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30. Juni 2012, 09:07 Uhr

Veste Heldburg

Europas erstes Burgenmuseum entsteht in Thüringen

Museumsprofi Ulrich Großmann war selbst erstaunt, dass es in ganz Europa noch kein Burgenmuseum gibt. Das will er ändern, ein passendes Gemäuer fand er in Thüringen. Eine Pilotausstellung deutet jetzt schon an, was die Besucher ab 2015 erwarten wird - zum Beispiel mannsgroße Playmobil-Ritter.

Heldburg - Als Ulrich Großmann vor mehr als 13 Jahren das Kaiserburgmuseum in Nürnberg aufbaute, fiel ihm etwas Überraschendes auf: "Es gibt keine Stelle in Deutschland, an der ausführlich die Geschichte und die Kulturgeschichte der Burgen erzählt wird", sagt er. "Später habe ich festgestellt: So etwas findet sich in ganz Europa nicht." Damit hatte der Generaldirektor des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg ein neues Ziel vor Augen: den Aufbau eines Burgenmuseums, mit dem genau dieses museale Defizit behoben werden soll.

In der Veste Heldburg, die über dem gleichnamigen Ort im Landkreis Hildburghausen im Süden Thüringens thront, fand er den richtigen Ort für sein Vorhaben. In drei Jahren soll das Haus öffnen. Ein wichtiges Etappenziel wurde schon erreicht.

Für die Bürgermeisterin von Heldburg, Anita Schwarz, ist es ein Glücksfall, dass Großmanns Wahl infolge einer Verkettung verschiedener Umstände auf "ihre" Veste fiel. "Die Menschen hier sind sehr mit der Heldburg verbunden", sagt sie. Deshalb sei es ihr wichtig, dass dort demnächst ein Museum einziehen werde, das für die Öffentlichkeit zugänglich sei.

Sie hofft auf viele Touristen, wenn das Burgenmuseum fertig ist. Schon jetzt kämen pro Jahr etwa 20.000 Menschen auf die Veste, sagt sie. Großmann glaubt, diese Zahl könne sich nach der Fertigstellung des Hauses verdoppeln.

Exponat und Museum als Einheit

Ziel des geplanten Museums ist es nach Angaben von Großmann, die Geschichte der Burgen vom Spätmittelalter bis zur frühen Barockzeit zu erzählen - nicht von einer speziellen Burg, sondern von allen Burgen. Dabei werde es sowohl um die Geschichte der Bauwerke selbst gehen als auch um das Leben auf ihnen und um den Mythos, der sie bis heute umgibt. Das Konzept sei zweigleisig angelegt, sagt er. Zum einen werde es - wie in einem Museum üblich - eine Ausstellung geben. "Zum anderen ist die Veste Heldburg als Burg unser Exponat Nummer eins."

Wie diese doppelte Herangehensweise aussehen und wie modern das Museumskonzept sein soll, lässt sich bereits erleben. Im April öffnete auf der Veste eine Pilotausstellung, die Teile des alten Gemäuers der Heldburg zeigt und zusätzlich mit neun Modellen von verschiedenen anderen Burgen aufwartet. Wie viel umfassender das Museum bei Fertigstellung angelegt sein soll, macht erst ein Raum in der ersten Etage des sogenannten Heidenbaus sichtbar. Hier stehen lebensgroße Playmobil-Ritter neben einer Vielzahl von Spielzeugburgen.

Mit der Pilotausstellung sollen aber nicht nur erste zusätzliche Besucher auf die Veste gelockt werden. Die Schau sei auch ein Beleg dafür, dass die Idee Burgenmuseum Wirklichkeit werde, sagt Helmut-Eberhard Paulus, der Direktor der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten. Gerade mit Blick auf den Finanzierungsbedarf sei das eine wichtige Botschaft. Die Eröffnung der Pilotausstellung sei deshalb ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum fertigen Museum. Die Stiftung ist seit 1994 Eigentümer der Veste Heldburg.

Hoffnung auf EU-Gelder

Nach Angaben von Großmann, Paulus und Schwarz liegen die erwarteten Kosten alleine für den Aufbau der Dauerausstellung bei etwa drei Millionen Euro. Zwei davon seien bereits durch verschiedenen öffentliche und private Geldgeber wie den Kreistag, das Wirtschafts- beziehungsweise Kultusministerium sowie Unternehmen in Aussicht gestellt worden.

Zu diesen Kosten kämen Ausgaben für Reparaturen und Sanierungsarbeiten an der Veste selbst hinzu. Dafür würden noch einmal rund acht Millionen Euro benötigt, hieß es. Paulus hofft unter anderem auf EU-Mittel, um diesen Bedarf zu decken.

Das Geld, davon sind die Macher des Burgenmuseums überzeugt, sei in Südthüringen sehr gut angelegt. Großmann ist voll des Lobes über die Arbeit von Schwarz und Paulus. "Hier ist jeder Euro zwei Euro wert", sagt er. Was in der Vergangenheit bei der Instandsetzung der Heldburg geleistet worden sei - das Bauwerk war 1982 bei einem Brand großflächig zerstört worden -, rechtfertige jedes Vertrauen. "Das Burgenmuseum auf der Veste Heldburg", sagt Großmann, "wird ein Begriff von Großbritannien bis in den Nahen Osten sein".


Daten zum Museumsprojekt:

Sebastian Haak/dapd/sto

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