Sechs Routen für Deutschlands höchsten Gipfel So erklimmen Sie die Zugspitze

An Drahtseilen kraxeln, steile Schluchten durchwandern oder fix hinaufgondeln: Es gibt viele Wege auf die Zugspitze. Für jeden Geschmack ist was dabei - auch ein wiederbelebter Klettersteig für echte Könner.

Hanwag/ SRT

Von Christian Haas


In weniger als zehn Minuten kann man auf Deutschlands höchsten Gipfel schweben - mit der Ende 2017 eröffneten Zugspitzseilbahn. Rasend schnell und bequem ist das, aber auch wenig abenteuerlich. Bergsteiger gehen lieber einen Umweg. Und davon gibt es gleich mehrere, die hinaufführen auf die knapp dreitausend Meter hohe Zugspitze. Für jedes Erfahrungs- und Fitnesslevel ist was dabei. Der Überblick:

Durchs Reintal: Zehn Stunden bis zum Gipfel

Wanderer im Reintal
Hanwag/ SRT

Wanderer im Reintal

Der mit 21 Kilometern längste Anstieg auf die Zugspitze bietet viele landschaftliche Höhepunkte. Gleich zu Beginn führt der am Olympia-Skistadion in Garmisch-Partenkirchen startende Weg durch die tief eingeschnittene Partnachklamm, ehe die Wanderer auf einer Forststraße ins Herz des Wettersteingebirges geführt werden. Umrahmt von hohen Wänden sorgt die ständig wechselnde Kulisse im breiten Talboden für Abwechslung.

Der Anstieg durch das Reintal ist auch von weniger geübten Bergsteigern zu schaffen, vorausgesetzt, sie bringen die nötige Kondition mit. Wer viel davon hat, schafft den Gipfel an einem (mit rund zehn Gehstunden sehr langen) Tag. Entspannter ist es jedoch mit einer Übernachtung auf der Reintalangerhütte auf 1370 Meter Höhe.

Nach einer kurzen Wanderung durch den grünen Boden des Reintalangers geht es konstant bergauf bis zur Knorrhütte (2052 Meter), bei der diejenigen dazustoßen, die auf versichertem Steig von Ehrwald aus den Grenzübergang am "Gatterl" passieren. Danach führt der Weg über die leicht gewellte Hochfläche des felsigen Zugspitzplatts auf einer alten Moräne weiter bergauf bis zum Restaurant Sonnalpin.

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Wege auf die Zugspitze: Gondel oder Abenteuer?

Der Steilaufschwung vom Schneeferner ist auf den ersten Metern ein mühsamer Abschnitt über ein Schuttfeld, bevor der Untergrund felsiger wird. In teils gesicherten Kurven gelangt man so zum höchsten Punkt und wird mit einer sagenhaften Aussicht auf mehr als 400 Gipfel belohnt. Alternativ geht es vom "Sonnalpin" mit der Gondel zum Zugspitzhaus hinauf und von dort den kurzen Klettersteig hinüber zum goldenen Zugspitzkreuz.

Durchs Höllental: Nur für erfahrene Kletterer

Hilfestellung an den sonst haltlosen Wänden des Höllentals
Michael Fischer/ imageBROKER

Hilfestellung an den sonst haltlosen Wänden des Höllentals

Abwechslungsreich, aussichtsreich, abenteuerreich - so lässt sich die beliebte, rund neun Kilometer lange Tour durch die Höllentalklamm beschreiben. Los geht's noch recht gemütlich, von Hammersbach durchs Höllental wandert es sich ganz entspannt. Der Weg durch die enge, steile Schlucht führt entlang tosender Wassermassen.

Nach zwei Stunden erreicht man auf 1387 Metern Höhe die Höllentalangerhütte - ideal für diejenigen, denen 2200 Höhenmeter am Stück zu viel sind. Und selbst mit Übernachtung gilt es, am zweiten Tag immer noch 1600 Höhenmeter in teils anspruchsvollem Gelände zu meistern.

Bereits eine Stunde hinter der Hütte stellt die ausgesetzte Querung auf Eisenstiften über die haltlosen Plattenfluchten des "Bretts" eine erste Nervenprüfung dar. Weiter oben warten noch schwierigere Hindernisse. Vorerst ist aber eher Kondition als Technik gefordert, denn das Moränengelände unterhalb des Höllentalferners zieht sich steil bis unter die senkrechten Wände des Riffelkamms.

Dann folgt mit der Überwindung des oft blanken Gletscherrests des Höllentalferners und dessen vor allem im Herbst spektakulärer Randkluft der anspruchsvollste Teil, der oft nur mit Seil und Steigeisen möglich ist. Verglichen damit ist der finale und nicht besonders schwierige Klettersteig zum Gipfel ein entspannter Abschluss.

Stopselzieher: Aufstieg mit Thrill-Faktor
Tiroler Zugspitzbahn

Stopselzieher: Aufstieg mit Thrill-Faktor

Über den Stopselzieher: Der goldene Mittelweg

Im Vergleich zu den anderen Normalwegen wird diese am tiefblauen Eibsee oder - die kürzere Variante - an der Talstation der Ehrwalder Zugspitzbahn beginnende Route relativ selten begangen. Dabei ist sie deutlich kürzer und zugleich anspruchsvoller als der Weg durchs Reintal und weniger schwierig als die Route durchs Höllental - "die goldene Mitte" sozusagen.

Der Thrill-Faktor ist dennoch nicht zu verachten, denn der Weg führt durch die scheinbar abbrechenden Felsflanken der Westseite. Über eine steile Rampe und etliche Geröllbänder führt der teils Drahtseil-gesicherte Steig durch die Steilflanke des Gamskars bis zur auf 2209 Meter Höhe gelegenen Wiener Neustädter Hütte. Wer will, kann hier übernachten - auch wenn der Gipfel "nur" noch zwei Stunden entfernt ist.

Diese fordern aber noch mal Konzentration. So folgt recht bald der kurze Zustieg, der zu dem mit Klammern und Drahtseil gesicherten Klettersteig führt. Nach dem ersten Aufschwung folgt eine Art Kamin in der Felswand, der "Stopselzieher", wo man an Stahlstäben und Drahtseilen regelrecht emporturnt. Danach wechseln sich kurze Drahtseilpassagen mit leichtem Gehgelände ab, bis der Weg nahe des Gipfels in der Normalroute mündet.

Auf dem "Jubi": Permanentes Auf und Ab

Felsiger Abschnitt auf dem Jubiläumsgrat
Hanwag/ SRT

Felsiger Abschnitt auf dem Jubiläumsgrat

Der Jubiläumsgrat ist eine der spektakulärsten Gratüberschreitungen der Ostalpen, aber kein reiner Klettersteig. Die über fünf Kilometer lange Strecke, die sich vom Gipfel der Alpspitze bis zum Gipfel der Zugspitze zieht, gestaltet sich als anspruchsvolle Tour, die von permanentem Auf und Ab geprägt ist.

Los geht es mit der Alpspitz-Seilbahn und von der Bergstation über die Alpspitz-Ferrata, einem teilweise ausgesetzten Klettersteig, hinauf auf 2628 Meter Höhe. Anfangs hat man es mit leichter Kletterei zu tun, teilweise im Gehgelände, in die Grieskarscharte.

Der Teil des Jubiläumsgrates bis zur Biwakschachtel ist technisch schwieriger als der vorhergehende, dafür jedoch auch gut versichert. Drahtseilpassagen wechseln mit leichter, freier Kletterei. Die schwierigste Passage des "Jubis" folgt hinter der Biwakschachtel: die glatte Rinne, die klettertechnisch mit III- bewertet ist. Danach gibt es weniger Drahtseilpassagen, der Grat wird breiter, und schon bald ist Deutschlands höchster Gipfel erreicht.

Über die "Eisenzeit": Noch wenig begangen - und spektakulär

Die "neueste" Zugspitzroute, die man entweder am Eibsee starten kann oder an der Zahnradbahn-Station Riffelriss (wo man aber nur mit Bergführer aussteigen darf) ist eigentlich alles andere als neu. In den Zwanzigerjahren wurde nämlich in der steilen Zugspitz-Nordwand für den Bau der Zahnradbahn, die sich mehrere Kilometer durch das Innere des Berges gräbt, ein gewagter Steig angelegt.

84 Jahre lang konnte der einst zurückgelassene Eisenschrott in Ruhe vor sich hinrosten, bis der Bergführer Michael Gebhardt 2013 den Tunnelbauersteig bis zum Tunnelfenster IV aus seinem Dornröschenschlaf weckte. Gleichzeitig erschloss er den Weiterweg zum Riffelgrat und damit die neue alte Route "Eisenzeit" bis zum Gipfel.

Im letzten Teil weicht das rostrote Metall glänzenden Bohrhaken, die teilweise sogar mit Schlingen markiert sind. Alles in allem eine hoch anspruchsvolle, landschaftlich spektakuläre und vor allem noch kaum begangene Kletterroute, für die man sehr gute Kondition und idealerweise einen Bergführer braucht.

srt



insgesamt 23 Beiträge
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Seite 1
Klaus-Otto 23.08.2019
1. Der schönste Weg, ...
.. die Zugspitze zu erklimmen, ist immer noch die Zugspitzbahn!
Ralf1234 23.08.2019
2.
Sind im August durch das Reintal an zwei Tagen aufgestiegen. Am ersten Tag von einem Gewitterguss komplett durchgeweicht worden. Am zweiten Tag mit noch klammen Klamotten bei pfeiffendem Wind zum Gipfel aufgestiegen. Das Schuttfeld unterhalb des Gipfels ist der Horror: mit müden Beinen zwei Schritte vor, einer zurück. Endlich nach mehreren Stunden Plagerei auf dem Gipfel angekommen. Und was war der Lohn ? Nebel. Mit der Seilbahn aus den Wolken gefahren und plötzlich blauer Himmel. Nächstes Jahr villeicht mal durchs Höllental.
longly 23.08.2019
3. Eisenzeit - Zusatzinfo!!
Meiner Meinung nach kam aus dem Artikel nicht klar genug raus, dass die Eisenzeit eine Kletterroute im 4ten Grad UIAA ist. Im Gegensatz zu allen anderen Routen (auch Jubigrat) sollte diese Route nur von Seilschaften mit Klettererfahrung und entsprechender Ausrüstung (Seil, Expressen, ggf Klemmkeilen, ...) begangen werden. Die Kletterpassage beginnt erst im oberen Teil, der untere Teil ist Teilversichert, allerdings nicht in der besten Qualität! Mehr Infos z.B. unter: https://www.bergzeit.de/magazin/kletterroute-eisenzeit-zugspitze/
manuel.neumann2101 23.08.2019
4.
Zitat von Ralf1234Sind im August durch das Reintal an zwei Tagen aufgestiegen. Am ersten Tag von einem Gewitterguss komplett durchgeweicht worden. Am zweiten Tag mit noch klammen Klamotten bei pfeiffendem Wind zum Gipfel aufgestiegen. Das Schuttfeld unterhalb des Gipfels ist der Horror: mit müden Beinen zwei Schritte vor, einer zurück. Endlich nach mehreren Stunden Plagerei auf dem Gipfel angekommen. Und was war der Lohn ? Nebel. Mit der Seilbahn aus den Wolken gefahren und plötzlich blauer Himmel. Nächstes Jahr villeicht mal durchs Höllental.
Kann einem überall passieren... Am besten immer mehr Zeit einplanen, dann kann man sich dem Wetter anpassen.
Bibendumx 23.08.2019
5. auch "overtourism"!
Also ich persönlich mag keine Gipfelbesteigungen, bei denen man am Ziel tausende Leute in Badelatschen oder Pömps antrifft. So schön die Aussichten auf dem Weg dorthin auch sein mögen, der Trubel und das Geschnatter dort oben ist total abtörnend.
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