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Animal Trekking: Das Wandern ist des Lamas Lust

Foto: Sebastian Kahnert/ dpa

Wandern mit Tieren Lieber mit Lama

Wandern mit Hund? Wie langweilig! Mit einem Lama an der Leine spaziert es sich ganz anders durch die Landschaft. Die Tiere sind empfindsam, vorsichtig - und immer zum Spucken bereit.

Stuttgart - Noch ist Ines Ladig trocken geblieben, aber die 33-Jährige wandert gewissermaßen mit der Angst im Nacken. "Ich verlasse mich jetzt mal darauf, dass sie nicht spucken", sagt sie. Auf ihrer Tour durch das baden-württembergische Leintal hat sie ungewöhnliche Wegbegleiter - Lamas. Die Wanderung mit den zotteligen Tieren war das Geburtstagsgeschenk für eine Freundin, die auch mit von der Partie ist.

Das sogenannte Animal Trekking, Wandern mit Tieren, wird inzwischen in ganz Deutschland als Freizeitspaß angeboten. Man kann mit Eseln wandern, mit Ziegen, Pferden oder Ponys - oder eben mit Lamas, die das besondere Risiko einer kleinen unangenehmen Dusche bergen - allerdings nur, wenn sie sich bedroht fühlen.

Tatsächlich trottet die Gruppe um Ines Ladig letztlich völlig unbenässt durch die Wiesen und Felder des Leintals. "Jeder, der kommt, fragt natürlich nach dem Spucken", sagt Susanne Ott, die die Lama-Wanderungen anbietet . Dabei zielten die Tiere vor allem auf Artgenossen und weniger auf Menschen - nur in die Schusslinie dürfe man nicht geraten. "Lamas sind Wiederkäuer", sagt Ott. "Wenn die Gras gefressen haben, dann kann das richtig grün aussehen."

Keine Kuscheltiere - auch wenn sie kuschelig aussehen

Warum man sich freiwillig diesem Risiko aussetzt? "Ich bin Steuerberaterin", sagt Ines Ladig. "Das mit den Tieren ist mein Ausgleich." Da sie selbst Pferde habe, sei die Wanderung mit Lama-Dame Bisquit für sie eher wie ein Spaziergang. Für die etwa sechs Kilometer braucht die Truppe insgesamt zwei Stunden. Die Lamas halten sie währenddessen wie einen Hund an der Leine. Kuscheltiere sind diese aber nicht, "auch wenn sie so kuschelig aussehen", sagt Veranstalterin Ott.

Freundliches Tätscheln am Hals, Anschmusen von Kinderhand? Lassen die Tiere über sich ergehen, anstatt die Aufmerksamkeit zu genießen. Auch sonst sind die Fellbündel eher unentspannt unterwegs und inspizieren mit aufgestellten Ohren und wackelndem Kopf ständig ihre Umgebung. Je unruhiger die Menschen sind, desto nervöser werden auch die Lamas.

Genau das macht sie Ott zufolge allerdings zur idealen Wanderbegleitung. "Gerade zappelige Kinder merken dann: 'Ich muss ruhiger werden'", erklärt sie. Die Heilpädagogin setzt das Lama-Trekking daher auch zu therapeutischen Zwecken ein. Für manche sei die Wanderung auch eine Bestätigung: "Ich schaffe das mit dem Tier." Die Lamas sollen so auch beruhigend auf die Teilnehmer wirken.

Ausgeglichenes Wesen, gefahrloser Umgang

Bei anderen Anbietern steht eher der Event-Charakter im Vordergrund: Steffen Schindel bietet im brandenburgischen Lindow  Animal Trekking gleich mit einem ganzen Stall verschiedener Tiere an. Teilnehmer können zwischen Ziegen, Mulis, Eseln, Hunden, Ponys und Lamas wählen. "Einfach das Naturerlebnis mit einem zusätzlichen Erlebnis verbinden", das mache den Reiz des Ganzen aus, glaubt Schindel. "Ich bin mittlerweile jedes Wochenende unterwegs und unter der Woche auch mit Schulklassen."

Auch in der Lüneburger Heide oder im Rheingau können sich Wanderer von Lamas oder anderen Tieren begleiten lassen. Im Teutoburger Wald werden Touren mit Alpakas angeboten. "Lamas eigenen sich gut, da sie ein ausgeglichenes Wesen haben, auf Distanz gehen und damit auch ein gefahrloser Umgang zum Beispiel mit behinderten Menschen möglich ist", sagt Marius Tünte vom Deutschen Tierschutzbund . Grundsätzlich sei es aber wichtig, dass die Tiere nicht vermenschlicht und auch nicht überfordert würden.

Ines Ladig gefällt der Ausflug. "Total witzig" sei die Wanderung gewesen, sagt sie hinterher. Da treffen die Lamas auf der Koppel gerade auf ihre daheimgebliebenen Artgenossen. Dann plötzlich: Gerangel, Tritte - und eine Spuckattacke auf die Neuankömmlinge. Die menschliche Wandertruppe bleibt verschont. Zumindest dieses Mal.

Antonia Lange/dpa/emt
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