Avoriaz Tiefschnee, Kutschen, Maronen-Duft

Abends kann der Skiort Avoriaz in den Hochsavoyen richtig romantisch wirken: Die runden, mit rotem Zedernholz verkleideten Häuser werden orange illuminiert, Pferdkutschen gleiten bimmelnd durch die Straßen. Tagsüber bietet eines der größten zusammenhängenden Skigebiete der Welt unendliche Möglichkeiten.


Portes du Soleil zählt zu den größten zusammenhängenden Skigebieten der Welt: Tiefschneevergnügen zwischen Avoriaz und Chatel
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Portes du Soleil zählt zu den größten zusammenhängenden Skigebieten der Welt: Tiefschneevergnügen zwischen Avoriaz und Chatel

Avoriaz - In Avoriaz dreht sich alles ums Skifahren. Der Ort in Hochsavoyen in Frankreich lockt im Herzen des Skiverbundes "Portes du Soleil" mit Pisten und Puderhängen sowohl für Anfänger als auch für Fortgeschrittene. Die Pariser sprechen den Ort "Avoriá" aus, der örtliche Radiosender betont das weiche Z am Ende. In Avoriaz, auf einem sonnigen Hochplateau oberhalb von Morzine in den Hochalpen gelegen, sind deutsche Gäste allerdings noch eher selten. Ursachen dafür sind recht weite Anfahrtswege und das Image der Region.

Französische Wintersportorte haben nicht gerade den Ruf, dass es dort gemütlich und umweltfreundlich zugeht. Auch Avoriaz entstand Anfang der sechziger Jahre auf dem Reißbrett. Doch keine Ansammlung von Bettenburgen, sondern ein Ensemble von runden, konischen, geschwungenen Häusern, einzig beim "Sirius" 14 Etagen hoch, erwartet den Gast. Sämtliche Fassaden sind mit Schindeln aus rotem Zedernholz verkleidet. Formen und Materialien der Häuser ahmen die Natur der Umgebung nach. "Mimetisch" nannte Architekt Jacques Labro den Stil.

Avoriaz ist autofrei

Abends wirkt Avoriaz sogar richtig romantisch. Strahler mit weichem Orange illuminieren Häuser und Hochgebirge. Der Duft von warmen Crèpes und gerösteter Maroni weht die Hauptstraße entlang. Eine Pferdekutsche gleitet leise bimmelnd vorbei. Eltern ziehen ihren Nachwuchs auf flachen Plastikschlitten hinter sich her. Denn: Avoriaz ist autofrei. Gepäck und Gäste werden von 9 bis 19 Uhr mit Pferdeschlitten, außerhalb dieser Zeit mit "Chénillettes" befördert. Die geräumigen Raupenfahrzeugen, die ihre Sitzkammern gegen Containerflächen auswechseln können, beliefern die Geschäfte mit Lebensmitteln, die Hotels mit Wäsche und Waren, entsorgen den Müll und ersetzen den Schulbus. Die Gäste sind zu Fuß, mit Schlitten oder Ski unterwegs.

Autofreie Zone: Gepäck und Gäste werden in Avoriaz mit Pferdeschlitten oder mit Chénillettes befördert
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Autofreie Zone: Gepäck und Gäste werden in Avoriaz mit Pferdeschlitten oder mit Chénillettes befördert

Vor der Hotel-Haustür springen sie in die Bindung, gleiten beim Bäcker vorbei und hin zu den Liften. 42 Aufstiegsanlagen erschließen das Skigebiet von Avoriaz: 150 Pistenkilometer, die sich nahtlos einfügen in die Skischaukel der "Portes du Soleil". Mit 650 Pistenkilometern zwischen 1400 und 2400 Metern, erschlossen von 212 Liften, zählt es zu den größten zusammenhängenden Skigebieten der Welt. Zum Verbund gehören zwölf Skiorte: vier in der Schweiz, acht in Frankreich. Der Weg in die Schweiz führt über "Le Mûr de Chavanette", die schwarze Mauer von Chavanette. Die extreme Buckelpiste gehört zu den steilsten Abfahrten der Alpen und ist nur etwas für wirklich gute Skifahrer. Eine andere Strecke ins Schweizer Gebiet führt Skifahrer via Les Lindarets zur "Linga", einer mittelschweren Talabfahrt mit etwas steileren Teilstrecken hinab nach Châtel und weiter auf den einfachen Pisten von Super-Châtel hinab nach Torgon im Wallis.

Mitten zwischen Morzine und Les Gets liegt die für viele schönste Piste des Skiverbundes: Die mittelschwere Arbis-Abfahrt von der Chamossiere hinab zur Talstation des Blanchots-Liftes vereint traumhafte Ausblicke auf den Montblanc mit einem interessanten Terrain und gutem Schnee. Vier Skischulen mit 150 Skilehrern, die auch in Deutsch unterrichten, bemühen sich um Anfänger und Fortgeschrittene.

Snowparks mit Hips, Quarters, Tables, Gaps und Spines

Für die Kinder richtete Annie Famose, 1968 Olympiasiegerin im Slalom, gemeinsam mit der Abfahrtsläuferin Isabelle Mir eine Kinderskischule ein, die den Nachwuchs spielerisch mit dem Skisport vertraut macht. Mit 900 Kindern zwischen 3 und 16 ist ihr "Kinderdorf" heute die größte Kinderskischule Frankreichs. Die Jugendlichen ziehen sich in ihren Clubraum im Keller zurück, eingerichtet als szenige Videobar. Freestyler auf Ski oder Snowboard finden drei Snowparks mit Hips, Quarters, Tables, Gaps und Spines vor. Die bisherige Halfpipe wurde zur 120 Meter langen "Super Pipe" mit sechs Meter hohen Wänden ausgebaut.

Zum Skigebiet Portes du Soleil gehören zwölf Skiorte in der Schweiz und Frankreich
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Zum Skigebiet Portes du Soleil gehören zwölf Skiorte in der Schweiz und Frankreich

Entlang der Baumgrenze und durch dichten Fichtenwald führen 47 Kilometer Langlaufloipen. Wer lieber wandert, findet 17,5 Kilometer präparierter Wege. Besonders beliebt sind die "randonées en raquettes". Mit Schneeschuhen, die wie riesige Plastiklöffel an den Füßen hängen, geht es querfeldein durch den Schnee, bergauf, bergab, hin zu den gemütlichen Hütte von Les Lindarets.

Als einziger Wintersportort von Hochsavoyen bietet Avoriaz Touren mit Schneescootern an. Sobald es Nacht wird, starten die Gruppen zu einem 20 Kilometer langen Rundkurs über markierte Waldwege. Zum Eingewöhnen geht es erst langsam geradeaus, dann mit bis zu 60 Stundenkilometer auf Kufen um die Kurven.

Avoriaz steht eher für die sportlich-familiäre Seite des Wintersports

An der Arête des Intrets bereitet sich Olivier Rozier auf einen Gleitschirmflug mit Gast vor. Mit Karabiner und Tragegurten verbunden, startet das Tandem auf Ski, fährt einen Steilhang im Schuss hinunter, bis 42 Quadratmeter Nylonschirm sich öffnen und die Luft sie trägt. Aus 2400 Meter Höhe gleiten sie über Avoriaz, folgen dem Felshang zum Ortsteil Falaise, schweben über den Winterwald und landen sanft im Tal von Les Prodains.

Die Hochalpen bei Avoriaz: Auf Pisten, Loipen und Wanderwegen können sich Winterurlauber erholen
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Die Hochalpen bei Avoriaz: Auf Pisten, Loipen und Wanderwegen können sich Winterurlauber erholen

Zur Kabinenbahn hinauf nach Avoriaz sind es nur wenige Schritte. An der Bergstation wartet ein Gruppe mit prall gefüllten Einkaufstüten. Viele Urlauber sind Selbstversorger, da in Avoriaz Ferienwohnungen dominieren. Es gibt einige gut sortierte Supermärkte und Schlemmershops, und trotz hoher Transportkosten sind die Preise kaum höher als daheim.

Avoriaz steht eher für die sportlich-familiäre Seite des Wintersports, weniger für Après-Ski. Obgleich der Begriff aus dem Französischen stammt, gibt es hier keine Schneebars. Klassische Kneipen und feucht-fröhliches Hüttenleben sind selten. Stattdessen lockt französische Lebensart. Wenn die Lifte schließen, gönnt man sich ein kleines "goûter", eine Kleinigkeit zum Kaffee. Dann wird flaniert, geruht und sich fein gemacht für das eigentliche Vergnügen des Abends: das Essen. Was sich aus Reblochon und anderen Käse-Klassikern aus Savoyen in Verbindung mit Kartoffeln alles kreieren lässt, zeigen Véronique und Joseph Lenvers allabendlich im in der rustikalen Berghütte Chalet d'Avoriaz; Feinschmecker verwöhnt Christophe Leroy im ersten Stock des "Hôtel des Dromonts".

Von Hilke Maunder, gms



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