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Yoga auf dem Stand-up-Paddle-Board: Genieß es!

Foto: Janos Bugany/ picture alliance / dpa

Stand-up-Paddling mit Yoga Ommm auf dem Ammersee

Kranich mit weichen Beinen, Hund im Wellental - wer hat nur Yoga auf einem Paddelbrett erfunden? Die Idee klingt für den Einsteiger Christian Haas dennoch verlockend. Ein Selbstversuch.

Kobra, Löwe und Krokodil kenne ich bislang nur aus dem Zoo - und aus den Erzählungen yogatreibender Freunde. Zum Glück haben wir noch andere Gemeinsamkeiten, denn ich selbst habe nicht nur um derartige Wildtiere, sondern vor allem um derartige Yoga-Figuren bislang einen Bogen gemacht und habe wenig zum Thema beizutragen. Wobei mir das Faszinierende an Yoga einleuchtet.

Zum Beispiel die Sache mit der äußeren Balance und der inneren Ruhe. Aber der praktische Weg zur theoretischen Erleuchtung stellte für mich aufgrund überkurzer Muskelstränge und chronisch vernachlässigter Dehnübungen stets eine Herausforderung dar, die ich allzu gern umschiffte. Mit den Fingerspitzen an die Zehen? Eine Strafaufgabe. Langes Verharren in einer Position? Horror.

Nein, also wirklich: Laufen, Radfahren und Squashen sind meine Welt, aber sobald es ums Körperverrenken geht, werde ich zum Wackelkandidaten. Auf einem dahintreibenden Brett im See wird das erst recht so sein. Oder? Bei meinem Erstversuch bin ich nicht allein, und das ist auch gut so. Percy Shakti Johannsen zeigt mir den Weg. Nicht den auf den See hinaus, den fände ich auch allein, sondern den zur standhaften Ruhe.

Der 39-Jährige sieht ein bisschen so aus wie "Popstars"-Juror Detlef D! Soost. Sehr durchtrainierter Körper, sehr wenig Haare, sehr charmantes Lächeln. Bei Percy ist der Kinnbart ausgeprägter, bei Soost vermutlich das Ego. Und Soost agiert im grellen Rampenlicht, Percy im grellen Sonnenlicht.

Erste Übung: Board aufpumpen

Denn Percy bietet seine Yoga-Sessions nicht nur in seinem Studio im oberbayerischen Herrsching am Ammersee an, sondern neuerdings auch auf dem See. Auf Paddleboards, wie sie derzeit an jedem Gewässer zum Sonnenaufgangs-, Sonnenuntergangs-, Schnupper-, Fluss- und Was-weiß-ich-nicht-alles-Paddeln verlocken. Jetzt also auch noch Yoga-Paddeln. Was kommt als Nächstes? Zumba-Paddeln?

Dass Stand-up-Paddling, das polynesische Fischer schon vor Jahrhunderten in ihren Kanus praktizierten, derzeit in Mode ist, liegt wohl auch daran, dass es einfach zu erlernen ist. Hüftbreiter Stand, die Knie leicht gebeugt und das Paddel ins Wasser - schon nach wenigen Minuten kann man das Brett sicher steuern. Soweit die Theorie. Aber was sagt die Praxis?

Ich sage erst mal: "Wo ist das Brett?", woraufhin Percy auf eine Tasche deutet: "Da drin!" Ich hatte ein hartes Surfbrett erwartet, stattdessen handelt es sich um ein zusammengerolltes Etwas, das ich erst zum Brett aufpumpen muss. Mit schnellen, heftigen Stößen. Also: Pumphebel rauf, runter, rauf, runter, und dabei immer schön atmen. Offenbar ist das Ganze schon die erste Yogaübung. Und ein ordentliches Oberarmtraining. Jedenfalls bin ich jetzt warm. Und heiß auf den See.

Im wadenhohen Wasser springe ich auf das Brett und finde nach kurzen Wackelmanövern rasch einen guten Stand. Erst auf den Knien, dann im Stehen zeigt mir Percy das Steuern. "Das Paddel nah am Körper und am Brett lassen, einstechen und mit dem unteren Arm nach hinten ziehen, während die Hand am Schaft gestreckt bleibt", erklärt er.

Nach ein paar Schlägen Wechsel. Dann üben wir Wenden, schnelles Bremsen, Zickzackkurse. Nach einer Viertelstunde sitzen die wichtigsten Manöver. Sie sind zugleich Gleichgewichtsübungen, die meine volle Konzentration fordern. Ist das nun schon Yoga?

Nein, aber das ständige Austarieren legt die Kombination der beiden Trend-Aktivitäten wirklich nahe und ist eine ideale Vorbereitung für die eigentliche Yoga-Session, für die wir weiter hinaus in den See stechen und dort die Paddel seitlich aufs Board legen. Ein bisschen leidet die gedachte Entspannungsphase unter rasch aufziehenden schwarzen Wolken und den eben zu leuchten beginnenden Sturmwarnungslampen am Ufer.

Bein in die Höhe, Arm nach vorne

Na egal. Om. Jetzt erst mal einfach beginnen mit: einem Bein hoch. Spannung halten. Hände falten (was ich für ein kurzes Gebet nutze, nicht in das gerade einmal 13 Grad kalte Wasser zu fallen). Dann steht der herabschauende Hund an. Ohne Blickkontakt zu Percy kann ich all die Kommandos gar nicht so schnell umsetzen. Schließlich muss ich noch das Wackelbrett unter Kontrolle halten, was durch die Wellen eines vorbeiziehenden Dampfers erschwert wird. Aber: Ich bleibe standhaft! Dann heißt es: ein Bein in die Höhe, den diagonalen Arm nach vorne gestreckt. "Genieß es!", erinnert mich Percy immer wieder. Und ans Atmen denken!

Es folgt der Kranich. Passt ja thematisch zum Wasser, aber ist ein echter Hammer. Percy macht's vor: Hocke auf dem Brett, die Hände gestreckt, die Knie in die Achseln und die Füße in die Luft. Dann macht er auch noch einen Handstand draus - und meint allen Ernstes, ich könne das auch schaffen. Zumindest beide Füße in der Luft zu halten. Ich muss ob der Vorstellung einfach nur lachen. Doch Percy feuert mich an. Seine Zurufe "Atmen nicht vergessen!", "Fixier einen Punkt!" (habe mir dummerweise das immer rascher blinkende Leuchtfeuer ausgesucht, was nicht gerade zur Beruhigung beiträgt) und "Genieß es!" wiederholen sich immer schneller.

Es fängt an zu tröpfeln. Ist das Regen? Oder Schweiß? Und wenn ja, Angst? Auf jeden Fall kann ich mir unmöglich vorstellen, mich an meinen rutschigen Unterarmen hochzustemmen. Aber aus einem mir unerklärlichen Grund gelingt es, für zwei Sekunden beide Füße zu lupfen. Percy ist begeistert. Und ich sacke kraftlos zusammen und vom Brett ins Wasser. Doch, oh Wunder: Es ist gar nicht kalt! Ich könnte jetzt ewig schwimmen, 13 Grad hin oder her. Was mich daran hindert, ist das mittlerweile zum Greifen nahe Gewitter, das unsere Session für heute beendet.

Aber ehrlich: Diese Brettspiele werde ich wiederholen. Dann ohne Sturm im Nacken, stattdessen mit untergehender Sonne im Blick. Ich werde es bestimmt genießen. Omm.


Anbieter für Yoga auf dem Stand-up-Paddle-Board:

Christian Haas/srt