Cornwall ohne Auto Wellen der Entspannung

Raue Klippen, einsame Inseln, englische Gärten: Westcornwall ist schon längst kein Geheimtipp mehr. Weniger bekannt ist dagegen, dass sich die Region auch bestens ohne eigenes Auto erkunden lässt - nach einer zünftigen Wanderung schmecken die Scones doppelt so gut.


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Westcornwall: Mit Bus und Bahn zur Steilküste
Hinter Land's End, der westlichsten Spitze Englands, kommt für viele Kilometer nur noch das raue Meer. Selbst bei bestem Wetter drückt der Atlantik seine Wellen ungezähmt bis an die Steilküste im Westen Cornwalls. Die Orte hier sind klein, die schmalen Straßen führen durch hügeliges, spärlich besiedeltes Land. Dennoch sind sie auch ohne Auto gut erreichbar. Wer sich den Stress im Linksverkehr schenken will, kann getrost auf seine bequemen Schuhe sowie das gut ausgebaute Netz von Bus- und Bahnlinien vertrauen.

Ein guter Ausgangspunkt für Tagestouren ist Penzance. Viele Attraktionen des mystischen Cornwall sind von hier aus in weniger als einer Stunde per Bus erreichbar. Das gilt auch für die Touristenattraktion Land's End. Naturliebhaber sollten am besten das kommerzielle Erlebniszentrum links liegenlassen und dem Küstenpfad nach rechts folgen. Ein Blick über das Meer ist hier schöner als der andere. Heide und Gräser, Moose und Bodendecker bilden links und rechts des Pfades dichte, weiche Teppiche über die Klippen, während sich tief unten die Wellen brechen. Nach rund 30 Minuten Fußmarsch belohnt die Wanderer ein Sonnenbad am feinen Sandstrand von Sennen Cove. Von dort fährt ein Bus zurück nach Penzance.

Für Seeleute hat sich diese Idylle ein ums andere Mal als trügerisch erwiesen, denn der Ozean kann auch anders. Im Pub "Alexandra Inn" nahe der Uferpromenade von Penzance zeugen zahlreiche Fotografien von den Schiffsunglücken vergangener Jahrzehnte. Und zwischen Penzance und Mousehole erinnert eine Gedenkstätte am Penlee Lifeboathouse an ein Unglück von 1981, als das Schiff "Union Star" in schwerer See an den Klippen zerschellte und neben der Mannschaft auch freiwillige Helfer ums Leben kamen.

Baden im eiskalten Wasser

Wer von Penzance aus einen Schiffsausflug auf die Scilly-Inseln wagt, rechnet besser mit schaukeliger See. Auf der Insel St. Mary's wartet die Belohnung: eine außergewöhnlich gelassene Atmosphäre. Dagegen wirkt das Festland Cornwalls geradezu geschäftig. Bleiben sie länger, können Besucher Vögel beobachten, auf die Nachbarinseln fahren oder sich ganz der ungewohnten Langsamkeit hingeben.

Nur etwa eine halbe Busstunde von Penzance entfernt liegt der Ort St. Ives. Dort scheint es zwar an Sommertagen mehr Touristen als Einheimische zu geben. Trotzdem lohnt der Ausflug: Friedlich heben und senken sich kleine Boote im Hafen, Möwen kreischen, Menschen tummeln sich an den drei Stränden in unmittelbarer Nähe des Ortskerns. Obwohl das Wasser rund um Cornwall alles andere als warm ist, baden viele. Im Ort selbst laden zahlreiche kleine Galerien und Schmuckgeschäfte zum Bummeln ein.

Selbst einer der zahlreichen Gärten, für die Cornwall berühmt ist, lässt sich von Penzance aus problemlos zu Fuß erreichen. Zu zwei weiteren in der Nähe von Lamorna fährt der Bus. "Trengwainton Garden" liegt im Norden der Stadt nahe Heamoor. Nach einem rund 45-minütigen Spaziergang dorthin werden Blumenliebhaber durch eine Fülle exotischer Pflanzen von vier Kontinenten, prachtvolle Fuchsien und ideenreiche Nutzgärten belohnt. Außerdem serviert das Café des Gartens besonders leckeren "Cream Tea" - Tee mit zwei luftigen Scones, der Sahnevariante "Clotted Cream" und Erdbeerkonfitüre.

Bunte Pflanzen im "Eden Project"

Kultur in der Natur bietet das Minack Theatre bei Porthcurno - ein an die Klippen gebautes Freilufttheater, für das man sich früh um Karten kümmern sollte. Der Bus von Penzance braucht rund 30 Minuten dorthin. Von Penzance zu Fuß erreichbar ist dagegen die ehemalige Klosterfestung St. Michael's Mount.

Bei Ebbe können Besucher hinlaufen, bei Flut fahren kleine Boote. Auch hier verwaltet der National Trust einen hübschen kleinen Garten mit subtropischen Pflanzen, dessen Besonderheit die steile Hanglage hoch zum Festungsgemäuer ist.

Neben Penzance bieten sich weitere Orte als Startpunkt für Ausflüge an. Von St. Austell an der Zugverbindung London - Penzance aus sind zum Beispiel die geheimnisvollen Gärten von Heligan oder der spektakuläre botanische Garten "Eden Project" mit Pflanzen aus aller Welt gut zu erreichen.

Petra Reinken, dpa

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