Angeln in Irland Austern für Arme

Arme wurden in Irland während der Hungersnot gegen ihren Willen mit Austern ernährt, lange galt der Spruch "Seafood is a poor man's food", und noch heute machen sich die Iren nichts aus Fisch: Was für ein Glück für Angel-Touristen.


Irlands Flüsse: Ruhe pur in unberührter Wildnis
Tourism Ireland

Irlands Flüsse: Ruhe pur in unberührter Wildnis

Wer etwas vom Angeln versteht, bekommt leuchtende Augen, wenn er an die Flüsse, Seen und Küstengewässer Irlands denkt. Für Petri-Jünger ist die grüne Insel gewissermaßen das Gelobte Land. Spezialisierte Reiseveranstalter schaffen aus allen Teilen der Welt Touristen herbei, deren irdisches Glück vollkommen ist, sobald sie mit einem Ruderboot und der Rute im Anschlag etwa den Shannon oder Erne hinab treiben können, Irlands längste Flüsse.

Ist es da nicht kurios, dass ausgerechnet jene, die an den insgesamt 14.000 Kilometer langen Ufern wohnen und täglich die Chance hätten, Barschen, Brassen, Hechten, Aalen, Rotaugen und Schleien nachzustellen - dass also die Iren selbst sich aus Fisch kaum was machen? Mit einer, höchstens zwei Ausnahmen: Lachs und Forellen gelten zumindest unter einheimischen Gourmets als respektable Mahlzeiten. Die Mehrheit der Bevölkerung aber unterwirft sich dem alten Spruch: "Seafood is a poor man's food." Und wer will sich mit einem gebratenen Fisch auf dem Teller schon als armer Schlucker darstellen?

Im 19. Jahrhundert, als die Insel von einer langjährigen Hungersnot heimgesucht wurde, die viele Bewohner zum Auswandern zwang, speiste man die Insassen von Armenhäusern und Altersheimen mit Austern. Trotz deren schärfsten Protests! Doch Rindfleisch war der öffentlichen Hand für diesen Zweck zu teuer. Austern dagegen gab es fast umsonst. Auch das Verdikt der katholischen Kirche, freitags dem Fleisch zu entsagen und stattdessen Fisch zu essen, war dem Image der Schuppenschwimmer nicht wirklich förderlich.

Meeresfrüchte für den Export

Psychologisch verursachte das folgenden Reflex: Was mir verboten wird, verlockt mich umso mehr. Und was mir aufgezwungen wird, verweigere ich umso leidenschaftlicher. Historisch gesehen verwundert es daher kaum, dass die Iren bis heute keine Meeresfrüchte mögen, sondern weiterhin lieber Kartoffeln, Kohl, Rindfleisch und Kerry-Schafe verzehren. Was aber keineswegs heißt, dass sie noch immer blind wären für den tierischen Reichtum unter der Wasseroberfläche. Im Gegenteil: Austern, Hummer und Lachse, die man heute aus dem saubersten Meer ganz Europas birgt, werden fangfrisch an Delikatessenhändler in aller Welt verschickt.

Bootssteg in Nordirland: Bitte Platz nehmen
Tourism Ireland

Bootssteg in Nordirland: Bitte Platz nehmen

Umsatz beschert den Einheimischen aber eben auch der internationale Angeltourismus. Begünstigt wird die Fischvielfalt durch den Golfstrom. Er schafft in der See warme und kalte Regionen, mit den dazugehörigen Biotopen. An Land sorgt das milde Klima für warme Regenfälle, die in den Flüssen und Seen auch solchen Spezies ein Dasein ermöglicht, die man so weit im Norden nicht vermuten würde, zum Beispiel Karpfen. Da die wenigen passionierten einheimischen Angler sich voll und ganz auf das "Game Angling" konzentrieren, das Fischen von Lachsen im Frühjahr sowie See- und Bachforellen im Sommer, haben auswärtige Urlaubsangler das gewaltige Reservoir an Friedfischen ("Coarse Fishing") für sich allein.

Herbst bis März ist Schonzeit für Forellen

Außer am oberen Shannon (ab Banagher, inklusive Zuflüssen) ist für Friedfische nicht mal ein Angelschein erforderlich. Anders bei den begehrten Salmoniden. Hier brauchen Angler eine staatliche Lizenz, die zehn bis 50 Euro kostet. Hinzu kommen zehn bis 40 Euro pro Tag für die Angelerlaubnis am zumeist privaten Gewässer. Bei pauschalen Angelreisen sind diese Kosten in der Regel natürlich schon im Reisepreis enthalten.

Fette Beute: Forellen
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Fette Beute: Forellen

Wann welcher Fisch in welchem Fluss oder See am besten beißt, wissen die örtlichen "Tackle Shops", wo man sich auch einfache Ausrüstungen leihen kann (ab sechs Euro pro Tag). Generell lässt sich sagen, dass für Friedfische die Seenplatte der Midlands das beste Revier ist. Süßwasserforellen tummeln sich in den Seen der Kalksteingebiete im Westen. Bitte beachten: Von Herbst bis März ist für Forellen Schonzeit. Wer mag, kann seine Angelfertigkeiten in Fortbildungskursen verbessern. Es gibt eine ganze Anzahl von Schulen für Angler und Fliegenfischer. Auf dem Stundenplan: Auswahl der richtigen Angelgeräte, Theorie und Praxis des Fliegenauswerfens, Nassfliegen-, Trockenfliegen- und Nymphenfischen, Fliegenbinden und so weiter.

Aus "Geo.de", "Themen-Special: Irland"



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