Wahrzeichen Wuppertal startet Verkauf alter Schwebebahn-Wagen

Mit der Wuppertaler Schwebebahn wird das wohl markanteste Nahverkehrsmittel Nordrhein-Westfalens modernisiert. Einige der 40 Jahre alten Wagen stehen nun zum Verkauf.

DPA

Die Wuppertaler Schwebebahn ist für Touristen eine Attraktion, für Einheimische ist sie das wichtigste Nahverkehrsmittel - und das "liebste Stück", wie es auf der Webseite der Stadtwerke heißt. Damit das mehr als hundert Jahre alte Wahrzeichen auch in Zukunft durch die 350.000-Einwohner-Stadt zuckeln kann, wird es derzeit modernisiert. Neue Wagen sollen schon bald in Betrieb gehen. Wer sich ein Exemplar aus der alten Flotte sichern möchte, muss sich schleunigst darum kümmern. Seit heute bieten die Wuppertaler Stadtwerke 21 der Wagen zum Verkauf an.

Der Festpreis beträgt 5000 Euro. "Das ist in etwa der Schrottwert", sagt Stadtwerke-Sprecher Holger Stephen. Allerdings ist es damit für den Käufer nicht getan: Allein der Transport der zerlegten Wagen auf Tiefladern im Stadtgebiet kostet etwa 2000 Euro.

Wer das für den hängenden Betrieb konstruierte Gefährt aufstellen will, muss ein Fundament bauen und eine Baugenehmigung haben. Im Internet warnen die Stadtwerke davor, die Wagen zu unterschätzen: Sie sind 24 Meter lang - länger als ein Tennisplatz.

Echte Fans kann das jedoch nicht verschrecken: Sechs Stunden nach Veröffentlichung einer E-Mail-Adresse für verbindliche Kaufzusagen seien bereits 15 Angebote eingegangen, berichten die Stadtwerke. "Wir sind ganz zuversichtlich, dass wir alle an den Mann bringen", erklärte der Sprecher.

Schwebebahn als Plätzchenausstechform

Die jetzige Schwebebahn-Flotte aus 25 Wagen saust seit den Siebzigerjahren auf der 13 Kilometer langen Trasse. Damit das funktionstüchtige Unikum im Stadtbild bleibt, sollen drei Wagen verschenkt werden. Bewerben konnten sich Interessenten bis Ende September. Eine Schule schlug vor, einen der alten Schwebebahnwagen in einen Pausenraum auf dem Schulhof zu verwandeln. Andere Bewerber, in der Mehrzahl Unternehmen, wollen eins der Exemplare gastronomisch nutzen. Über die Gewinner-Projekte wird im Internet vom 31. Oktober an abgestimmt. Ein Wagen aus der alten Reihe soll möglichst weiter auf der Trasse fahren.

Die Schwebebahn ist mit täglich 85.000 Fahrgästen nicht nur Rückgrat des Nahverkehrs in Wuppertal, sondern die Touristenattraktion schlechthin. Die Anfragen für eine Tour im gemieteten Wagen werden jedes Jahr mehr. "Souvenirs mit der Schwebebahn wie Kugelschreiber oder Plätzchenausstecher sind absolute Topseller", sagt Martin Bang, Geschäftsführer von Wuppertal Marketing.

Am 14. November kommt, noch in Einzelteilen, der erste Wagen der neuen Schwebebahn in die Stadt im Bergischen Land. Im Januar 2016 sollen nachts die ersten Probefahrten beginnen. Ende 2017 soll die neue Generation komplett sein. Auch das wird die Fans anlocken, meint Touristik-Fachmann Bang: "Die Gäste rufen jetzt schon an und fragen: 'Wann kommt die neue Schwebebahn?'".

Ulrike Hofsähs/dpa/jus



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hmutt 19.10.2015
1. Krach
In Wuppertal mag es ja platzbedingt nicht anders möglich sein, aber in erster Linie macht die Schwebebahn vor allen Dingen eines: einen Höllenlärm. Ich möchte da kein Anwohner sein.
albert schulz 19.10.2015
2.
###Der Festpreis beträgt 5000 Euro. "Das ist in etwa der Schrottwert", sagt Stadtwerke-Sprecher Holger Stephen. Allerdings ist es damit für den Käufer nicht getan: Allein der Transport der zerlegten Wagen auf Tiefladern im Stadtgebiet kostet etwa 2000 Euro.### Den Wagen zerlegen kostet unter Garantie weit mehr als 2.000 Euro, eher 5.000 oder weit mehr, der Transport mit Tiefladern und Kränen wenigstens genausoviel. Und dann sind die Kisten regelmäßig mit unsagbar dämlichen Werbebotschaften bepinselt. Das Umlackieren kostet garantiert mehr als 5.000 Euro. Und das Aufstellen mit den nötigen behördlichen Erlaubnissen und Fundamenten und Gestaltung kostet ebenfalls ein Häppchen, falls überhaupt möglich. Daß ein begeisterter und sparsamer Wuppertaler bei dem Spundus mitmacht erscheint ziemlich abwegig. Man kann nur hoffen, daß ein paar Werbefritzen im Dauerzustand geistiger Umnachtung sich etwas von der Prozedur versprechen. Den Stadtwerken kann man nur sehr viel Glück wünschen.
Abel Frühstück 20.10.2015
3.
Zitat von albert schulz###Der Festpreis beträgt 5000 Euro. "Das ist in etwa der Schrottwert", sagt Stadtwerke-Sprecher Holger Stephen. Allerdings ist es damit für den Käufer nicht getan: Allein der Transport der zerlegten Wagen auf Tiefladern im Stadtgebiet kostet etwa 2000 Euro.### Den Wagen zerlegen kostet unter Garantie weit mehr als 2.000 Euro, eher 5.000 oder weit mehr, der Transport mit Tiefladern und Kränen wenigstens genausoviel. Und dann sind die Kisten regelmäßig mit unsagbar dämlichen Werbebotschaften bepinselt. Das Umlackieren kostet garantiert mehr als 5.000 Euro. Und das Aufstellen mit den nötigen behördlichen Erlaubnissen und Fundamenten und Gestaltung kostet ebenfalls ein Häppchen, falls überhaupt möglich. Daß ein begeisterter und sparsamer Wuppertaler bei dem Spundus mitmacht erscheint ziemlich abwegig. Man kann nur hoffen, daß ein paar Werbefritzen im Dauerzustand geistiger Umnachtung sich etwas von der Prozedur versprechen. Den Stadtwerken kann man nur sehr viel Glück wünschen.
Na ja. In Wuppertal/Solingen gibt es auch einen Verein, der alte Straßenbahnen sammelt und sogar herumfahren lässt. Da werden sich schon Liebhaber finden. Bei Mettmann lässt jemand Oldtimer auf seinem Waldgrundstück verrosten. Weil er es kann.
Bahnix 21.10.2015
4. Bitte Beachten:
Zitat von hmuttIn Wuppertal mag es ja platzbedingt nicht anders möglich sein, aber in erster Linie macht die Schwebebahn vor allen Dingen eines: einen Höllenlärm. Ich möchte da kein Anwohner sein.
Die Schwebebahn fährt seit über 100 Jahren. Ich glaube kaum, dass so viele ü100 dort wohnen. Also: jeder Anwohner wusste um den Krach. Das mit dem Lärm können Sie sich also einstecken. Ausserdem glaube ich nicht, dass ein Diesel Busverkehr, der mit ähnlicher Geschwindigkeit fährt, wesentlich leiser ist.
albert schulz 21.10.2015
5. Glauben hilft immer
Zitat von BahnixDie Schwebebahn fährt seit über 100 Jahren. Ich glaube kaum, dass so viele ü100 dort wohnen. Also: jeder Anwohner wusste um den Krach. Das mit dem Lärm können Sie sich also einstecken. Ausserdem glaube ich nicht, dass ein Diesel Busverkehr, der mit ähnlicher Geschwindigkeit fährt, wesentlich leiser ist.
Sie ist etwa so leise wie ein schwer beladener Güterzug, und das ist bei zehn Metern Entfernung zum nächsten Fenster ein wenig laut. Das Kreischen in den Kurven ist allerdings über weit größere Strecken perfekt zu hören. In den Wohnungen direkt an der Strecke wohnt kaum noch jemand, im Gegensatz zu den Anliegern der Bahn. Ein Dieselbus wird erst laut, wenn er Steigungen zu bewältigen hat oder beschleunigen muß. Dabei ist er aber immer noch weit leiser als ein schwer beladener LKW. Und der ist weit leiser als die Schwebebahn. Sie ist eine Art Nationalheiligtum, und durchaus interessant, nachgerade futuristisch. Sie war seinerzeit nur finanzierbar, weil Wuppertal mal steinreich war. Am treffendsten hat das Wunderwerk mal eine schwäbische Referendarin charakterisiert: "Habt Ihr das gräßliche Teil für die Touristen hingestellt ?"
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