Alle Jahre wieder Striezel, Toffel, Schmalzgebäck

Ob unter der Nürnberger Frauenkirche, den Weihnachtspyramiden der Erzgebirgsorte, dem Kölner Dom oder im Potsdamer Holländischen Viertel: Überall bauen Markthändler ihre festlich geschmückten Buden auf. Jeder der Weihnachtsmärkte in Deutschland hat seine eigene kulinarische Spezialität.


Heimat des Pflaumentoffels: Weihnachtsmarkt in Dresden
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Heimat des Pflaumentoffels: Weihnachtsmarkt in Dresden

Nürnberg/Dresden - Was den Nürnbergern die Bratwürstchen sind, ist dem Hamburger das Schmalzgebäck: eine regionale Spezialität und ein "Muss" bei jedem Weihnachtsmarktbesuch. Und nicht nur die Weihnachtsmärkte in den ganz großen Städten ziehen viele Besucher an - auch andernorts lässt es sich gut von Stand zu Stand bummeln.

Das gilt beispielsweise für die Altstadt von Lübeck, wo die Straßen eng sind und der nächste Glühweinstand nie weit. In diesem Jahr hat der Weihnachtsmarkt am 24. November begonnen und wird am 22. Dezember abgebaut. "Inmitten mittelalterlicher Backsteingotik gibt es vier verschiedene Weihnachtsmärkte, die alle ihren eigenen Charme haben", sagt Doris Schütz vom Lübeck und Travemünde Tourist-Service. Bereits vor mehr als 350 Jahren sei der Markt das erste Mal erwähnt worden.

Zum Weihnachtsmarkt in Lübeck gehört auch eine sich immer wieder neu formierende Menschenschlange am Rande der Fußgängerzone: Dabei handelt es sich um die Besucher der Lübecker Marzipan-Institution Niederegger, die sich mit Süßem fürs Fest eindecken und den Weihnachtsbasar in den Räumen des Stammhauses anschauen wollen.

Süß geht es auch im Kölner Schokoladenmuseum zu, wo sich Besucher unter anderem ansehen können, wie der Vollmilch-Weihnachtsmann in die rot-weiße Folie kommt. Draußen, auf dem Alten Markt in Sichtweite des Doms, lädt bis zum 23. Dezember der Weihnachtsmarkt zum Flanieren ein. Am Dom wird die größte Tanne des Rheinlandes aufgebaut, in 160 Pavillons werden Weihnachtsgeschenke feilgeboten.

Adventsstimmung in der Weltstadt: Weihnachtsmarkt vor dem Hamburger Rathaus
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Adventsstimmung in der Weltstadt: Weihnachtsmarkt vor dem Hamburger Rathaus

In Rothenburg ob der Tauber in Franken herrscht das ganze Jahr hindurch Weihnachtsstimmung - zumindest im "Weihnachtsdorf" des Unternehmens Käthe Wohlfahrt. Beim größten Anbieter von traditionellem deutschen Weihnachtsschmuck wie Nussknackern, Pyramiden und Räuchermännchen in Europa, geben sich Besucher aus aller Herren Länder die Klinke in die Hand. Viele holen sich dem Unternehmen zufolge dabei Ideen für die eigene Weihnachtsdekoration.

Auf dem Christkindlesmarkt ist nur Weihnachtliches im Angebot

In Nürnberg eröffnet das Christkind "seinen" Christkindlesmarkt zu Füßen der Frauenkirche. Rund 400 Händler bewerben sich dort jährlich um einen Standplatz - aber nur 200 haben Erfolg. Das Marktreglement ist streng: Nur wer Weihnachtliches im Angebot hat, darf einen Stand bestücken. "Unter den rot-weiß gestreiften Dachplanen bieten die Händler Lebkuchen, Früchtebrot, Krippen, Spielzeug, Christbaumschmuck und Kerzen an", sagt Wolfram Zilk von der Tourismuszentrale. Der Markt, der in diesem Jahr vom 28. November bis 24. Dezember dauert, lässt sich bis in die Mitte des 16. Jahrhunderts zurückverfolgen.

Strenge Vorschriften: Christkindlesmarkt in Nürnberg
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Strenge Vorschriften: Christkindlesmarkt in Nürnberg

Damit ist er aber nicht der älteste Weihnachtsmarkt Deutschlands. Der Dresdner Striezelmarkt geht auf ein Privileg des sächsischen Kurfürsten Friedrich II. von 1434 zurück. Seinen Namen hat der Markt von einer einheimischen Spezialität: dem Dresdner Christstollen, der im Mittelhochdeutschen "Strutzel" oder "Striezel" genannt wird. Höhepunkt des Striezelmarktes, der diesmal in der 569. Auflage vom 27. November bis 24. Dezember gefeiert wird, ist das Stollenfest, für das ein Riesenstollen gebacken wird, dessen Stücke für karitative Zwecke verkauft werden.

Nicht nur der Stollen ist Tradition: Auch die 14 Meter hohe Weihnachtspyramide in der Mitte des Platzes gehört zur bewährten Markt-Ausstattung. An den Ständen sind dann kleinere Versionen der bekannten Holzschnitzerei aus dem Erzgebirge ebenso zu erstehen wie die so genannten Pflaumentoffel - kleine Männchen aus Backpflaumen.

Sinterklaas in Potsdam

Auch sonst geht es in Sachsen stimmungsvoll zu. In den kleineren Orten im Erzgebirge beginnen die Märkte oft damit, dass die Weihnachtspyramiden in einer feierlichen Zeremonie in Gang gesetzt werden. Umzüge bergmännischer Traditionsvereine gibt es während der Weihnachtszeit unter anderem in Chemnitz und Annaberg-Buchholz.

In Hamburg rüsten sich die drei skandinavischen Seemannsgemeinden vor Weihnachten zu ihren Basaren. "Seit vielen Jahren verkaufen wir Glas, Kerzen, Servietten und andere schwedische Weihnachtssachen", sagt der ehemalige Pastor der schwedischen Gemeinde, Birger Sandgren. Auch Hochprozentiges wie Glögg, der schwedische Glühwein mit Rosinen und Mandeln, fehlt nicht im Weihnachtscafé. Mit dem Basar sammeln die Gemeinden Geld für ihre Arbeit. In der Hansestadt sind die Märkte sehr beliebt: Bis zu 20.000 Besucher finden sich pro Wochenende ein.

Potsdam besinnt sich in der Vorweihnachtszeit auf Traditionen: Jedes Jahr stattet Sinterklaas dem Holländischen Viertel einen Besuch ab. Der Nikolaus aus dem Nachbarland reist per Schiff an und reitet auf einem Schimmel in die 1740 errichtete Häuserzeile - diesmal am 13. und 14. Dezember. Und nicht nur ein Gast-Weihnachtsmann, sondern gleich Hunderte von bärtigen Rotröcken treffen sich am 6. Dezember in Brandenburg an der Havel zur alljährlichen Weihnachtsmann-Parade.

Von Verena Wolff, gms



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