See in Brandenburg: Hauptsache, raus aus der Bude
See in Brandenburg: Hauptsache, raus aus der Bude
Foto: pure.passion.photography / Westend61 / imago

Winterwanderungen in Brandenburg Seelenpausen und Auenblicke

Entlang von Flussauen und Seen, durch Feldsteindörfer oder historische Parks – hier sind Brandenburgs schönste Wanderrouten, direkt vor der Haustür der Hauptstadt Berlin.
Von Oliver Gerhard

Brandenburg führte lange nur ein Nischendasein als Wanderrevier . Dabei findet man hier einige der einsamsten Landschaften in Deutschland. Bei rund 2000 Kilometern ausgeschilderter Wanderwege hat man die meisten Routen für sich allein. Selbst mitten in Potsdam, nur einen Katzensprung von Schloss Sanssouci entfernt, gibt es Orte, die in keinem Reiseführer stehen.

Hier sind sieben Empfehlungen, von kurz bis länger, durch Wälder und entlang von Seen.

Schorfheide: Naturschutzgebiet Plagefenn

Strecke: circa 14 Kilometer Rundtour, 4 Stunden; Anreise: mit RE 3 bis Chorin und Bus 912, Route: Komoot  

Die Stille ist erdrückend, die Einsamkeit überwältigend, die Natur einzigartig auf dieser Rundwanderung durch das älteste Naturschutzgebiet Norddeutschlands. Im Jahr 1907 engagierte sich ein Forstmeister dafür, das eiszeitlich geprägte Feuchtgebiet sich selbst zu überlassen: »Hier soll der Wald sein Leben leben.«

Heute ist das Plagefenn südlich des Dorfes Brodowin Totalreservat und Teil des Biosphärenreservats Schorfheide-Chorin. Totholz mit riesigen Baumpilzen und bemooste Buchen säumen den ersten Teil der Wanderung, später strecken abgestorbene Bäume ihre kahlen Äste aus dem Verlandungsmoor.

Aus dem Grau in Grau der Winterlandschaft leuchten immer wieder Höckerschwäne, Biber haben ihre Spuren hinterlassen. Am Rosinsee öffnet sich die Landschaft zu den Feldern des Ökodorfs , in dem man die Tour mit einem Biokaffee zum Mitnehmen aus dem Hofladen ausklingen lassen kann.

Fotostrecke

Wandern in Brandenburg: Zum Tröten der Singschwäne

Foto: Oliver Gerhard / srt-bild.de

Uckermark: rund um den Wolletzsee

Strecke: circa 17 Kilometer Rundtour, 4 bis 5 Stunden; Start- und Endpunkt: Wolletz; Route: Outdooraktive  (ab Angermünde, dann etwa 25 Kilometer), Infos: angermuende-tourismus.de 

Ein Hauch von Kanada liegt über dem Wolletzsee: Knorrige Erlen strecken ihre Arme ins Wasser, daneben liegen die Stämme einst mächtiger Buchen kreuz und quer – umgestürzt aus Altersschwäche oder gefällt von den Bibern, die hier ihr Revier haben. Am Strand knirschen Muschelschalen unter den Füßen. Graureiher warten am Ufer auf Beute und mit viel Glück entdeckt man sogar einen Eisvogel.

Am östlichen Ende des 330 Hektar großen Sees leuchten die auf Stelzen errichteten Datschen der Anwohner in Gelb, Rot und Hellblau. Immer wieder sind Biotope zu durchqueren, zum Beispiel in den sumpfigen Uferzonen des Flüsschens Welse. Passende Startpunkte zur Umrundung des Sees sind das Örtchen Wolletz, wo sich einst ein Jagdsitz Erich Mielkes befand, die Blumberger Mühle mit ihren Fischteichen oder Angermünde.

Märkische Schweiz: auf der Feldsteinroute

Strecke: 15,7 Kilometer Rundtour, circa 4 Stunden; Start- und Endpunkt: Buckow; Route: hier , Info: Maerkischeschweiz.eu 

Kirchen und Scheunen, Bauernhöfe und das bucklige Pflaster unter den Füßen: Die Dörfer entlang der gut 40 Kilometer langen »Oberbarnimer Feldsteinroute« sind mit abgeschliffenen Steinen aus Granit, Feldspat, Quarz und Glimmer aus der letzten Eiszeit errichtet worden.

Eine abwechslungsreiche Variante für Tageswanderer startet an der Schule in Buckow und führt zunächst durch die von Bibern gestaltete Schlucht des Sophienfließes nach Grunow mit seiner markanten Feldsteinkirche – in ihre Fassade sind sogenannte Schachbrettsteine eingearbeitet.

Höhepunkt ist das Künstlerdorf Ihlow, in dem alte Bauernhäuser die Ufer mehrerer Teiche säumen. Auch die Kirche liegt idyllisch am Wasser. Später geht es vom verschlafenen Ort Pritzhagen mit seinen Pferdeweiden durch eine verwilderte Nussbaumallee zurück nach Buckow. Eine ideale Tour für kalte, sonnige Wintertage.

Potsdam: Düstere Teiche

Schießanlage im Katharinenholz: Lost Place in Potsdam

Schießanlage im Katharinenholz: Lost Place in Potsdam

Foto: Oliver Gerhard / srt-bild.de

Strecke: circa 5 Kilometer; 1,5 Stunden; Info und weitere Touren: potsdamtourismus.de 

Im Frühjahr blühen die Kirschbäume im Park von Schloss Lindstedt nahe Park Sanssouci, im Winter heben sich die kahlen Äste gegen den Himmel ab. Die Fassade des Baus aus der Zeit Friedrich Wilhelms IV. leuchtet in pastelligem Orange der Wintersonne. Gleich dahinter beginnt das Katharinenholz, ein kleines Waldgebiet, das für einen Rundgang lohnt.

Zunächst gelangt man zu den Düsteren Teichen. Naturschützer machen sich Sorgen, weil dieses Feuchtgebiet in den vergangenen Sommern trockenfiel. Doch nach den Herbstregen füllt es sich zeitweise wieder mit Wasser. Später erreicht man einen bizarren »Lost Place«: meterhohe Ziegelwände, überwuchert vom Dickicht, bedeckt von Graffitis. Die einstige preußische Schießanlage geht auf das frühe 19. Jahrhundert zurück.

Wer noch weiterlaufen möchte, der baut einen Abstecher über die historische Teufelsgrabenbrücke südlich der Amundsenstraße oder zum Belvedere auf dem Klausberg in die Tour mit ein.

Nationalpark Unteres Odertal: »Weg der Auenblicke«

Nationalpark Unteres Odertal: Zwischenstopp für Singschwäne

Nationalpark Unteres Odertal: Zwischenstopp für Singschwäne

Foto: Oliver Gerhard / srt-bild.de

Strecke: circa 10 Kilometer Rundtour, 3 Stunden; Start- und Endpunkt: Criewen; Flyer mit der Route: nationalpark-unteres-odertal.eu 

Ein schrilles Trompeten schallt über die Oderauen. Die Singschwäne sind wieder da! Jedes Jahr im Winter machen sie im Nationalpark Unteres Odertal Station, bis sie in ihre Brutgebiete im Norden weiterfliegen. Bis zu tausend Exemplare halten sich dann im Schutzgebiet auf, sodass man bei einer Wanderung auf dem »Weg der Auenblicke« gute Chancen auf eine Begegnung hat.

Mehrere Landschaftsformen machen diese Tour spannend, angefangen beim idyllischen Schlosspark am Startpunkt in Criewen über einen Bohlenweg im Erlenwald und einen Urwald am Rand der Drensenberge bis hin zu den weiten Auen rechts und links der Hohensaaten-Friedrichsthaler-Wasserstraße – einer Landschaft, die an frostigen Tagen oder bei Schnee besonders faszinierend ist. In Stützkow führen 167 Stufen auf einen Oderhang mit weitem Blick bis auf die polnische Oderseite.

Spreewald: Große Spreewaldrunde

Strecke: circa 20 Kilometer Rundtour, 5 bis 6 Stunden; Start- und Endpunkt: Bahnhof Lübbenau; Route: Komoot ; Info: spreewald.de 

Lübbenau scheint verlassen: Die Straßen sind leer, die Gasthöfe geschlossen – ein typisches Bild an Wintertagen, nicht nur während der Coronakrise. Beste Voraussetzungen, um den Spreewald ganz einsam zu erleben. Eine gut 20 Kilometer lange Runde ab dem Bahnhof Lübbenau, die man jedoch auch abkürzen kann, führt zunächst durch offene Wiesen- und Feldlandschaften.

Das Wasser ist ein ständiger Begleiter, meist säumen Kanäle, Fließe und Flutgräben die Strecke, hin und wieder ergreift ein überraschter Bisam die Flucht. Auf halber Strecke folgt man zeitweise dem Nordumfluter, der den Spreewald vor Hochwasser schützen soll. Nach rund 16 Kilometern taucht der Weg bei der Traditionsgaststätte Wotschofska schließlich in den typischen Spreewälder Erlenbruchwald ein. 14 Brücken sind auf diesem verwunschenen Abschnitt zu überqueren, bis die ersten Häuser Lübbenau ankündigen.

Anmerkung der Redaktion: Wir haben in einer früheren Version des Artikels eine Wanderung durch den Naturpark Schlaubetal im Landkreis Oder-Spree beschrieben (Route bei Komoot , Info: schlaubetal-tourismus.de ). Wir haben diese Tour gelöscht, da sie zurzeit nicht möglich ist: Das Tal zählt zum Kerngebiet der Sperrzone aufgrund der Afrikanischen Schweinepest , dort ist »das Betreten des Waldes und der offenen Landschaft (Felder, Wiesen usw.) grundsätzlich verboten«.

srt