Frühstart in die Adventszeit 44 Tage vor Heiligabend – ist denn jetzt schon Weihnachtsmarkt?

Noch bevor die Stadt mit einem »Helau« in die Karnevalssaison startet, heißt es »Hohoho«: Der Weihnachtsmarkt in Duisburg macht bereits am Donnerstag auf, Glühwein und Krapfen gibt es früh wie nie. Wo es wann losgeht – der Überblick.
Weihnachtsmarkt in Bremen: Am 21. November geht es in der Hansestadt an der Weser los

Weihnachtsmarkt in Bremen: Am 21. November geht es in der Hansestadt an der Weser los

Foto: Juergen Sack / Getty Images

44 Tage vor Heiligabend eröffnet die Stadt Duisburg am Donnerstag ihren großen Weihnachtsmarkt in der Innenstadt. Das ist für einen so weiträumigen Weihnachtsmarkt wie den der Großstadt an Rhein und Ruhr so früh wie noch nie: ein Tag vor Sankt Martin beziehungsweise Karnevalssaisonbeginn am 11. November, 17 Tage vor dem ersten Advent – und eben einen Monat und zwei Wochen vor Heiligabend.

Klar: Kleinere Märkte wie etwa der »City-X-Mas« am Frankfurter Opernplatz, die Winterwelt am Potsdamer Platz in Berlin oder aber das Bayreuther Winterdorf öffneten sogar schon im Oktober. Im Essener Stadtteil Steele läuft schon seit 3. November ein Markt, in Hamburg der Wandsbeker Winterzauber seit 4. November, ebenso der Markt in Berlin-Lichtenberg.

Insgesamt gibt es zudem einen Trend, die Märkte nicht mehr vor Heiligabend zu beenden, sondern auch noch zwischen den Jahren oder sogar bis Januar hinein geöffnet zu halten.

Nach den Ausfällen der Coronakrise sehen sich die Weihnachtsmärkte dieses Jahr mit der Energiekrise konfrontiert. Viele haben effizientere oder weniger Beleuchtung angekündigt sowie manchmal auch kürzere Tagesöffnungszeiten.

Die potenziellen Gäste der Weihnachtsmärkte nehmen diese Änderungen einer repräsentativen YouGov-Umfrage zufolge gut an: Auf die Frage, ob es für die Menschen in Zeiten der Energiekrise, die weniger Lichterzauber und andere Einschränkungen bereithielten, wahrscheinlicher oder unwahrscheinlicher sei, dass sie einen Weihnachtsmarkt besuchen werden, gaben 20 Prozent der Befragten an, dass ein Besuch sogar wahrscheinlicher sei. Für 52 Prozent ist es unverändert wahrscheinlich, für 18 Prozent unwahrscheinlicher.

Hier geht's zu Glühwein und Lebkuchen:

Im Ruhrgebiet ist man besonders früh dran mit dem Marktstart:

  • Auf Duisburg  folgt am 11. November das Freizeit- und Einkaufszentrum Centro in Oberhausen  mit dem »Bergweihnachtsmarkt«, »Santa's Village« und »Wichtelmarkt«, am 12. November dann die Stadt Essen  in der Innenstadt mit ihrem 50. Internationalen Weihnachtsmarkt. Weitere nordrhein-westfälische Städte wie Bochum , Dortmund  und Düsseldorf  legen am 17. November mit dem Budenzauber los, Bonn  beginnt am 18. November.

  • Auch im Norden geht es früh los: »Hamburgs geilster Weihnachtsmarkt«, so die Eigenwerbung, namens Santa Pauli  an der Reeperbahn kommt mit seinen Hütten ab 14. November in Gang.

Traditionell eröffnen Weihnachtsmärkte im deutschsprachigen Raum meist erst nach Totensonntag, der 2022 auf den 20. November fällt:

Auch die Weihnachtsmärkte in den Nachbarländern Österreich, Schweiz, Frankreich und Tschechien lassen sich noch etwas Zeit:

  • Der Wiener Christkindlmarkt geht am 19. November los, der Salzburger Christkindlmarkt schon zwei Tage vorher.

  • In Zürich beginnen das »Wienachtsdorf« vor dem Opernhaus auf dem Sechseläutenplatz und der Weihnachtsmarkt Dörfli im Niederdorf am 24. November, genau einen Monat vor Heiligabend.

  • In der Elsass-Metropole Straßburg, die sich selbst »Weihnachtshauptstadt« nennt, geht es am 25. November los.

  • In Prag öffnet der große Weihnachtsmarkt vor der imposanten Kulisse des Altstädter Rings (Staromestské Námestí) am 26. November.

Ablehnung seitens der Kirchen

Bei den Kirchen stößt die Ausweitung der Adventszeit und die weihnachtliche Markttreiberei im sogenannten Trauermonat November auf Ablehnung. Doch das ficht viele Kommunen kaum mehr an. »So früh wie dieses Jahr haben wir in der Tat noch nie begonnen«, sagt Alexander Klomparend, Kommunikationschef bei der Duisburg Kontor GmbH. Angesichts der Energiekrise nach dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine sei man froh, schon länger auf LED-Lichter zu setzen. Zusätzlich habe man einige Maßnahmen ergriffen.

»Wir verzichten auf die Eisbahn als Energiefresser, und wir passen die Schaltzeiten der Beleuchtung der Dämmerung entsprechend an – sprich: nicht einfach schon um 14 Uhr Lichter an«, sagt Klomparend. »Um 22 Uhr wird dann konsequent auch ausgeschaltet.«

Duisburg sieht das alles als guten Kompromiss mit Augenmaß zwischen Verzicht und Feiern. »Licht ist enorm wichtig, und die Weihnachtsmärkte schaffen ein grundlegendes Gemeinschaftsgefühl. Wir wollen die Stadt allen Widrigkeiten zum Trotz leuchten lassen. Die Menschen sollen sich genauso wohlfühlen wie früher.«

Die wegen Corona gebeutelten Schausteller hoffen 2022 auf eine gute und endlich wieder normalere Saison. Der Deutsche Schaustellerbund hatte davor gewarnt, die Märkte abzusagen: »Insbesondere dem von Monokultur, Lockdowns und Online-Konkurrenz lädierten Einzelhandel in den Innenstädten bescheren die Weihnachtsmärkte in den wichtigsten Wochen des Jahres Milliardenumsätze – und damit Steuereinnahmen.«

abl/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.