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Goldener Herbst: Planungshilfen für Wanderer

Foto: Heiko Lossie/ picture alliance / dpa

Apps und Tourenplaner Smarter wandern mit dem Smartphone

Jetzt aber raus in die Natur! Der Herbst lockt die Wanderer nach draußen. Welche Pfade bieten sich an? Was gibt es am Wegesrand zu entdecken? Mit Apps und Online-Routenplanern ist die Traumtour schnell geplant. Hier ist die Auswahl der besten Helfer.

"Üppige Urwaldflora, Wasserfälle, wilde Felsklammen und Geröllhänge, die sich fernab jeder Zivilisation zu befinden scheinen." Na, Fernweh geweckt? Gar nicht nötig. Die Rede ist von der Wutachschlucht, "Deutschlands größtem Canyon", wie es auf der Internetseite von Wanderbares Deutschland heißt. Lesen Outdoorfans die Routenbeschreibung zum Schluchtensteig im Schwarzwald , kann ihnen schon mal warm um die Füße werden. "In schönster Regelmäßigkeit werden Felskanzeln und Berggipfel angesteuert." Dazu offene Hochflächen, Täler, Hochmoore und Naturseen.

Der Schluchtensteig ist nur einer von bundesweit 120 Fernwanderwegen, die auf Wanderbares-Deutschland.de  verzeichnet sind. Das vom Deutschen Wanderverband initiierte Portal ist ein äußerst praktisches Werkzeug für Aktivurlauber, die neue Ziele suchen und sich vorm Loslaufen ganz genau informieren wollen.

Wie steil geht's hinauf? Wo finde ich eine Bleibe für die Nacht? Wie viel Asphalt muss ich auf der Strecke ertragen? Antworten auf diese und andere Fragen gibt es für Routen im ganzen Land - vom niedersächsischen Ahornweg bis zur Zeugenbergrunde um Neumarkt in Bayern.

"Die Lieblinge der Deutschen sind der Schwäbische Alb Nordrandweg , der Nibelungensteig  und der Kammweg Erzgebirge-Vogtland ", sagt Jens Kuhr vom Deutschen Wanderverband. Dabei gibt es zwischen Alpen und Küste viel mehr zu entdecken. "Ein toller Newcomer ist der Ith-Hils-Weg  im Weserbergland", sagt Kuhr. "Den haben wir gerade im Januar als Qualitätsweg zertifiziert." Auf dem rund 80 Kilometer langen Rundweg gibt es Türme, Kultstätten und bizarre Felsformationen zu entdecken.

Kuhrs Favorit jedoch - und so etwas wie ein Geheimtipp - ist der Leine-Werra-Weg  in Thüringen. "Hinter jeder Biegung kommt was Neues", sagt der erfahrene Wanderer, "Berghänge mit blank gewaschenen Muschelkalkformationen und Sicht bis zum Thüringer Wald, weite Plateaus, enge Pfade und Streuobstwiesen." Und gerade im Herbst sei es recht wahrscheinlich, in einem der Fachwerkörtchen eine Hausschlachtung mit anschließendem Fest mitzuerleben. Die Strecke zwischen Heiligenstadt und Creuzburg lässt sich in fünf Tagesetappen einteilen und führt unter anderem in die Buchenwälder des Naturparks Eichsfeld-Hainich-Werratal .

Insgesamt bietet die kostenlose Routendatenbank Informationen zu mehr als 19.000 Kilometern Wanderstrecke und über tausend Etappen. Herzstück ist eine interaktive Karte, auf der die Strecken eingezeichnet sind - samt Wegeverläufen, Höhenprofilen und Angaben zur Länge sowie zu touristischen Sehenswürdigkeiten. Hat man seinen Lieblingswanderweg gefunden, kann man ihn abspeichern und dann im PDF-Format aufs Handy laden.

Outdoor-Navigation in 3-D-Qualität

Auch die Tourismusverbände vieler populärer Urlaubsregionen bieten Gratis-Apps an, die diverse Vorschläge für Routen liefern. Wer die technischen Möglichkeiten seines Smartphones besser ausreizen will, der muss auf kostenpflichtige Alternativen zurückgreifen. Auf Aktivtourismus spezialisierte Buchverlage haben eine Vielzahl von Wander-Apps im Angebot, unter anderem zu den Münchner Ausflugsbergen (8,99 Euro, Michael Müller Verlag), zu Zielen rund um den Zürichsee oder in der Fränkischen Schweiz (ab 6,99 Euro, Bergverlag Rother).

Anwendungen wie 3D Realitymaps  liefern sogar dreidimensionales Kartenmaterial auf Basis von Luftbildern. In der aktuellen Version kann sich der Bergfreund zum Beispiel Pläne für die Zugspitze, die Chiemgauer Alpen, das Montafon und das Karwendel in die App laden. Pro gekaufter Karte (4,49 bis 7,99 Euro) stehen dann Rad- und Wanderwege samt Höhenprofil und Wegbeschreibung zur Verfügung.

Mit solchen Bezahl-Apps ist es möglich, die individuell zurückgelegte Strecke per GPS aufzuzeichnen - samt Höhenprofil, Geschwindigkeit und Berechnung der verbleibenden Zeit bis zum Ziel.

Auf so viel Technik können viele Wanderer sicher verzichten. Wer sich nur für einzelne Informationen interessiert - etwa für die Namen der Gipfel am Horizont -, dem helfen schlankere Apps wie der Peak Finder (3,59 Euro). Er zeigt an jedem beliebigen Standort in den Alpen in schlichter Strichzeichnung ein 360-Grad-Panorama der Umgebung an, samt prominenter Gipfel und ihrer Höhen. Das Verzeichnis umfasst Hunderte Bergspitzen in Deutschland, Österreich, Italien, Frankreich, Liechtenstein, Slowenien und in der Schweiz.

Wie piept der Waldbaumläufer?

Wo auch immer es Naturfreunde hinführt - mit dem richtigen digitalen Spielzeug lassen sich auch am Wegesrand noch ein paar Wissenslücken füllen. Was für ein Baum verliert da seine roten Blätter? Welcher Vogel liefert den Soundtrack für die Nachmittagsetappe?

Eine nützliche App für Hobby-Ornithologen ist Vogelstimmen ID (4,49 Euro im AppStore). Die Beschreibung der Tierlaute mag zwar etwas abstrakt klingen ("Der Gesang des Waldbaumläufers, ein dünnes 'si-si-drrr-si-drrrrr', ähnelt dem der Blaumeise.") Doch dank der Audioclips, die jedem Vogel zugeordnet sind, lernt der Nutzer viel über die Geräusche der heimischen Natur. Praktisch: Man kann auch selber Aufnahmen mit dem Smartphone machen - und sich dann anzeigen lassen, wer da eigentlich zwitschert.

Ohne digitale Lauterkennung kommen Apps wie der Vogelstimmen-Trainer (9,99 Euro) mit Gesangsbeispielen von insgesamt 175 heimischen Arten oder die Kosmos-Gartenvögel-App (0,89 Euro) aus. Letztere bietet Informationen über die "37 beliebtesten Gartenvogelarten", in kurzen Videoclips werden Gimpel, Nachtigall, Zilpzalp und Co. gezeigt.

Wer lieber Pflanzen als Piepmätze identifizieren will, hat mit der kostenlosen Waldfibel einen praktischen Helfer in der Hosentasche. Mit der vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz herausgegebene App lassen sich Baumhöhen ermitteln; und in einem Quiz lernt man spielerisch, welcher Baum sich hinter welchem Blatt verbirgt.

Mit der ebenfalls kostenlosen App iPflanzen lassen sich Pflanzen schrittweise definieren. Man schaue sich das unbekannte Fundstück genau an, gebe Merkmale ein wie zum Beispiel zum Pflanzentyp (Nadel- oder Laubbaum, Strauch oder Gewürzkraut) und zur Blattform (nadel-, finger- oder herzförmig, rundlich oder dreieckig) - und lasse sich aus rund 700 in der App enthaltenen Pflanzen passende Ergebnisse samt Fotos anzeigen. Nachteil: In der Gratis-Variante fehlen weiteren Informationen über die Pflanzen.

Aber zu viele Details würden vielleicht auch vom wichtigsten Teil des Wanderns ablenken: der Natur selbst.

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