, Dänemark und Italien nutzen ihre Wohnungen zum Teil selbst. In der Zeit, in der sie nicht da sind, wollten sie Feriengäste beherbergen. Das dürfen sie auch, entschied das Gericht nun.

Bei normalen Wohnungen, die als reguläre Ferienwohnungen angeboten werden, sieht das anders aus, weil die Praxis die Missstände auf dem Wohnungsmarkt verschärft. Die Mieten in Großstädten steigen steil an, immer mehr Menschen können sich das Leben in Innenstadtlagen nicht mehr leisten. Dass immer mehr Wohnungen über Plattformen wie Airbnb als Gastunterkünfte angeboten werden, mindert die Probleme nicht. Vermietern verspricht das zwar Profite, die weit über normale Mieten hinausgehen, aber es entzieht dem Markt zusätzlich Wohnraum.

In Deutschland wird die Debatte über diesen Trend immer öfter mit juristischen Mitteln geführt. Über hundert Gerichtsurteile ergingen bisher, weitere 120 sind anhängig, und die Rechtsauffassung in Deutschland war bisher eindeutig: Diese Form der Untervermietung ist nicht gewollt.

pat/dpa



insgesamt 108 Beiträge
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toledo 09.08.2016
1. Ein richtiges Urteil.
Berlin ist sich ja auch nicht zu schade, mit Hilfe der sogenannten Zweitwohnungssteuer Gelder abzugreifen.
foerster.chriss 09.08.2016
2. Irres Urteil
Damit können jetzt einfach normale Wohnungen als Zweitwohnungen angemeldet und dann als Ferienwohnung weiter vermietet werden. So werden dem Berliner Wohnungsmarkt noch mehr Mietwohnungen entzogen. Es ist leider überhaupt nicht nachvollziehbar, warum ausgerechnet "Zweitwohnungen" gegenüber "Erstwohnungen" bevorteilt werden. Die Leute, die eine Zweitwohnung in Berlin anmieten, benötigen sie überwiegend selbst nur als Ferienwohnsitz. Während mit Erstwohnsitz in Berlin leben und arbeiten - und dafür dringend auf eine Wohnung angewiesen sind. Ich hoffe, das Land Berlin geht jetzt in Berufung.
mam71 09.08.2016
3.
Zitat von foerster.chrissDamit können jetzt einfach normale Wohnungen als Zweitwohnungen angemeldet und dann als Ferienwohnung weiter vermietet werden. So werden dem Berliner Wohnungsmarkt noch mehr Mietwohnungen entzogen. Es ist leider überhaupt nicht nachvollziehbar, warum ausgerechnet "Zweitwohnungen" gegenüber "Erstwohnungen" bevorteilt werden. Die Leute, die eine Zweitwohnung in Berlin anmieten, benötigen sie überwiegend selbst nur als Ferienwohnsitz. Während mit Erstwohnsitz in Berlin leben und arbeiten - und dafür dringend auf eine Wohnung angewiesen sind. Ich hoffe, das Land Berlin geht jetzt in Berufung.
Und genau das wird der Grund sein. Da ich eine Zweitwohnung gelegentlich selbst benötige bzw. nutze, kann ich sie so oder so nicht fest vermieten. Oder wollen Sie dann immer auf Zuruf kurz ausziehen, wenn der EIgentümer mal kommt?
marecohoe 09.08.2016
4. Schwer zu verstehen...
... denn so wird der Kaufanreiz für Zweitwohnungen erhöht, die sich auf diese Weise leichter finanzieren lassen und dann dem Wohnungsmarkt enzogen werden, während sich andere noch nicht mal eine Erstwohnung leisten können. Der eine kauft die zweite, der andere findet nichts mehr zum Mieten. Juhu...
jung&jang 09.08.2016
5. Das Urteil beruhigt
erstens, selbst wenn es zweihundert Wohnungen sein sollten die über airbnb vermietet würden, wäre damit die Gesamtsituation zum gesuchten freien Wohnraum prozentual unbedeutend. Das Urteil schützt den Besitzer der Wohnung im Hinblick auf das Eigentumsrecht, ich ließe mir auch nicht vorschreiben, wie ich meinen Wohnraum nutzen will. Zur Not stünde die Bleibe leer.
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