Von Elbe bis Tauber Die schönsten Radfernwege für den Frühsommer

Ein Fahrrad ist das ideale Gefährt, um in den Frühsommer zu starten: Hinter jeder Wegbiegung warten frische Blütendüfte und grüne Wiesen. Sechs Tipps für die ersten Mehrtagestouren des Jahres.
Von Thorsten Brönner

Viele Radler sind nervös: Es zieht sie raus, ins Grüne – dahin, wo sie wärmende Sonnenstrahlen auf der Haut und den Fahrtwind im Haar spüren können. Bisher jedoch war es fast unmöglich, Fernradtouren anzugehen – Zeltplätze und Unterkünfte waren aufgrund der Coronakrise geschlossen. Und das Wetter? Na ja... Und auch jetzt, wo es besser zu werden scheint, steht vor jeder längeren Strecke das genaue Checken, ob touristische Übernachtungen in den betreffenden Bundesländern gerade wieder erlaubt sind.

In den Wochen, bevor die Sommerferien beginnen, bieten sich noch die Routen in den Flusstälern an. Dort ist es geschützt und warm – und noch nicht ganz so voll. Und während man am Rad freudig einen Gang zulegt, schaltet das Gehirn einen herunter. Das Radjahr kann beginnen.

Auch für die vielen Neulinge unter den Radreise-Urlaubern: Die aktuelle Radreiseanalyse  des ADFC ergibt, dass sich 2020 mehr als die Hälfte der Befragten zum ersten Mal für eine Tour mit mindestens drei Übernachtungen auf den Sattel geschwungen haben. Die Zahl der Radreisen sank im Vergleich zum Vorjahr zwar um 35 Prozent, die der Tagesausflüge stieg dagegen um 40 Prozent. Am beliebtesten unter den Regionen waren Ostholstein, Bodensee und Münsterland.

Für den Einstieg sind flache Strecken ideal, und die findet man oft am Flussufer: Also Radtaschen packen und auf zu Donau, Elbe, Havel, Main, Mosel, Rhein oder Weser!

Der Klassiker: Elbe-Radweg

Strandkörbe, Radfahrer, Containerschiff: Am Ziel in Cuxhaven

Strandkörbe, Radfahrer, Containerschiff: Am Ziel in Cuxhaven

Foto: Thorsten Brönner

Da geht’s lang: Beliebte Radwege sind Fluch und Segen zugleich. So ist es mit diesem: Seit Jahren liegt der Radweg entlang der Elbe bei der Radreiseanalyse des ADFC auf Platz eins oder zwei – im Coronajahr 2020 hat er wieder den Weser-Radweg abgelöst. Im Sommer wird es also richtig voll. Wer aber vorher aufbricht, erlebt den Weg weniger belebt und kann alle Vorteile genießen, zudem zieht durch die tief eingeschnittenen Elbtal-Abschnitten der Duft der Streuobstwiesen.

Was fasziniert Radler eigentlich so sehr an dieser Route? Sind es die Städte Dresden, Magdeburg und Hamburg? Oder die wechselnden Panoramen – vom Elbsandsteingebirge bis zum Wattenmeer? Die vielen Altwasserarmen und Seen? Nicht zu vergessen die stromabwärts gelegenen fünf Welterbestätten der Unesco.

Das Besondere an dieser Tour: Irgendwo begeistert sie jeden. Diese Fahrt gleicht einem guten Theaterstück. Man weiß, dass immer ein neuer Höhepunkt naht, und selbst, wenn man das Stück schon gelesen hat, ist es etwas ganz anderes, es live zu erleben.

Unbedingt besuchen: Sehr gut radeln lässt es sich im Gartenreich Dessau-Wörlitz. Dort führt eine 70 Kilometer lange Schleife  durch die parkartige Unesco-Welterbe-Landschaft der Elbauen zu Seen und Schlössern.

Radlertyp: Die Wege sind asphaltiert und ruhig – ideal für Radreiseanfänger und Familien. Landschaftsfans können die wechselnden Panoramen genießen, Städtebummler die Metropolen auf dem Weg. Und Langstreckenradler freuen sich über die Herausforderung durch 780 Kilometer.

Start und Ziel: Bahnhöfe in Bad Schandau in Sachsen an der tschechischen Grenze und Cuxhaven in Niedersachsen

Länge: 780 Kilometer; rund 13 Tage

Infos: www.elberadweg.de 

Auf der Langstrecke: Rhein-Radweg

Fotostrecke

Frühlings-Fahrradtouren an Flüssen: Von Elbe bis Tauber

Foto: Thorsten Brönner

Da geht’s lang: Wer in Konstanz auf den Rhein-Radweg schwenkt, kann angesichts der Streckenlänge schon mal nervös werden. Allein der Teil der Route, der durch Deutschland führt, ist 950 Kilometer lang. Um sie komplett zu radeln, ist man gut zwei Wochen lang täglich stundenlang im Sattel. Doch man kann sich die Tour auch einfach in schaffbare Häppchen aufteilen.

Der Bodensee ist so ein Häppchen, die Fahrt am Hochrhein das nächste. Highlights sind dann der 23 Meter hohe Rheinfall und die Weinberge Badens. Zwischen den Vogesen im Westen und dem Schwarzwald im Osten überzeugen an beiden Ufern die gut ausgebauten Wege. So kann man immer wieder die Seiten wechseln. Im Süden von Bad Säckingen nach Basel und zurück nach Breisach. Von Straßburg nach Karlsruhe und wieder hinüber nach Speyer.

Doch das romantischste Teilstück der Strecke liegt hinter Mainz: Durch Dutzende Schleifen geht es am Ufer des Obere Mittelrheintals entlang, vorbei an Burgen und Schlössern und durch historische Stadtkerne. Die flachen Wege kosten kaum Kraft – da dürfen es am Abend ein paar Extrakilometer sein.

Im Norden der Strecke teilen dann die Städte Koblenz, Bonn und Köln die nächsten Häppchen ein. Ein Höhepunkt ist das Deutsche Eck, an dem Kaiser Wilhelm I. auf seinem Sockel wacht. Der Niederlande zieht der Niederrhein entgegen – breit und geruhsam durch weite Wiesen. Eine Einladung zum Weiterziehen.

Unbedingt besuchen: Der 67 Kilometer lange Flussabschnitt zwischen Bingen und Koblenz steht seit 2002 unter dem Schutz der Unesco. Fähren verbinden beide Ufer.

Radlertyp: Im Rheintal ballt sich die Kultur: Mittelalterstädte, Burgen, Schlösser, Museen. Deutsche Geschichte lässt sich auf dieser flachen, aber langen Fahrt ganz einfach erradeln.

Start und Ziel: Bahnhöfe in Konstanz und Emmerich

Länge: 950 Kilometer; rund 15 Tage

Infos: www.rheinradweg.eu 

Eine bayerische Rundfahrt: Fünf-Flüsse-Radweg

Ludwig-Donau-Main-Kanal: Über viele Brücken durch Bayern

Ludwig-Donau-Main-Kanal: Über viele Brücken durch Bayern

Foto: Thorsten Brönner

Da geht’s lang: Hier das Grün der Mischwälder, da die Rapsfelder und mittendrin ein Rad-Rundweg, der gleich fünf Flüsse miteinander verbindet: Donau, Altmühl, Pegnitz, Vils und Naab. Vor der Fahrt durch die Mitte Bayerns stellt sich nur die Frage: An welchem Fluss führt das schönste Teilstück entlang?

Wer am Fuß der Kaiserburg in Nürnberg startet und die Tour im Uhrzeigersinn fährt, folgt zuerst der Pegnitz. Parks und Auwälder – ein guter Start. An der Vils rollt man angenehm über eine stillgelegte Bahntrasse. Im dritten Teilstück setzt sich die Abfahrt fort, nur dass der Fluss an der Seite nun Naab heißt. Im vierten Abschnitt kann man von der Naabmündung die sechs Kilometer nach Regensburg zurücklegen. Oder Weltenburg ansteuern, wo die Donau eine ihrer schönsten Schleifen um das gleichnamige Kloster legt.

Auf die Felswände des Altmühltals folgen der Main-Donau-Kanal und der Ludwig-Donau-Main-Kanal. Letzterer taucht in den Nürnberger Reichswald ein, wo die Kronen der Kiefern und Fichten ineinandergreifen. Als Radler rollt man der geraden Wasserlinie nach und freut sich über die stille Passage entlang der fotogenen Brücken und Schleusen.

Unbedingt besuchen: An Essing, Berching und Kallmünz ist man schnell mal vorbeigerauscht. Doch die Kleinstädte liegen am Wasser und haben bis heute ihr historisches Bild bewahrt. Dort am besten eine Nacht bleiben.

Radlertyp? Die meist verkehrsfreien Radwege bieten sich für eine Fahrt mit der ganzen Familie an. Längs der fünf Flüsse, am Main-Donau-Kanal und am Ludwig-Donau-Main-Kanal rollt es flach dahin. Einzig in der Oberpfalz zwingt eine Steigung in die kleinen Gänge.

Start und Ziel: Bahnhof in Nürnberg

Länge: 306 Kilometer; rund fünf Tage

Infos: www.fuenf-fluesse-radweg.info 

»Seenswert«: Havel-Radweg

Eine Übernachtung wert: Werder

Eine Übernachtung wert: Werder

Foto: Thorsten Brönner

Da geht’s lang: Die Hauptstädter haben die Auswahl: Rings um Berlin liegen gleich mehrere Seenketten. Durch zwei von ihnen zieht die Havel hindurch – und an dem Fluss entlang führt eine ruhige Radtour.

Zu Beginn fällt es schwer, überhaupt Strecke zu machen: Ein Mosaik aus Wäldern, Seen, Dörfern und Kleinstädten verlangsamt die Fahrt bis Potsdam – Schloss Sanssouci besichtigen, den Alten Markt fotografieren und die Stufen zum Belvedere raufsteigen. Später erwarten einen die historischen Städte Werder, Brandenburg an der Havel und Havelberg.

Doch das Beste ist die Landschaft: Aufgrund des milden, sonnenreichen Klimas des Havellandes trägt der Fahrtwind schon früh die Gerüche des Frühsommers herbei. Die Apfelbäume blühen vielleicht noch weiß und rosa, die Wiesen stehen sattgrün da. Und abends lohnt sich ein Blick gen Himmel: Im Naturpark Westhavelland wurde Deutschlands erster Sternenpark eingerichtet.

Unbedingt besuchen: Im Frühling liegt die Stadt Werder in einem Meer aus Blüten. Der Silhouette der Kleinstadt ist geprägt von der Heilig-Geist-Kirche und der Bockwindmühle. Hier kann man wunderbar eine Extranacht einlegen.

Radlertyp: Für Natur- wie Kulturfreunde. Die Attraktionen verteilen sich über die gesamte Wegstrecke. Das Beste: Der nächste See ist nie weit entfernt.

Start und Ziel: Bahnhöfe in Kratzeburg und Wittenberge

Länge: 386 Kilometer; rund sechs Tage

Infos: www.havelradweg.de 

Sagenumwoben: Weser-Radweg

Deichfahrt: Oberhalb der Unterweser

Deichfahrt: Oberhalb der Unterweser

Foto: Thorsten Brönner

Da geht’s lang: Wenn Radler nach 500 Kilometern an der Kugelbake in Cuxhaven einen Strandkorb entern, sind sie fast ein wenig verwundert. Warum ist ihnen die Weser in den letzten Tagen so ans Herz gewachsen? Die Fahrt beginnt im Herzen Deutschlands immerhin mit einem Kuss: Der Fluss entsteht durch die Vereinigung von Fulda und Werra.

Wer dem Weser-Radweg folgt, muss nicht viel entscheiden. Der Fluss zeichnet die Richtung vor, die Routenschilder den Weg. Einer der Pflichtstopps gebührt dem Kloster Corvey, ein Weltkulturerbe der Unesco. Die Geschichte der Reichsabtei lässt sich bis ins 9. Jahrhundert zurückverfolgen.

Hameln und Bremen haben ungewöhnliche Aushängeschilder gewählt: Die erste Stadt wirbt mit Ratten und Flötenspieler, die zweite mit Esel, Hund, Katze und einem Hahn. Die Legenden vom Rattenfänger und den Stadtmusikanten sind bekannt und prägen sichtbar die Städte. Von der Bronzestatue am Bremer Rathaus geht es durch das Norddeutsche Tiefland dem Wind und der Nordsee entgegen.

Unbedingt besuchen: Bremen ist reizend – aber auch die Stadt Bremerhaven lockt mit Attraktionen für jedes Wetter. Bei Regen kann man das Deutsche Auswandererhaus oder das Klimahaus 8° Ost ansteuern. Bei trockenem Wetter das Deutsche Schifffahrtsmuseum. Spannend ist zudem eine Rundfahrt zu den Überseehäfen.

Radlertyp: Die flachen Wege ziehen gemütliche Radler und Familien mit Kindern an.

Start und Ziel: Bahnhöfe in Hannoversch Münden und Cuxhaven

Länge: 500 Kilometer; rund acht Tage

Infos: www.weserradweg-info.de 

Die Fünf-Sterne-Route: Radweg Liebliches Taubertal

Ziel des Radwegs: Wertheim

Ziel des Radwegs: Wertheim

Foto: Thorsten Brönner

Da geht’s lang: Der Radweg durch das Taubertal ist von Anfang bis Ende beeindruckend. Allein an Rothenburg ob der Tauber kommt keiner vorbei. Diese vielen Türme, diese Gassen mit ihrem Fachwerk. Beschwingt klettert man in den Sattel und merkt nach ein paar Flussschleifen, warum das Taubertal den Beinamen »Lieblich« trägt.

Hinter jeder Talbiegung möchte man anhalten und schauen: auf die sattgrünen Wälder der Frankenhöhe, den Fluss, die bunten Wiesen – der Löwenzahn blüht mit den Obstbäumen um die Wette.

Die Tauber lenkt den Weg Richtung Nordwesten. Meist rollt es angenehm bergab. Alle Städte am Weg sind klein geblieben und stellen ihr historisches Bild zur Schau: Creglingen ist eine regelrechte Fachwerkparade. Bad Mergentheim beeindruckt mit seinem Deutschordensschloss. Und das Reiseziel, die Altstadt von Wertheim, liegt an einer Schleife des Mains und wird von einer Burg bewacht – ein idealer Ort für den Ausklang der Fahrt.

Unbedingt besuchen: Schloss Weikersheim liegt eingebettet in einen gepflegten Garten. In ihm stehen Götterfiguren, zwischen denen man zur Orangerie flaniert.

Radlertyp? Wer gut ausgebaute Wege und abschüssiges Terrain liebt, liebt das Taubertal. Befahrene Straßen werden komplett gemieden. So ist die 100 Kilometer lange Fahrt eine für die ganze Familie. Der ADFC hat dem Radweg die Bestnote von fünf Sternen verliehen.

Start und Ziel: Bahnhöfe in Rothenburg ob der Tauber und Wertheim

Länge: 100 Kilometer; zwei Tage

Infos: www.liebliches-taubertal.de 

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