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Coasteering auf Mallorca: Trau dich!

Foto: VIU Aventura

Outdoor-Sport Coasteering Mallorca für Mutige

Outdoor-Abenteuer statt Ballermann: Im Nordosten Mallorcas ragen steile Klippen und schroffe Felsen aus dem türkisblauen Wasser - beim beliebten Coasteering kann man an ihnen entlangklettern, in Höhlen tauchen oder sich abseilen.

Es ist ein merkwürdiges Gefühl, Auge in Auge mit einer Krabbe bäuchlings auf einem glitschigen Felsbrocken zu liegen. Vor allem, wenn man da eigentlich gar nicht hinwollte. Aber links und rechts stehen die Felsen senkrecht aus dem Meer, da ist der flache, rutschige Stein, auf den mich die letzte Welle getragen hat, noch die beste Alternative.

Die Krabbe hat inzwischen die Flucht vor mir, dem Neoprenmonster, ergriffen, und auch ich versuche, mehr oder weniger graziös wieder ins Wasser zu gleiten. Hinter mir im glasklaren Meer schnorchelt eine Britin, von einem acht Meter hohen Felsblock rechts springt ihr Freund in einem perfekten Bogen mit einem Kopfsprung ins Wasser. Eine Amerikanerin hängt an einem Steinbrocken, einen halben Meter über dem Meeresspiegel, bevor sie sich lachend rückwärts ins Wasser fallen lässt.

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Coasteering auf Mallorca: Trau dich!

Foto: VIU Aventura

Die Sportart Coasteering entstand in den Siebzigerjahren an der Küste der Grafschaft Pembrokeshire in Wales. Dort erhielt sie zumindest ihren Namen, er ist eine Kombination aus "Coast" und "Mountaineering". Natürlich haben sich Menschen seit Tausenden von Jahren an Küsten entlangbewegt: zum Fischen, Muschelsammeln oder um Zugänge zu abgeschiedenen Buchten zu finden. Coasteering aber verbindet Klettern, Schwimmen, Wandern, Schnorcheln, Klippenspringen und Tauchen zu einer Abenteuersportart.

Gerd Kohlmus hat uns an diese entlegene Ecke der Halbinsel Victoria bei Alcudia auf Mallorca gebracht. Nun will der Coasteering-Guide, dass wir ihm hinterherschwimmen - auf ein Felsloch in den Küstenklippen zu. Wir kraulen etwa zwei Meter in die Dunkelheit hinein.

"Und jetzt umdrehen und untertauchen", sagt der 51-Jährige. Der Blick geht unter Wasser aus der Meereshöhle hinaus ins leuchtende Blau, Hunderte Doraden und Makrelen glitzern und blinken im Licht, die Felsen bilden einen gezackt-schwarzen Rahmen. Wieder an Land, krabbelt, kriecht und klettert die Gruppe in der Waagerechten über dem Meer entlang. Jeder sucht seinen eigenen Weg. Sind weder Handgriffe noch Fußtritte vorhanden, plumpst man ins Wasser und umschwimmt das steinerne Hindernis einfach.

Mallorca fernab von Sangria-Eimern

Auf Mallorca ist Coasteering rasch zum Trend geworden. Ein gutes Dutzend Anbieter organisiert Touren an den felsigen Küsten der Insel. Der Allgäuer Kohlmus und sein französischer Kompagnon Patrick Imbert, 55, betreiben seit fünf Jahren Active Alcudia . "Wir merken, dass das Interesse am Coasteering kräftig anzieht", sagt Imbert, der früher als Bootsbauer, Jazzbarbetreiber und Kajakguide gearbeitet hat, "es ist die Bewegung in der Natur, gewürzt mit einer Prise Adrenalin und jeder Menge Spaß."

Wer sich aufs Küstenkraxeln einlässt, lernt weitab von Hochhaushotels und Sangria-Eimern ein anderes Mallorca kennen: die Insel in Nahaufnahme. Im Zeitlupentempo. Jeder Griff will überlegt sein, jeder Fels fühlt sich anders an, unter Wasser leuchten Seesterne. Man schrammt über Kanten, schwimmt unter Wasser durch kurze Tunnel, balanciert über Steinbrocken.

Die Ausrüstung ist simpel: Die Teilnehmer ziehen normale Sportschuhe an, der Veranstalter stellt den Neoprenanzug und vielleicht noch eine Schnorchelmaske. "Ich kaufe für die Teilnehmer immer Gartenhandschuhe aus dem Baumarkt", sagt Kohlmus, "damit hat man einen guten Griff und holt sich weniger Schürfwunden und Kratzer." Außerdem könne man so Quallen beiseiteschieben, ohne dass man sich brennende Stiche holt. Wer dennoch in Berührung kommt, für den hat Kohlmus immer eine Flasche Essig zum Einreiben dabei.

Einsteiger-Coasteerings wie das von Active Alcudia (vier Stunden kosten 40 Euro), bei denen man nur einige Hundert Meter zurücklegt, sind eine Art Spiel mit dem Gelände, selten ist man dabei höher als ein, zwei Meter über dem Meer. Klippenspringen ist nicht obligatorisch - man sollte es sich allerdings auch nicht entgehen lassen.

Thrill in der Taubenhöhle

Fortgeschrittene finden bei Pep Platel und seiner Coasteering-Firma VIU Aventura  (fünf Stunden für 70 Euro) eine aufregendere Spielwiese. Der 50-Jährige führt die Klippenkletterer zur Cova des Coloms, der Taubenhöhle.

Wir treffen uns um 7.30 Uhr morgens. "Wenn wir zu spät losgehen, sind wir vielleicht nicht mehr allein", sagt er. Er stopft Helme, Klettergurte, Seil und lange Neoprenanzüge in Rucksäcke. Wir laufen durch eine Art Buschsteppe vom Parkplatz zur Cala Falcó.

Nach rund einer Stunde kommen wir an einer 22 Meter hohen Felswand an, die steil ins Meer abfällt. Sonnenflimmern, Möwenschreie, kein Mensch zu sehen. Im Klettergurt seilen wir uns auf einen Sims ab, von dem wir dann die Klippen hinunterspringen sollen.

Lukas, 16, und Jonas, 13, schauen zögernd ihrem Vater nach, der kurzentschlossen zwölf Meter in die Tiefe springt - die Flugphase scheint ewig zu dauern. Die Familie kommt aus der Nähe von Stuttgart, sie will heute "ein Jungsding" machen. Doch die beiden Teenager trauen sich nicht so richtig und steigen einige Meter ab, bevor sie springen. Das laute Platschen zerreißt die Stille, dann Jubelschreie.

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Wir schwimmen zum Eingang der Taubenhöhle, paddeln langsam in die Dunkelheit. Platel verteilt Stirnlampen, im Inneren der Höhle steigen wir aus dem Wasser und laufen durch eine Halle mit Sandboden. Stalaktiten hängen von den Decken. Wir quetschen uns durch enge Durchschlupfe, rutschen auf dem Neoprenhosenboden steile abgeschliffene Felsen hinunter, schwimmen in Höhlenseen durch mehrere Hallen.

Ganz tief drinnen setzen wir uns. "Lichter aus", sagt Platel, "und nicht sprechen." Zwei Minuten Dunkelheit, Orientierungslosigkeit, Stille. Ab und zu hört man einen Tropfen im Wasser landen. Sonst nichts. "Es gibt immer wieder Leute, die weinen, wenn es so still ist", sagt Platel. Auch wir sind stiller geworden, als wir die Höhle verlassen und den Rückweg antreten.

Schwimmen zur Wand, Anseilen, hoch auf die Steilklippe klettern, zurückwandern. "Der Sprung und die dunkle Stille", sagt Jonas, hätten ihn am meisten beeindruckt, "die Stille eigentlich noch mehr als der Sprung", fügt er hinzu. Platel grinst. Ziel erreicht.

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