Boutiquen statt Bordelle Amsterdam will berühmtes Rotlichtviertel umbauen

Sex per Windowshopping und Drogen aus dem Coffee Shop: Amsterdam galt bislang als Hochburg des Hedonismus. Die Stadtväter wollen nun das Rotlichtviertel gründlich aufräumen, Prostitution und Haschhandel einschränken.


Amsterdam/Hamburg - Die berühmten Mädchen in den Fenstern sollen in Amsterdam künftig zum eher seltenen Anblick werden. Die Stadt will das Rotlichtviertel Wallen und das benachbarte Gebiet um den Hauptbahnhof radikal umbauen; ihr Ziel ist es, dort Prostitution, Marihuana-Handel und Kleinkriminalität einzudämmen. Statt Bordellen und Coffeeshops sollen in Zukunft schicke Restaurants, Bars und Kunstgalerien die Straßen im Wallen-Viertel säumen. "Wir werden aufräumen", verkündete Bürgermeister Job Cohen am Montag, es werde künftig weit weniger Fenster mit Prostituierten, Coffee Shops und Fast-Food-Joints geben.

Um das zu erreichen, wollen die Stadtväter mehrere Maßnahmen ergreifen: Zum einen sollen Gebäude in der Gegend an Investoren weiterverkauft werden. Zum anderen müssen Begleitservices und sogenannte Sicherheitsdienste für Prostituierte künftig eine Lizenz und feste Anschrift vorweisen und finanziell überprüft werden. Cohen sagte, dass die Prostitution nicht vollkommen verboten werde, bestimmte Straßen und Plätze in der historischen Altstadt würden aber zur Bannmeile erklärt.

Protest der Prostituierten

Die Prostitutierten haben nicht viel für Cohens Absichten übrig. Mariska Majoor, eine ehemalige Sexarbeiterin, die heute das Prostitution Information Center leitet, kritisierte Cohens Erwartungen als unrealistisch. Ihrer Meinung nach werde sich die Prostitution auf die Straße verlagern, wenn man die Bordelle schließt.

"Die Stadt wird einfach nur einige Dinge unter den Teppich kehren und sagen, dass das, was nicht zu sehen ist auch nicht existiert", sagte sie. Laut dem Zentrum werden 300 der 400 Fenster mit Prostituierten von der Aufräumaktion betroffen sein.

Die neue Strategie ist eine Rolle rückwärts in der Prostitutionspolitik von Amsterdam. Vor sieben Jahren wurde das Sexgewerbe hier legalisiert, seitdem haben sich die Dinge laut Bürgermeister Cohen nicht so entwickelt wie erhofft: Noch immer organisieren Kriminelle das horizontale Gewerbe. "Besonders in Hinblick auf die Ausbeutung der Frauen in der Sexindustrie soll die Legalisierung nun teilweise rückgängig gemacht werden", sagte er.

Die Stadt hat bereits 2003 damit begonnen, Grundstücke zu überprüfen und Bordelle und Sexclubs zu schließen. Im September kündigte die Stadtverwaltung an, dass sie 15 Millionen Euros zur Seite legen würde, um 51 Fenster zu kaufen. Bis 2012 soll der Umbau abgeschlossen sein, dann wird im Viertel eine neue U-Bahn Linie eröffnet.

Auch die Reeperbahn soll trocken gelegt werden

Auch in Deutschland ist eine berühmte Sündenmeile von Einschränkungen betroffen. Auf der Hamburger Reeperbahn gibt es seit neuestem eine freiwillige Alkoholkontrolle. Die Tankstellen- und Kioskbesitzer sollen sich dazu verpflichten, ab nächstem Jahr nach 23 Uhr keinen Alkohol mehr auszuschenken. Falls die freiwillige Verpflichtung nicht wirkt, wird ab 1. Mai ein Alkoholverbot von 23 bis 6 Uhr auf allen Straßen rund um die Reeperbahn von Donnerstag bis Sonntag verhängt.

In Amsterdamwird man ebenfalls wählerischer, was Besucher und Alkohol abgeht. Bürgermeister Cohen sagte, er hoffe, mit der neuen Städteplanung Touristen abzuschrecken, die einfach nur mit einem Bier in der Hand durch die Gegend laufen und nichts kaufen: "Wir wissen, dass die Touristen, die hier im Moment herkommen, die rauflustigen Briten, nicht immer die Besucher sind, die man in der Stadt haben möchte."

pha/AFP/AP



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