Bergseen im Trentino Zu voll am Gardasee? Dann hier entlang

Der Gardasee ist ein Traum - dieser Meinung sind allerdings auch viele andere Urlauber. Die kleinen Nachbarseen haben mindestens ebenso viel Charme, und sie sind deutlich ruhiger. Sechs Vorschläge zum Erkunden.

Armin Herb/ SRT

Von Armin Herb


Wie ein Fjord schiebt sich der nördliche Gardasee weit zwischen die Felsmassive von Monte Baldo und Monte Tremalzo - die Lage könnte kaum schöner sein. Für Kultur und italienisches Ambiente sorgen die Städtchen Riva, Limone und Malcesine. Surfer und Mountainbiker finden ihre Spots und Trails in Torbole, die Kletterszene tobt sich in Arco aus.

Allerdings müssen die Gardasee-Fans ihren geliebten Lago von Mai bis Oktober mit vielen anderen Gästen teilen - schon zu Pfingsten wird es voll am Gewässer und in Orten wie Sirmione. Deutlich ruhiger geben sich da die kleineren Nachbarseen in den Trentiner Bergen. Hier sind sechs Vorschläge zum Entdecken:

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Trentino: Es muss nicht immer der Gardasee sein

Lago di Ledro: Ein Stopp zum Kulturberg

Der Ausblick ist grandios: ein klarer Bergsee eingerahmt von Fastzweitausendern. Und dieser Blick hat sich seit 1927 kaum verändert. Denn seit damals thront das Hotel Lido Ledro wie eine herrschaftliche Villa am Westufer des Ledrosees bei Pieve di Ledro. Das Valle di Ledro ist die ruhige Antwort auf den Trubel zwischen Riva und Torbole. Dabei trennen nur ein fünf Kilometer langer Tunnel und ein paar Kilometer Bergstraße die beiden Welten.

Nur im Juli und August ist hier mehr los, denn dann kommen viele italienische Familien zum Badeurlaub an den Ledrosee. Immerhin liegt die Wassertemperatur dann sogar höher als im nahen Gardasee. Für Mountainbiker ist die beste Zeit von Mai bis Oktober. Sie machen allerdings höchstens mal einen Cappuccino-Stopp am See, bevor sie den Kultberg Tremalzo in Angriff nehmen.

Neben viel Natur hat der Ledrosee auch Kultur im Angebot: Das Pfahlbauten-Museum am Seeufer in Molina zählt zum Weltkulturerbe der Unesco. Mehr als 4000 Jahre jünger ist "Ledro Land Art", ein Skulpturen-Wanderweg im Tal von Pur hinter dem Südufer des Sees.

Wie weit entfernt von Riva del Garda? 11 Kilometer gen Westen

Lago di Tenno: Bergdorf ganz ohne Autos

Nur wenige, aber kurvenreiche Autominuten oberhalb des nördlichen Gardaseeufers bettet sich der kleine Tennosee in den Bergwald. Das Türkis des Wassers erinnert ein wenig an die Karibik, nur der Kiesstrand und die Wassertemperatur dürften etwas rauer sein als dort. Im See gibt es eine kleine Insel, die bei niedrigem Wasserstand auch schon mal zu Fuß zu erreichen ist.

Nur wenige Gehminuten entfernt liegt Canale di Tenno, ein autofreies Bergdorf, das heute noch so aussieht wie bereits vor Jahrhunderten und zu den schönsten Orten des Trentinos zählt. Im August findet hier ein Mittelalterfest statt. Die "Casa degli Artisti", das Haus der Künstler, steht Malern und Bildhauern der Region zur Verfügung. Und noch etwas Besonderes zeigt sich rund um den Tennosee: Hier befinden sich die nördlichsten Olivenhaine Europas.

Wie weit entfernt von Riva del Garda? 11 Kilometer gen Norden

Lago di Toblino im Valle dei Laghi: Geister über dem See
Armin Herb/ SRT

Lago di Toblino im Valle dei Laghi: Geister über dem See

Lago di Toblino: Geister und Bräute

Das Castel Toblino, eine Burg aus dem 16. Jahrhundert, residiert auf einem Felsvorsprung im See und war Schauplatz vieler Legenden, verbotener Liebschaften und einer italienischen Fernsehserie. In Vollmondnächten sollen zwei ehemalige Bewohner des Schlosses, die im See ertrunken sind, als Geister über dem See schweben.

Auch am frühen Morgen, wenn noch Nebel durch das Schilf wabert, gibt sich der Toblinosee romantisch. Kein Wunder, dass sich hier viele Paare das Jawort geben. Andere Gäste genießen auf der Terrasse des Kastells, das heute ein Restaurant beherbergt, ihren Kaffee oder den Vin Santo Trentino - und natürlich den Ausblick in die Gardaseeberge. Rund um den See führt eine knapp zehn Kilometer lange Wanderung durch Wald und Weinreben.

Wie weit entfernt von Riva del Garda? 23 Kilometer gen Norden

Lago di Molveno: Speck und Bergkäse im Alpendorf

Der Molvenosee schmiegt sich in 800 Meter Höhe zwischen Brenta-Dolomiten und Paganella-Massiv und animiert mit seinem tiefen Blau gleich zum Badestopp - zumindest im Hochsommer. Der fast fünf Kilometer lange und anderthalb Kilometer breite See entstand vor etwa 3000 Jahren, als sich ein wuchtiger Erdrutsch von den Hängen des Monte Dion löste und Bergbäche aufstaute.

Während sich am See die Surfer versammeln, schieben sich Spaziergänger durch die autofreien Gassen des Dorfes Molveno, kaufen Speck und Bergkäse, konsumieren Sprizz und Espresso. Selbst am Morgen ist hier einiges los - und das in einem italienischen Ort. Der kleine Badesee Laghetto di Nembia direkt am Südende des Molvenosees ist deutlich wärmer als der Molvenosee.

Wie weit entfernt von Riva del Garda? 45 Kilometer gen Norden

Lago di Levico im Valsugana: Klein und übersichtlich
Armin Herb/ SRT

Lago di Levico im Valsugana: Klein und übersichtlich

Lago di Caldonazzo und Lago di Levico: Beachparty mit Barbecue

Im Valsugana östlich von Trento liegen zwei Badeseen zwischen Bergen und Weingärten unmittelbar nebeneinander. Wer es klein und übersichtlich mag, bevorzugt den Lago di Levico, nur durch einen waldigen Hügel vom Lago di Caldonazzo getrennt und umrahmt von dichtem Grün.

Überdimensionale historische Fotografien an den Außenwänden des Lido di Levico erinnern an die guten alten Tage, als das Strandbad der Treffpunkt schlechthin war - zum Flirten, Tanzen, für Dolce Vita und Amore. Auch heute steigen vor allem am Wochenende noch Beachpartys mit Barbecue und lauter Musik. Wenn das Drumherum etwas kleiner sein darf, muss es eben im Urlaub nicht immer der Gardasee oder die Adria sein. Das wissen vor allem Familien mit Kindern zu schätzen.

Wie weit entfernt von Riva del Garda? 58 Kilometer gen Nordosten

Lago di Tovel: Vom Bär zum Bärenhunger

Zwischen hohen Felsen treibt das Val di Tovel einen tiefen Spalt ins Brenta-Massiv. Das Tal ist 17 Kilometer lang und steigt von 600 Meter Höhe bis mindestens auf 1200 Meter Höhe, wo der Lago di Tovel das Talende markiert. Bis in die Sechzigerjahre färbte sich der See im Sommer auf natürliche Weise rot. Seit 1964 hat sich dieses Phänomen allerdings nicht mehr wiederholt. Man vermutete ursprünglich, dass die Exkremente von Almkühen spezielle rote Algenarten gedeihen ließen. Neueste Untersuchungen konnten das allerdings nicht bestätigen.

Aber das aktuelle klare Türkis des Wassers und das hübsche Ufer verleihen dem See genauso etwas Märchenhaftes. In dieser Umgebung fühlt sich auch der Braunbär wohl, weshalb ihm das Besucherzentrum des Adamello-Brenta Naturparks am Seeufer gewidmet wurde. So viel Naturerlebnis macht Appetit, um nicht zu sagen Bärenhunger, auf die deftige Trentiner Kost. Im Albergo Lago Rosso schauen auch Einheimische gern vorbei, um bei Familie Stevanin Carne Salada oder Polenta mit Wildgulasch und Pilzen zu bestellen.

Wie weit entfernt von Riva del Garda? 99 Kilometer nördlich von Riva del Garda

srt



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spon_7302413 07.06.2019
1. Menschen sind seltsame Tiere...
Sie leben in hektischen. lauten dreckigen Städten und tun alles, damit es hektisch, laut und dreckig bleibt, wenn nicht die anderen etwas daran ändern, weil jeder für sich selbst reklamiert, nicht Teil des Problems zu sein. Für den Urlaub suchen die gleichen Menschen dann die besonderen Orte, die Ruhe, Anmut, Schönheit, Sauberkeit für eine kurze Zeit lang in das Hektik, Lärm und Schmutz-angereicherte Leben bringen. Und das machen die Menschen so langen, bis auch die schönen Flecken überfüllt, laut und schmutzig sind. Seien es die Berge, die Strände, die Wälder und Seen. Und dann beklagen sich Menschen darüber, dass nun auch die letzten Flecken nicht mehr so sind, wie sie mal waren... Und die Reiseberichtverfasser verfassen dann über die letzten anderen, noch verbliebenen ruhigen, schönen und sauberen Flecken der Welt, wo man noch die Ruhe der Einsamkeit, die Schönheit der unberührten Natur, sauberes Wasser und saubere Luft genießen kann, einen in frohen und Sehnsucht auslösenden Reisebericht, der zum Kommen und selbst Anschauen animiert, bis auch diese Flecken allen Interessierten, die gerne einmal aus der Hektik entfliehen möchten, bekannt gemacht wurden und jeder sich, nach ein paar Hundert Kilometern Anreise mit Flugzeug und/oder Auto, davon überzeugen konnte, dass es auch da voller Menschen in Autos ist, die sich alle davon überzeugen wollen, dass der viel versprechende Reisebericht auch stimmt...
n.corda 07.06.2019
2. was will der autor uns sagen?
"Selbst am Morgen ist hier einiges los - und das in einem italienischen Ort." die meisten meiner italienischen bekannten, zumindest die im berufsalter, stehen deutlich frueher auf, als meine deutschen bekannten. in unserem dorf (noch deutlich weiter westlich, als die hier beschriebenen orte, aber auch typisch italienisches bergdorf) oeffnet die bar um 6 und die arbeitende bevoelkerung holt sich dort auf dem weg zur arbeit kaffee und brioche. in meinem deutschen wohnort ist um 6 noch totentanz.
DerBlicker 07.06.2019
3. meine Lösung
Zitat von spon_7302413Sie leben in hektischen. lauten dreckigen Städten und tun alles, damit es hektisch, laut und dreckig bleibt, wenn nicht die anderen etwas daran ändern, weil jeder für sich selbst reklamiert, nicht Teil des Problems zu sein. Für den Urlaub suchen die gleichen Menschen dann die besonderen Orte, die Ruhe, Anmut, Schönheit, Sauberkeit für eine kurze Zeit lang in das Hektik, Lärm und Schmutz-angereicherte Leben bringen. Und das machen die Menschen so langen, bis auch die schönen Flecken überfüllt, laut und schmutzig sind. Seien es die Berge, die Strände, die Wälder und Seen. Und dann beklagen sich Menschen darüber, dass nun auch die letzten Flecken nicht mehr so sind, wie sie mal waren... Und die Reiseberichtverfasser verfassen dann über die letzten anderen, noch verbliebenen ruhigen, schönen und sauberen Flecken der Welt, wo man noch die Ruhe der Einsamkeit, die Schönheit der unberührten Natur, sauberes Wasser und saubere Luft genießen kann, einen in frohen und Sehnsucht auslösenden Reisebericht, der zum Kommen und selbst Anschauen animiert, bis auch diese Flecken allen Interessierten, die gerne einmal aus der Hektik entfliehen möchten, bekannt gemacht wurden und jeder sich, nach ein paar Hundert Kilometern Anreise mit Flugzeug und/oder Auto, davon überzeugen konnte, dass es auch da voller Menschen in Autos ist, die sich alle davon überzeugen wollen, dass der viel versprechende Reisebericht auch stimmt...
Ich fliege meist weit weg ans andere Ende der Welt auf die Südhalbkugel, dort trifft man dann wenigstens meist keine Deutschen und es ist abseits der Feriensaison auch sehr leer dort.
dolfi 07.06.2019
4. Gardasee ist pervers
... wenn kein Schnee liegt, mein absoluter Anti-Ort. Für mich als Motorrad-Fahrer sind natürlich der Caldonazzo-/Levico-See sowie der Ledro-, Idro und Iseo-See deutlich dankbarere Ferienorte. Die Tipps hier muss ich mir mal genauer ansehen.
Ivar1975 07.06.2019
5. Gardasee im Sommer? Nein, danke!
Mein Wohnsitz ist in Isera, 15 km von Torbole entfernt. Kenne also all die beschriebenen Orte im Detail. Der Gardasee ist im Sommer absolut zu meiden. Die anderen erwaehnten Orte sind interessant, und doch, nach einigen Stunden, komplett vollbepackt . Da verbringe ich doch lieber ein paar Wochen Urlaub in aller Ruhe auf der Insel Kythira in Griechenland, wo es ganz schoene Straende gibt, der Unterhalt billig ist, und man vor allem die Ruhe geniessen kann !!!! A propos, die Leute stehen dort fueh auf, der Journalist sollte bitte nicht auf die ueblichen Klischees reinfallen. In vielen Orten Deutschlands ist vor sechs Uhr wirklich nichts los...
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