James Bond in Europa Sieben 007-Drehorte gleich um die Ecke

Kaum ein Agent reist so viel durch die Welt wie 007. Doch wer James Bond folgen will, braucht dafür keinen Jet: Hier sind spektakuläre Europa-Drehorte.

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Für James Bond scheint die Welt fast zu klein. Kaum einer kommt so viel rum wie der britische Geheimagent: Um Fieslinge zu jagen, verschlägt es 007 mal nach Afghanistan, mal nach Madagaskar. Er taucht vor den Sandstränden der Bahamas oder klettert in den Schweizer Alpen.

Seit 1962 ist der britische Kosmopolit auf der Leinwand unterwegs. Über die Jahre kamen so einige Bonusmeilen zusammen: Allein der aktuelle Bond-Darsteller Daniel Craig hat in nur vier Filmen mehr als 110.000 Kilometer zwischen insgesamt 18 Ländern zurückgelegt. Wenn im April Craigs fünftes Abenteuer "Keine Zeit zu sterben" in die Kinos kommt, dürften es wieder einige mehr werden. Bond verschlägt es in die europäische Kulturhauptstadt Matera in Süditalien, ins schottische Hochmoor, nach Jamaika und nach Norwegen.

Klingt nicht gerade klimafreundlich, die konspirative Vielfliegerei? Nun, Greta Thunberg würde im Segelboot wohl länger brauchen, um die abgelegenen Inseln und Bergfestungen der Bond-Bösewichte zu erreichen - aber auch 007 selbst ist trotz aller exotischen Drehorte erstaunlich häufig in Europa unterwegs.

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Drehortreise in Europa: James Bond auf der Jagd

Hier sind sieben James-Bond-Drehorte gleich um die Ecke:

Bregenz in Vorarlberg: Verschwörung auf der Bühne

Darum war Bond hier: In "Ein Quantum Trost" (2008) ist Bond einer sinistren Geheimorganisation auf der Spur. Einige führende Fieslinge der Gruppe halten ihr Meeting ausgerechnet während der Bregenzer Festspiele ab, auf der Bühne wird "Tosca" gespielt. Bond (Daniel Craig) würdigt die Oper keines Blicks - er enttarnt stattdessen die Geheimbundmitglieder.

Darum sollten auch Sie hin: Um statt Bond die Oper zu genießen. Die Seebühne Bregenz ist die größte Freiluftbühne der Welt, alljährlich zwischen Juli und August finden die Festspiele statt. Die Hauptrolle übernimmt dabei die fantasievolle Bühne selbst. 2020 wird Verdis "Rigoletto" gespielt.

Mit dem Zug nach Lindau und weiter mit einem Schiff über den Bodensee ins österreichische Bregenz (von April bis Oktober).

Amsterdam in den Niederlanden: Diamant im Fokus

Warum war Bond hier: Ein Schmuggelring umtreibt in "Diamantenfieber" (1971) den britischen Geheimdienst, also soll Bond (Sean Connery) ihn ausheben. Getarnt als Schmuggler reist er von Dover mit der Fähre nach Amsterdam und trifft dort die gewiefte Tiffany Case (Jill St. John). Den Weg zu ihrer Wohnung muss er sich jedoch erst freikämpfen.

Darum sollten auch Sie hin: Weil Amsterdam auch heute noch so malerisch ist wie im Film von 1971. Das Haus von Tiffany Case steht in der Reguliersgracht 36 und sieht von einer Kanalfahrt aus am schönsten aus. Die sollten sie am besten mit dem Grachtenbummler machen, der auch schon im Film zu sehen war. Damals hieß das Boot noch "Prins Willem Alexander" - heute fährt es als "Koning Willem".

Züge nach Amsterdam fahren unter anderem von Berlin, Hamburg und Frankfurt.

Chantilly in Nordfrankreich: Reiter im Größenwahn

Schloss von Chantilly: Für Pferde- und Rennfans
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Schloss von Chantilly: Für Pferde- und Rennfans

Warum war Bond hier: Der Großindustrielle Max Zorin (Christopher Walken) will in "Im Angesicht des Todes" (1985) das Silicon Valley fluten. Bond (Roger Moore) ist ihm auf den Fersen und schaut in Zorins Anwesen in Frankreich vorbei - einem feudalen Schloss nebst Stallungen und Reitparcours.

Darum sollten auch Sie hin: Chantilly liegt nördlich von Paris. Das Örtchen ist für seine Pferdezucht weltberühmt, regelmäßig findet hier das Rennen Prix du Jockey Club statt. Im Schloss von Chantilly beherbergt das Musée Condé eine beeindruckende Kunstsammlung. Schloss, Pferderennbahn und der umliegende Wald waren Drehorte - alle sind für Besucher frei zugänglich.

Mit dem Zug nach Paris, von dort geht's ab dem Gare du Nord mit der Bahn in 25 Minuten weiter nach Chantilly.

Schilthorn in den Berner Alpen: Kopf-an-Kopf-Rennen durch den Schnee

Warum war Bond hier: Das Schilthorn ist ein knapp 3000 Meter hoher Berg in den Schweizer Alpen und Versteck von 007-Erzfeind Ernst Stavro Blofeld (Telly Savalas) in "Im Geheimdienst Ihrer Majestät" (1969). Blofeld plant, die Welt mit einer tödlichen Seuche zu überziehen, Bond (George Lazenby) infiltriert die Bergfeste als Ahnenkundler verkleidet - und liefert sich ein halsbrecherisches Rennen mit den Verbrechern auf Skiern ins Tal.

Darum sollten auch Sie hin: Auf dem Schilthorn liegt das futuristische Piz Gloria, ein von Sonnenenergie angetriebenes Drehrestaurant - und Location des Blofeld-Verstecks. Die Inhaber des Piz Gloria wissen um ihr konspiratives Erbe und haben über die Jahre eine 007-Erlebniswelt aufgebaut, vom Bond-Burger über ein Museum bis hin zum Panoramakino. Ein Muss für Fans.

Mit dem Zug ins schweizerische Interlaken, dann weiter nach Lauterbrunnen. Von dort fährt der Bus zwölf Minuten nach Stechelberg, zur Talstation der Schilthornbahn.

Loket in Tschechien: Pokern im Untergrund

Warum war Bond hier: In "Casino Royale" (2006) nimmt Bond (Daniel Craig) an einem Pokerspiel unter Schurken teil - er will einen Untergrundbankier hochnehmen. Das Turnier soll in Montenegro steigen, gedreht wurde aber im tschechischen Karlovy Vary - Karlsbad - und in Loket.

Darum sollten auch Sie hin: Loket liegt malerisch in einem Flussbogen, eine steinerne Brücke führt zur winzigen Altstadt. Schon Goethe verliebte sich einst in das Städtchen (und eine seiner Einwohnerinnen). Gedreht wurde entsprechend auf dem zentralen Marktplatz vor dem Restaurant namens Goethe. Die Inhaber zeigen stolz Fotos der Dreharbeiten, während echte Böhmische Knödel serviert werden.

Mit dem Zug entweder über Zwickau ins tschechische Franzensbad, dann weiter mit dem Bus. Oder über Dresden nach Karlsbad - auch von dort fährt ein Bus.

Comer See in der Lombardei: Chillen in der Villa

Comer See: Erholung in Norditalien
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Comer See: Erholung in Norditalien

Warum war Bond hier: Am Ende von "Casino Royale" besiegt Bond (Daniel Craig) den Bösewicht, nur um festzustellen, dass hinter ihm Quantum, eine klandestine Organisation steckt - es ist der Auftakt zum Folgefilm "Ein Quantum Trost". Am Lago di Como erholt sich Bond erst von seinen Blessuren, dann spürt er den Mittelsmann von Quantum in dessen Villa auf.

Darum sollten auch Sie hin: Das Sanatorium ist die Villa del Balbianello unweit von Tremezzina. Schon "Star Wars" wurde hier gedreht, der Garten ist im Sommer gegen Eintritt zugänglich. Die Villa des Quantum-Handlangers hingegen ist die private Villa la Gaeta weiter nördlich - diese bewundert man am besten vom Schiff aus. Selten lässt sich "la dolce vita" so leicht herbeizaubern wie mit einem gecharterten Motorboot auf dem Lago!

Mit dem Nachtzug nach Zürich, von dort weiter nach Lugano. Rüber an den Comer See, von dort fahren regelmäßig Busse und Bahnen.

Hamburg: Einparken für den Martini

Warum war Bond hier: Hamburg ist eine Medienstadt, und ein Medienmogul ist der Bösewicht in "Der Morgen stirbt nie" (1997). Elliot Carver (Jonathan Pryce) will für die eigene Auflage einen dritten Weltkrieg anzetteln, Bond (Pierce Brosnan) crasht seine Party. Er kommt im stilsicheren Hotel Atlantic an der Außenalster unter und "parkt" seinen BMW nach routinierter Verfolgungsjagd in einem Schaufenster.

Darum sollten auch Sie hin: Auch wenn viele Filmminuten in Hamburg spielen, vor Ort gedreht wurden nur die Aufnahmen im Atlantic sowie der Schaufenster-Stunt: nämlich auf dem Parkdeck des Saturn-Kaufhauses und am Beginn der Mönckebergstraße. Die Straße lädt zum Shoppen ein, das Atlantic danach auf Martinis. Geschüttelt natürlich, nicht gerührt.

Mit dem Zug direkt zum Hamburger Hauptbahnhof, dann sind es zum Hotel Atlantic fußläufig nur zehn Minuten, zur Mönckebergstraße sogar nur drei.

Zur Person
  • Marc Röhlig
    Autor Marc Röhlig und Julia Nikschick haben ein ehrgeiziges Ziel: Sie wollen alle James-Bond-Schauplätze der Welt bereisen. Knapp 500 haben sie auf ihrem Reiseblog HuntingBond ausgemacht - 157 Orte haben sie seit 2013 bereits besucht.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels haben wir Mürren statt Stechelberg als Talstation der Schilthornbahn angegeben. Wir haben dies korrigiert.



insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
widower+2 13.11.2019
1. Telly
Telly Savalas spielte mal den Blofeld. Wer ist "Terry" Savalas?
sysop 13.11.2019
2. @1, widower+2
Vielen Dank für ihren Hinweis, wir haben das korrigiert.
nexus32 13.11.2019
3. Cadiz
Cadiz in Südspanien fehlt in der Auflistung unbedingt. Der Strand an dem Halle Berry aus den kubanischen Fluten steigt, die Havanna darstellen sollen. Eine wunderbare Stadt, die in einer sehr sonnenverwöhnten Gegend in Südeuropa steht.
mypleasure 13.11.2019
4. 007 in Istanbul
Also Istanbul hätte man auch in die James Bond-Liste aufnehmen müssen, ist doch die Millionenmetropole am Bosporus recht schnell zu erreichen. "Liebesgrüsse aus Moskau" aus den Sechzigern und "Skyfall" aus 2012 wurden in Istanbul gedreht. Für die berühmten Drehorte gibt es sogar Sight Seeing Tours - es lohnt sich diese einzigartige Stadt auf zwei Kontinenten zu besuchen,natürlich nicht nur James Bond zuliebe
Olaf 13.11.2019
5. Rom?
Fehlt nicht noch Rom? Daniel Craig hat doch in Spectre bei einer wilden Verfolgungsjagd einen Aston Martin im Tiber versenkt.
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