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Schottland: Junge Menschen auf den Äußeren Hebriden

Foto: Laetitia Vancon

Jugend auf den Äußeren Hebriden Stell dir vor, du bist 18 - und lebst hier

Ein paar Inseln im Atlantik, das schottische Festland 60 Kilometer entfernt, karge Landschaft, ein paar Menschen, Schafe. Wie leben junge Menschen auf den Äußeren Hebriden? Fotografin Laetita Vancon war da.

Wie sieht der Alltag junger Menschen an einem Ort aus, an dem die Bevölkerung zunehmend altert, wo Arbeitsplätze sowie Studienmöglichkeiten begrenzt sind? Wie ist es für Teenager, in solch einer kleinen Gemeinschaft aufzuwachsen? Für ihre Fotoserie "At the End of the Day" hat die Fotografin Laetitia Vancon  junge Männer und Frauen, die auf den Äußeren Hebriden leben, getroffen, um Antworten auf diese Fragen zu finden.

Warum genau dort? Vancon las vor ein paar Jahren das Buch "The Stornoway Way" von Kevin MacNeil. In dem stelle der Autor die Insel Lewis als einen feindlichen Ort dar, an dem junge Menschen aus Langeweile Drogen und Alkohol konsumieren. Gleichzeitig fand die Fotografin eine Broschüre, die den gleichen Ort vollkommen anders zeigte, friedlich und mit atemberaubender Landschaft. Vancon wollte sich ein eigenes Bild machen.

Dreimal reiste sie dorthin und besuchte die Inseln Lewis and Harris und Barra und die Inselgruppe Uist - zweimal im Sommer und einmal im Winter. "Ich wollte beide Stimmungen zeigen", sagt Vancon. "Der Winter ist natürlich weniger ruhig und das Wetter ziemlich rau. Aber ich mag das sehr."

Die Äußeren Hebriden sind eine Inselkette im Atlantischen Ozean an der Westküste Schottlands. Sie erstrecken sich auf rund 210 Kilometern, liegen zirka 60 Kilometer vom Festland entfernt und sind per Flugzeug oder Fähre zu erreichen.

Die Landschaft dort ist ursprünglich und wild. Sanfte Hügel wechseln sich ab mit steilen Klippen, kleinen Seen, Stränden, Sumpf und Machair, einem Bodenmischtyp in Küstennähe, auf dem viele Pflanzen gedeihen. Auf Vancons Fotos wirkt die Natur düster und mystisch zugleich.

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Schottland: Junge Menschen auf den Äußeren Hebriden

Foto: Laetitia Vancon

Gemäß einer Schätzung des National Records of Scotland aus dem Jahr 2016 leben zirka 26.900 Einwohner auf den kleinen Inseln verteilt, Tendenz sinkend. Vancon lernte einige von ihnen über Social-Media-Plattformen, über Couchsurfing oder durch Mundpropaganda kennen.

Die Reaktion der Gemeinschaft auf ihr Projekt war weitgehend positiv. "Die Menschen waren sehr aufgeschlossen und neugierig mir gegenüber", sagt die Fotografin. Da Vancon für ihre Serie nur ein geringes Budget zur Verfügung stand, war sie froh, dass die Inselbewohner sie häufig bei sich übernachten ließen oder sie kostenfrei an andere Orte brachten.

Wenig Ablenkung, wenig Anonymität

Generell unterscheide sich der Alltag der jungen Menschen nicht allzu sehr von dem an anderen Orten, sagt Vancon: "Sie hängen auch gern miteinander rum oder verbringen Zeit in der virtuellen Welt." Der größte Unterschied bestehe ihrer Meinung nach darin, dass sie oft draußen in der Natur seien und einige Traditionen pflegen würden. "Und alles ist langsamer, ruhiger und irgendwie mehr verwurzelt."

Was vermissen sie? Manche der Jugendlichen würden gern mehr auf Konzerte gehen oder Geschäfte besuchen, in denen sie Kleidung oder bestimme Produkte kaufen können. Besonders fehlt ihnen laut Vancon jedoch Anonymität, denn jeder wisse über jeden Bescheid. Die konservative Mentalität der Gemeinschaft lasse außerdem nur wenig Raum für andere Lebens- oder Verhaltensweisen, Homosexualität werde deshalb beispielsweise oft lange geheim gehalten.

Einige der jungen Leute haben einen festen Job, die Möglichkeiten sind aber sehr eingeschränkt: Berufe wie Fischer, Schäfer, Lehrer oder Tankwart sind laut Vancon weitverbreitet. Viele, die Vancon traf, wollten zumindest für eine gewisse Zeit die Inseln verlassen, um zu studieren oder eine Arbeitsstelle zu finden.

Viele kehren dann aber wieder zurück. Grund hierfür sind laut der Fotografin meist ihre Familie und ihre Freunde, oder weil sie sich mit der Landschaft verbunden fühlen. Einerseits würde die Gemeinschaft die eigene Freiheit einschränken, gleichzeitig würden sich alle gegenseitig unterstützen und helfen: "Das bietet einen bequemen Kokon, der nicht leicht zu verlassen ist."

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