Hochklettern und Runterkommen: Baumhaushotel des Elbinselhofs Krautsand
Hochklettern und Runterkommen: Baumhaushotel des Elbinselhofs Krautsand
Foto: Uta Gleiser

Spätsommer-Ausflugstipps rund um Hamburg Die Elbe ist das Ziel

Lieblingsorte muss man teilen - davon ist die Hamburgerin Elisabeth Frenz überzeugt. Hier verrät die Erfinderin der "Wochenender"-Reisebücher einige ihrer liebsten Ziele zwischen Cuxhaven und Wittenberge.
Von Eva Lehnen

Wenn man Elisabeth Frenz fragt, wo der perfekte Ort ist, um an der Elbe den Sommer ausklingen zu lassen, hat die Hamburgerin sofort einen Tipp parat: "Auf dem Michaelshof Sammatz , einem Begegnungshof im Wendland, der mehr Dorf ist als Hof. Hier könnte ich Tage verbringen - zu jeder Jahreszeit."

Das Herz des Hofs ist ein Café mit großer Terrasse, erzählt sie, "doch der wahre Zauber passiert drum herum: Kleine Kieswege führen zu den unterschiedlichsten Ecken. Einer zum Rosengarten, ein anderer zum Gewächshaus mit Vogelvolière und wieder ein anderer zum Waldsee. Und wenn sich im Spätsommer langsam die Blätter der Bäume und Pflanzen verfärben, gibt es dort eine herrliche Farbexplosion."

Mit ihren Lieblingsadressen geizt "Eli" Frenz nicht - im Gegenteil. Die 54-Jährige sammelt sie in Büchern. "Wochenender"  heißt die Reisebuch-Reihe für Großstädter, die an freien Tagen gern das Weite in der Nähe suchen.

Lauter schöne Orte links und rechts der Elbe, an Nord- und Ostsee, in der Lüneburger Heide und in den Wäldern und an den Seen rund um Hamburg hat Frenz, unterstützt von einem Netzwerk von Journalisten und Fotografen, ausfindig gemacht: Restaurants, Cafés, Läden, Pensionen, Ferienhäuser, Hofläden, Badestellen, kleine Städtchen. Orte zum Runterkommen.

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"Wochenender"-Ausflugstipps von Elisabeth Frenz

Foto: Uta Gleiser

Entsprechend minimalistisch ist auch die Gestaltung der fünf bislang erschienenen "Wochenender"-Bände: pro Tipp ein paar Zeilen Text, dazu ein, zwei, drei Fotos. Die Naherholung soll schon beim Durchblättern der jeweils rund 180 Seiten starken Bücher beginnen. Frenz findet: "Wir werden im Alltag schon mit so vielen Informationen überschüttet, da soll beim Erkunden Raum für eigene Gedanken bleiben. Wenn man so will, sind meine Bücher oberflächlich. Aber genau das sollen sie sein."

Natürlich sind nicht alle Wochenender-Orte unentdeckt, wie sollten sie es auch sein? Das Versprechen, das Frenz jedoch gibt, lautet: Hinfahren, hin radeln lohnt sich! Hier verrät die Verlegerin einige ihrer Lieblingsorte für Ausflüge an die Elbe zwischen Cuxhaven und Wittenberge:

SPIEGEL: Welchen Ort aus dem Elbe-Wochenender hätten Sie fast nicht verraten, weil er so toll und besonders ist?

Elisabeth Frenz: Ein richtiger Geheimtipp ist die Wassermühle im Wendland  - ein wunderschönes Ferienhaus, das die Gastgeberfamilie an den Wochenenden oft selbst bewohnt. Die Mühle war früher ziemlich heruntergerockt und ist mit viel Liebe, Geduld und Talent renoviert und eingerichtet worden. Noch dazu steht sie in einem riesigen, blühenden Garten, umgeben von Feldern und Wiesen. Außerdem gibt es dort das vielleicht schönste Badezimmer der Welt.

SPIEGEL: Kein Ausflug aufs Land ohne Kaffee und Kuchen - wo gehen Sie besonders gern hin?

Frenz: Im Alten Land kann man ganz großartigen Kuchen essen, weil das Obst vom Baum quasi in den Kuchenteig fällt. Besonders lecker und idyllisch ist es zum Beispiel im Hofcafé des Biohof Ottilie . Selbst Spitzenköchinnen und -köche versorgen sich hier mit alten Apfelsorten, Wildkräutern und historischen Gemüsen. Toll ist auch der Obsthof Schuback , wo man ein Picknick unter Apfelbäumen bestellen kann.  

SPIEGEL: Ein kleines Naturwunder ganz in der Nähe?

Frenz: Besonders beeindruckt hat mich bei meinen Reisen an die Elbe die Schmölener Düne in Dömitz , weil ich Dünen vorher nur von der Küste kannte. Die Schmölener Düne jedenfalls ist die größte Binnenwanderdüne Europas, und man kann sie sich auf einem Rundweg ganz wunderbar erwandern.

SPIEGEL: Sie haben ein freies Wochenende: Wo mieten Sie sich ein?

Frenz: In den Baumhäusern des Elbinselhofs Krautsand . Dort kann man sich richtig schön einkuscheln, den Blick über die Pferdeweiden schweifen lassen und dem Blätterrauschen zuhören. Man kann sich hier ganz wunderbar vorm Alltag verstecken und fühlt sich, als hätte jemand die Welt mal kurz ganz leise gestellt.

SPIEGEL: Welche Restaurant-Telefonnummer haben Sie in Ihrem Handy gespeichert, um auch spontan von unterwegs reservieren zu können?

Frenz: Will man ein bisschen aus der Stadt raus, aber doch noch in Hamburg bleiben, kann ich den Besuch im Zollenspieker Fährhaus  empfehlen. Dort in Hamburg-Kirchwerder, am südlichsten Punkt der Hamburger Elbe, herrscht pure Deichromantik. Das Viersternehotel hat ein Restaurant mit Wintergarten und Vinothek, eine Kaminbar und einen Biergarten. Das Allertollste ist natürlich das Pegelhäuschen , das kleinste Restaurant der Welt, aber das muss man leider Monate im Voraus buchen.

SPIEGEL: Hinter vielen tollen Orten an der Elbe stehen engagierte Macher oder Macherinnen. Mit wem könnten Sie sich endlos lange unterhalten?

Frenz: Es gibt unheimlich viele tolle Menschen, die an der Elbe leben und einzigartige Orte aufgebaut haben. Im regelmäßigen Kontakt bin ich zum Beispiel mit Thomas Sampl , Koch und Gründer der Hobenköök  im Hamburger Oberhafen. Selten habe ich jemanden getroffen, der sich so leidenschaftlich mit guten Lebensmitteln auseinandersetzt.

SPIEGEL: Wo fühlt sich ein Spätsommerausflug an die Elbe ein bisschen an wie ein Kurztrip ans Meer?

Frenz: Am Naturstrand an der Hetlinger Schanze . Wer will, steigt in Wedel von der S-Bahn aufs Rad um und fährt sieben Kilometer am Deich den Elberadweg entlang. Dann schlüpft man durch ein Holzgatter, folgt dem kleinen Trampelpfad durchs Schilf und steht plötzlich am Sandstrand. Verpflegung unbedingt mitbringen - hier gibt es weit und breit nichts zu kaufen.

SPIEGEL: Apropos Radfahren - welcher ist Ihr Lieblingsabschnitt des Elberadwegs?

Frenz: Ich finde, den Lieblingsabschnitt des Elberadwegs  muss jeder für sich selbst finden. Das wird einem ja denkbar einfach gemacht, weil man jederzeit ein- und aussteigen kann. Meine Lieblingsradtour an der Elbe ist etwas urbaner: die Radtour durch Wilhelmsburg. Los geht es an den Landungsbrücken und durch den Alten Elbtunnel, um die Elbe zu unterqueren. Kommt man am anderen Ende raus, ist man in nur wenigen Radminuten in dem ehemaligen Arbeiterviertel. Die Tour führt dann durch das Hafen- und Gewerbegebiet, durch das bunt-kreative Zentrum und vorbei am Naturschutzgebiet Heuckenlock  mit der Bunthäuser Spitze, wo sich die Elbe in Norder- und Süderelbe teilt.

SPIEGEL: Raus aus der Großstadt Hamburg, ab in die kleinen Städtchen an der Elbe - wohin?

Frenz: Wenn es sich eine Stadt verdient hat, malerisch genannt zu werden, dann ist es Lauenburg . Stundenlang kann man durch die historische Altstadt flanieren und all die reich verzierten Fachwerkhäuschen bestaunen. Außerdem gibt es hübsche Läden, kleine Cafés und urige Restaurants. Nur verschlafen ist es ein bisschen, man sollte vorher auf jeden Fall die Öffnungszeiten checken.

Glückstadt  hat eine entzückende Altstadt, einen hübschen Hafen und den besten Matjes des Nordens. Das ist der perfekte Ort, um eine Radtourpause zu machen. Außerdem kommt man dort mit der Fähre auf die andere Seite der Elbe nach Wischhafen. Und natürlich Hitzacker : ein süßes Hippie-Städtchen mit entspannten Einwohnerinnen und Einwohnern und alternativen Lokalen. Die Altstadt liegt auf einer Insel, woran ein Weinberg angrenzt. Super Kombination!

SPIEGEL: Naherholung auch bei Regen - wo findet man die?

Frenz: Bei Regen lohnt sich ein Ausflug in den Hamburger Oberhafen. Seit einigen Jahren ist hier zwischen ruckeligen Kopfsteinpflasterstraßen und alten Gleisanlagen ein buntes Kreativviertel entstanden. Essen gehen kann man in der windschiefen Oberhafen-Kantine,  ein Klassiker! In der schon erwähnten Hobenköök  kann man tolle Lebensmittel einkaufen (und ebenfalls richtig lecker essen), bei der Interior-Designerin Johanna Schultz  gibt es antike Möbel, verrückte Objekte und bunt-leuchtende Vintage-Buchstaben. Mit Kindern kann man bei Regen Die Halle  besuchen, eine riesige Parkour-Halle zum Rennen, Klettern und Springen.

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