Bad Freienwalde im Oderland "Hübsches Wort für hübschen Ort"

Für Wintersport braucht es nicht unbedingt Hochgebirge. Auch die wenig hügelige Weite des märkischen Flachlands erlaubt die Kombination aus Schweiß und Schnee. Die Fluss- und Seenlandschaft um Bad Freienwalde lädt zum Schlittschuhlaufen und Wandern und die jüngst erbauten Sprungschanzen zum Skiweithüpfen ein.


Zahn der Zeit hinterließ sichtbare Spuren: Schloss von Bad Freienwalde
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Zahn der Zeit hinterließ sichtbare Spuren: Schloss von Bad Freienwalde

Bad Freienwalde - Wasser gibt es reichlich: 3087 Seen, 700 Quadratkilometer Wasserflächen und 33.000 Kilometer Wasserläufe. Schnee dagegen ist eher selten in Brandenburg. Dennoch ist Wintersport im märkischen Flachland auch ein Thema. Viele der Seen frieren zu und erlauben Schlittschuhläufern, ihre Runden zu drehen. Spaziergänger streifen durch die Fluss- und Parklandschaften, und manchmal kann auch der Schlitten Winterspaß bereiten. Neuerdings gibt es sogar Gelegenheit zum Skisprung: Denn gleich drei Sprungschanzen auf einmal sind jetzt in Bad Freienwalde in Betrieb genommen worden: mit 40, 20 und 10 Meter Sprungweite.

Schon Fontane apostrophierte das älteste Kurbad der Mark nordöstlich von Berlin als "hübsches Wort für hübschen Ort" und wurde nicht müde, die märchenhafte Fernsicht von den Bergen zu loben. An der Schnittstelle zwischen der weiten Ebene des Oderbruchs und dem Oberbarnimer Waldhügelland gelegen, finden sich hier tatsächlich Höhenunterschiede von immerhin bis zu 150 Metern.

Popularität und Aufschwung verdankte die "Bergstadt", die als "Vrienwalde" 1316 erstmals urkundliche Erwähnung fand, allerdings zunächst einfachem Quellwasser und kurfürstlichen Gnaden. Um 1684 verschaffte das mineralstoffhaltige Wasser, dessen Heilkraft 50 Jahre zuvor entdeckt worden war, dem Gicht geplagten Landesherrn Linderung. Auf Anraten seines Kammerherrn und Leibalchimisten Johann Kunckel gründete Kurfürst Friedrich Wilhelm (1620 bis 1688) darauf ein Heilbad. Die in Sandstein gefasste Kurfürstenquelle erinnert daran.

Rathenau kaufte das Schloss von Bad Freienwalde

Schnell avancierte die Stadt, die 1924 die offizielle Bezeichnung Bad erhielt, zum Modebad betuchter Berliner. Noch heute prägen die mittlerweile liebevoll restaurierten Fassaden aus Barock, Klassizismus und Gründerzeit das Stadtbild. Das älteste Bauwerk ist die Nikolaikirche am historischen Marktplatz im Tal.

Das Ende des 18. Jahrhunderts für die Witwe des preußischen Königs Friedrich Wilhelm II., Friederike Luise, erbaute klassizistische Schloss gereicht der Stadt momentan nicht zur Zierde. Der Zahn der Zeit hat sichtbare Spuren hinterlassen. Schon einmal wurde das Kleinod preußischer Landbaukunst vor dem Verfall gerettet, als es Walther Rathenau (1867 bis 1922), der spätere Außenminister der Weimarer Republik, 1909 von der kaiserlichen Hofkammer erwarb. Bis zu seiner Ermordung fand er hier ein Refugium für seine weniger bekannten musischen Neigungen.

Das unter der Bezeichnung "Gesundbrunnen" bekannte historische Kurviertel ist von einem Landschaftspark umgeben. Die vom königlichen Gartenarchitekten Peter Josef Lenné (1789 bis 1866) gestaltete Anlage verbindet Logier-, Bade- und Festhäuser. Von den historischen Gebäuden steht nur noch das um 1798 von Carl Gotthard Langhans, dem Schöpfer des Brandenburger Tores in Berlin, erbaute Landhaus, das jetzt als Kurmittelhaus dient.

Sorgte zu Zeiten des Großen Kurfürsten das heilkräftige Quellwasser für das Wohlbefinden der Gäste, ist heute das schwefelhaltige Moor begehrtes Heilmittel. Demnächst wird Bad Freienwalde die endgültige Anerkennung als Moorbad erhalten.

Deutschlands nördlichstes Wintersportzentrum

Als ob die 300-jährige Bädertradition nicht genug wäre, wird nun auch die Wintersporttradition wieder belebt. Immerhin existierte bereits 1923 ein Bad Freienwalder Wintersportverein. Auf einer ersten Sprungschanze am Papengrund imponierten damals schon Weiten von sechs bis neun Metern. 1929 brachte es der Norweger Birger Ruud, Olympiasieger von 1936, sogar auf 24 Meter. Noch in den sechziger Jahren wurden Sprungschanzen und Loipen für Kreismeisterschaften genutzt, inzwischen für 40-Meter-Weiten ausgebaut.

"Wir wurden bislang zwar immer belächelt", sagt Dieter Bosse, Vorsitzender und Gründer des neuen Vereins, "aber mit den neuen Schanzen ist der Anfang gemacht. Es gab bereits erste sportliche Erfolge." Schneedefizite in der "Märkischen Streusandbüchse" sind kein Problem. Keramikanlaufspuren und mit Matten belegte Aufsprunghänge ermöglichen sogar im Sommer das Training des Skispringer-Nachwuchses auf den Schanzen. Außerdem gibt es Schneekanonen.

Mit fliegenden Fahnen engagiert sich Bosse für Deutschlands nördlichstes Wintersportzentrum, sicher nicht ganz uneigennützig. Immerhin gehört dem Hotelier das beste Haus am Platze. Schon rückt sein Traum von Großschanzen (60, 90 und 120 Meter) in greifbare Nähe. Geplant ist ferner eine multifunktionale Sport- und Freizeitanlage für den Breiten- und Leistungssport mit 400 Meter langer Sommerrodelbahn, 1300 Meter langem Abfahrtshang und 2000 Meter Loipe sowie Snowboard-Halfpipe, Skateboardanlage, die im Winter vereist wird, Sessellift und Kampfrichterturm. Fontanes Resümee hieße sicherlich: "Ein Ort für Wintersport."

Von Anna C. Gericke, ddp



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