Benzinknappheit in Griechenland Kreta-Urlaubern geht Sprit aus

An vielen Tankstellen in Griechenland gibt es kein Benzin mehr - denn die Lastwagenfahrer streiken, der Nachschub kommt nicht mehr an. Urlauber stornieren Reisen, die Tourismusbranche spricht von einem "Zustand des täglichen Terrors". Jetzt will die Regierung den Ausstand per Gesetz beenden.

DPA

Athen - Nach drei Tagen Streik der Tank- und Lastwagenfahrer kommt es in Griechenland zu Engpässen bei der Versorgung mit Treibstoff. Nach Angaben des Verbandes der Tankwarte hatten am Mittwoch nur noch etwa fünf Prozent der Tankstellen Benzin und Diesel.

Der Streik und die folgende akute Benzinknappheit trifft das Land ausgerechnet zur Hauptreisezeit - ein Ärgernis für urlaubswillige Griechen und Touristen gleichermaßen. Die durch diverse Streiks bereits stark gebeutelte Tourismusindustrie spricht von einem "Zustand des täglichen Terrors".

Tausende Touristen annullierten Medienberichten zufolge ihre Reisen, weil sie Angst davor haben, mit dem Auto in Griechenland steckenzubleiben. Auf Kreta hätten mehr als 200 Touristen ihre gemieteten Fahrzeuge einfach stehengelassen, weil sie keinen Sprit mehr bekamen. Der Tourismus in Griechenland stehe für dieses Jahr vor dem Ende, befürchten daher Verbände der Hoteliers und der Campingplatzbetreiber.

Die griechische Wirtschaft hängt am Tropf der Tourismusbranche, die von den jüngsten Protesten gegen die Sparmaßnahmen besonders betroffen ist. Der Statistikbehörde des Landes zufolge wurden im ersten Quartal dieses Jahres 5,3 Prozent weniger Touristen registriert. Der Tourismusverband warnt vor weiterer Verunsicherung potenzieller Griechenland-Urlauber durch Proteste und Streiks. Auch kleine und mittelständische Unternehmen spüren den Touristenschwund deutlich: Im Großraum Athen wurde im ersten Halbjahr laut Unternehmensverbänden ein Umsatzrückgang von 50 Prozent im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet.

Staatsbedienstete als Aushilfen

Andere Wirtschaftszweige leiden ebenfalls zunehmend unter dem Ausstand. Am Mittwoch kam es auch zu ersten Engpässen in der Versorgung mit Gemüse und Obst. Nur die an die anderen Balkanstaaten angrenzenden Regionen profitieren: Die Fahrer reisten immer wieder nach Bulgarien oder in die Türkei, um dort ihre Wagen vollzutanken, berichtete das Staatsradio.

Die griechische Regierung machte am Mittwochabend ihre Drohungen wahr, die Streikenden per Gesetz zum Dienst zu verpflichten. Ein entsprechender Sondererlass sei vom Ministerpräsidenten Giorgos Papandreou und den zuständigen Ministern unterzeichnet worden, berichtete der griechische Rundfunk. Zuvor hatte man versprochen, notfalls auch Staatsbedienstete einzusetzen, um weitere Versorgungsengpässe zu vermeiden.

"Die Regierung ist Schuld an diesem Streik, nicht wir", sagte hingegen Gewerkschaftsführer Giorgos Tzortzatos am Mittwoch nach Abbruch der Verhandlungen. Der Ausstand werde ohne Unterbrechung fortgesetzt, da auf ihre Forderungen während eines einstündigen Treffens mit Vertretern des Verkehrsministeriums nicht eingegangen worden sei.

Lkw-Lizenz für bis zu 300.000 Euro

Die Besitzer und Fahrer der Tank- und Lastwagen protestieren seit Sonntagnacht gegen die Liberalisierung ihres Berufszweiges. So soll die Vergabe der lukrativen Lizenzen neu geregelt werden. Eine Lizenz für einen Last- oder Tankwagen kostet in Griechenland je nach Größe des Wagens 100.000 bis 300.000 Euro.

Lizenzen sind seit fast 40 Jahren in Griechenland nicht mehr ausgegeben worden. Aus diesem Grund steigt der Wert einer Tank- oder Lastwagenlizenz immer mehr. Dies soll stufenweise in den kommenden drei Jahren nach einem Gesetzentwurf durch die Ausgabe neuer Lizenzen abgeschafft werden.

Die Öffnung sogenannter geschlossener Berufe ist Teil der Abmachung zwischen Griechenland und seinen Kreditgebern. Der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Europäische Union hatten der Regierung in Athen im Gegenzug für ein 110 Milliarden Euro schweres Rettungspaket einen harten Sparkurs auferlegt.

abl/dpa/apn



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