Küste bei Sibenik
Küste bei Sibenik
Foto: Andor Süli / EyeEm / Getty Images

Tauchlehrer in Kroatien zur Reisewarnung "Es ist schon ärgerlich für uns"

Der Tauchlehrer Maik Bergmann lebt in Dalmatien, zeigt Touristen die spektakuläre Unterwasserwelt. Nach der Reisewarnung werden deutsche Urlauber die Region nun meiden. Hier schildert er, was das für ihn bedeutet.
Aufgezeichnet von Julia Stanek

"Es regnet nie in Razanj", besagt ein Sprichwort in Mitteldalmatien. Die Dvornica-Halbinsel ist eine Wetterscheide: Es kann in Sibenik und Split heftige Unwetter geben - aber rund um die Rogoznica-Bucht scheint die Sonne. Auch heute ist am strahlend blauen Himmel keine Wolke zu sehen. Wegen der Reisewarnung für die Region sind die Aussichten nun aber auch bei uns ziemlich düster.

Unsere Tauchbasis liegt quasi auf der Grenze der beiden kroatischen Verwaltungsbezirke, die das Robert Koch-Institut seit Donnerstag als Risikogebiet einstuft: Sibenik-Knin und Split-Dalmatien. Dass solch eine Entscheidung eine abschreckende Wirkung hat, haben wir sofort gemerkt. Seit die Nachricht von der Teil-Reisewarnung im Umlauf war, hatten wir drei Stornierungen aus Deutschland - und sicher wird es noch mehr geben.

Die Woche fing schon schlecht an. Der Großteil unserer Gäste kommt aus Deutschland und Österreich. Und Wien hatte ja bereits vor zehn Tagen für ganz Kroatien die höchste Sicherheitsstufe 6 - und damit eine Reisewarnung - ausgesprochen. Alle Bürger sollten das Land sofort verlassen.

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Kroatien: Für diese Regionen gilt die Reisewarnung

Foto: Dado Daniela / Getty Images

Wir müssen solche Entscheidungen hinnehmen. Aber es ist schon ärgerlich für uns. Bei uns ist die Lage entspannt. Es ist sehr idyllisch, Strandpartys gibt es nicht, die Leute sind gechillt. Sicher, es hat wohl ein paar Hotspots gegeben, an denen Leute gefeiert und getrunken und das Coronavirus verbreitet haben. So kommt es zu einer erhöhten Anzahl von Neuinfektionen, auch wenn sich das sehr lokal abspielt, weit weg von uns.

"Wir müssen das Geld über den Sommer verdienen und leiden darunter, dass Reisende nun verunsichert sind."

Tauchlehrer Maik Bergmann

Tourismusanbieter wie wir haben es also einzelnen Unvernünftigen zu verdanken, dass das Geschäft einbricht - dabei hat die Saison in diesem Jahr doch gerade erst angefangen. Ende Juni hatten wir hier unsere ersten Gäste. Der Juli war dann wirklich ein überraschend guter Monat; wahrscheinlich waren viele einfach froh, endlich wieder reisen zu dürfen. Dass es nun nach der ersten Augusthälfte schon wieder vorbei sein soll, ist wirklich schade.

Staatliche Hilfen wird es nicht geben, da ja die kroatische Regierung bislang keinen Lockdown verhängt. Immerhin betreiben meine Frau und ich die Tauchbasis als Familienbetrieb, wir haben keine Angestellten, die wir entlassen müssen, sondern im Prinzip nur die laufenden Mietkosten für die Immobilie am Wasser, die wir pachten. Die gesamte Tauchausrüstung mit Sauerstoffflaschen, Schnorchel-Equipment und Neoprenanzügen ist ja vorhanden.

Daher trifft es uns nicht so hart wie Gastronomen, Ferienhausvermieter und die Hotellerie, in der viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu bezahlen sind. Dennoch: Wir müssen alle das Geld über den Sommer verdienen und werden darunter leiden, dass Reisende nun wieder verunsichert sind.

"Es weht immer ein Wind - da haben auch Aerosole keine Chance."

Tauchlehrer Maik Bergman

Wir halten uns selbstverständlich an die Hygienemaßnahmen. Aber im Großen und Ganzen muss man sagen, dass der Tauchsport an der frischen Luft und unter Wasser stattfindet. Wir fahren mit einem Motorboot zu schönen Tauchspots, es weht immer ein Wind - da haben meines Wissens Aerosole keine Chance.

Dennoch werden wir den September wohl abhaken können, wir werden nichts zu tun haben. Was richtig bitter ist: dass nicht mal mehr der Herbst eine echte Perspektive ist. Der Oktober ist hier normalerweise ein interessanter Monat für Taucher. Das Wasser ist dann oft wärmer als im August, es kann in bis zu 40 Meter Tiefe noch 23 Grad haben - das passiert immer dann, wenn Stürme das warme Wasser an der Oberfläche mit dem kalten Wasser unten vermischt haben. Dann herrschen sehr gute Bedingungen.

Aber auch sonst ist die Gegend hier in jeder Hinsicht attraktiv für Taucher. Wir haben unter Wasser viele Steilwände, dort wachsen in nur 20 Meter Tiefe Gogonien, das sind Weichkorallen, die im Wasser dunkelblau aussehen, aber ihre bordeauxrote Färbung zeigen, wenn man sie beleuchtet. In anderen Teilen Kroatiens muss man dafür mindestens 30 Meter tief tauchen.

Insgesamt ist die Natur hier noch intakter als anderswo an der kroatischen Küste. Wir sehen bei den Tauchgängen Mönchsfische und Meerjunker, Zackenbarsche, Zweibindenbrassen und manchmal auch Muränen.

Ein paar Deutsche sind jetzt noch hier und bringen ihren Urlaub zu Ende, mit einigen gehe ich dieses Wochenende noch mal tauchen. In der kommenden Woche sieht es dann schlecht aus mit Buchungen. Vielleicht kommen noch ein paar Tagesgäste aus den osteuropäischen Ländern zu uns. Zum Glück gibt es zum Beispiel in Polen, Tschechien und Ungarn noch keine Reisewarnungen.

Aber ich befürchte, dass andere Länder es Deutschland nachmachen könnten - und dass die Bundesregierung vielleicht sogar noch weitere Teile Kroatiens als Risikogebiet einstufen wird. In Istrien, der bei Deutschen extrem beliebten Urlauberregion im Norden, gilt die Reisewarnung ja noch nicht. Mal sehen, wie lange sich das hält.

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