Zehnmal Deutschland Kathedralen im Untergrund

Bizarre Eisgebilde, Tausende Fledermäuse, gigantische Tropfsteine: Im Untergrund von Deutschland sind Dutzende Höhlen für Besucher zugänglich. SPIEGEL ONLINE stellt zehn unterirdische Naturwunder vor, die einen Einstieg wert sind.

Von Martin Cyris


Der düstere Stollen, durch den man 346 Stufen hinabsteigt, lässt noch nicht erahnen, welch faszinierende Glitzerwelt sich hinter dem Eingang der Kubacher Kristallhöhle verbirgt. Noch ein paar Meter, und schon tut sich ein prachtvoller Höhlenraum auf - der sogenannte Dom. Er ist mit Abermillionen Kristallen und mineralischen Ablagerungen bedeckt. Schneeweiße Calzitkristalle und Perltropfsteine zaubern mit Hilfe der Ausleuchtung das Funkeln auf die Wände, das sich im Domsee spiegelt.

Die Kalksteine, auf denen die Kristalle sitzen, sind rund 350 Millionen Jahre alt. Das Höhlensystem selbst ist während der Eiszeit entstanden, wie die Besucher während der 45-minütigen Führung erfahren.

Mit 23 Meter Höhe ist der Dom bereits recht gewaltig, doch im südlichen Teil der Kubacher Kristallhöhle wartet ein noch höherer Raum. 30 Meter geht es dort in die Höhe - die höchste Halle, die es in einer deutschen Schauhöhle zu bewundern gilt. Dom und Südteil verbindet ein weiterer Stollen.

Beim Durchqueren passieren die Besucher eine Gesteinsformation, die wegen ihres Aussehens auf den Namen "Pudel" hört - gleichzeitig das inoffizielle Maskottchen der Höhle, wie der Führer erklärt. Auf den Hund, beziehungsweise die Höhle ist die Stadt Weilburg in Hessen denn auch eher zufällig gekommen. Nach alten Erzählungen sollen Bergleute am Ende des 19. Jahrhunderts beim Abbau von Phosphorit auf eine prächtige Tropfsteinhöhle gestoßen sein.

Doch im Lauf der Jahrzehnte verschwanden die Pläne und niemand wusste mehr so recht, wo sie lag. "Ein Schildbürgerstreich", wie Karl-Heinz Schröder, der Ehrenvorsitzende des Höhlenvereins Kubach sagt.

Auf Schröders Initiative hin nahmen Privatleute in den siebziger Jahren die Suche nach der Tropfsteinhöhle wieder auf. Bei Probebohrungen fanden sie statt der verschollenen die bis dato unbekannte Kristallhöhle. Übrigens die einzige derzeit bekannte ihrer Art in Deutschland.

Tropfsteine sind in der Kristallhöhle ebenfalls zu bewundern, doch sind sie nicht ganz so spektakulär geraten. Doch der Höhlenverein hat die Suche noch nicht aufgegeben. Vielleicht gibt es dann demnächst in der Nähe der Kristallhöhle auch die bis heute nicht wieder gefundene Tropfsteinhöhle zu besichtigen.


Höhlenverein Kubach e.V.
Auf dem Kalk 1
35781 Weilburg - Kubach
Telefon: 06471-94000

Öffnungszeiten:
Ende März bis 1. November, montags bis freitags 14 bis 16, am Wochenende 10 bis 17 Uhr (jeweils Einlassschluss)

Eintritt:
Erwachsene 4 Euro, Kinder von 3 bis 5 Jahre 0,50 Euro

insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
diaskur 17.08.2009
1. Da brat mir einer nen Storch...
Da wurde wohl was übersehen... http://www.feengrotten.de/www/feengrotten/de/?navid=10CFC63797A
Stoppeldeckdose 17.08.2009
2. Info FÜr Fotografen:
Tja, das mit der Landkarte und den Höhlen ist ja alles sehr schön. Es gibt nur ein "Problem" und das anscheinend auch nur in Deutschland. Man darf in diesen Höhlen NICHT FOTOGRAFIEREN !!! Diese Höhlen sind oft in Privatbesitz und die Betreiber wollen ihre eigenen, oft schlechten Postkarten, am Touristenstand verkaufen. TIP: Wer mal in Südfrankreich (Grenze Andorra) ist sollte mal dort die Höhlen besuchen. Viel größer und bombastischer und fotografieren ist auch erlaubt.
wonderwhy 17.08.2009
3. Lander der unterirdischen Schätze
Hallo Spiegelteam, klar kann man nicht alle Schätze in einem Land wie D finden. Aber dass ihr die Saalfelder Feengrotten vergessen habt enttäuscht mich schon sehr! Besucht mal diese Seite: Das läuft zwar als Bergwerk, aber die haben beim Bergbau eine Grotte entdeckt, die locker mit allen anderen von diesem Bericht standhalten könnte. Aber wie ich gerade sehe komme ich zuspät... --> diaskur
Helga Alma Dorothea 17.08.2009
4. Kathedralen im kalkigen Untergrund
Bei dieser Aufzählung an nennenswerten Höhlen fehlt unbedingt auch die Dechenhöhle, die bei Gleisbauarbeiten in Iserlohn-Grüne von Bauarbeitern entdeckt wurde. Die Höhle ist groß, aber nicht riesig, jedoch der begehbare Teil windet sich in gut begehbaren Wegen durch den Berg. Aus v.g. Gründen auch für Familien mit kleineren Kindern geeignet. Jedoch Gummistiefel und eine wasserdichte Jacke sollte man schon mitbringen. Wer Interesse hat, kann auf der Seite: http://www.dechenhoehle.de/ nähere Informationen finden.
mstock 17.08.2009
5. Eberstadter Tropfsteinhöhle
Es gibt natürlich noch einige mehr interessante Höhlen. Eine schöne Tropfsteinhöhle ist die in Buchen-Eberstadt (zwischen Heidelberg und Würzburg). 600 m lang und "ohne Einstieg". Diese Höhle ist auch für Leute mit Gehproblemen und sogar für Rollstuhlfahrer zugänglich. http://www.eberstadter-tropfsteinhoehle.de
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