Urlauberinnen und Urlauber in einem Corona-Testzentrum in Magaluf auf Mallorca
Urlauberinnen und Urlauber in einem Corona-Testzentrum in Magaluf auf Mallorca
Foto: Marcin Nowak / picture alliance

Pflicht für Reiserückkehrer So viel kosten Coronatests in Europas Urlaubsländern

Der Coronatest für die Rückreise aus dem Urlaub ist Pflicht – und teils teuer. Ein Land ruft für eine vierköpfige Familie knapp 600 Euro auf. Wo gibt es ihn gratis? Wann sollte man ihn machen? Tipps vom Verbraucherschützer.
Von Julia Stanek

Reisen im Sommer 2021 ist aufgrund vieler pandemiebedingter Auflagen und Regeln keine ganz unkomplizierte Sache – und seit dem Wochenende ist es um eine Hürde reicher. Wer Urlaub im Ausland gemacht hat, muss sich nun vor der Rückreise nach Deutschland auf das Coronavirus testen lassen, egal ob das Reiseland ein Risikogebiet ist oder nicht – und ganz gleich, ob man per Flugzeug reist oder per Bahn, per Bus oder im Auto.

Ausgenommen von der Pflicht sind Kinder unter zwölf Jahren, Geimpfte und Genesene, zumindest, solange sie nicht aus einem Virusvariantengebiet einreisen; in dem Fall müssen auch Immunisierte einen negativen Coronatest mit entsprechendem Zertifikat bei der Einreise vorweisen. (Lesen Sie hier mehr über die neuen Regeln für Reiserückkehrer und sehen Sie auf der interaktiven Karte, wie die Länder eingestuft sind. )

Wie viel Geld man für den zertifizierten Coronatest ausgeben muss, hängt vom Reiseland ab (Selbsttests gelten nicht als Coronatests). »Derzeit sind die Tests nur in Dänemark, in den Niederlanden und in Österreich kostenlos«, sagt Peter Juhani Koop vom Europäischen Verbraucherzentrum Deutschland (EVZ). In Dänemark und in den Niederlanden beträfe das nicht nur die Antigen-, sondern sogar auch die PCR-Tests. »Dies gilt auch für Touristen«, sagt Koop und in den Niederlanden zumindest noch für den Monat August.

Ansonsten lassen sich die Anbieter vor Ort ihren Service zum Teil teuer bezahlen. Eine Übersicht über die Regeln und Kosten für Coronatests in 27 europäischen Ländern  liefert das EVZ unter Berufung auf Daten des Netzwerks der Europäischen Verbraucherzentren. »Viele Staaten haben Obergrenzen festgelegt, wie viel ein Test maximal kosten darf«, sagt Koop. Und diese Limits unterscheiden sich stark.

Ein paar Beispiele:

  • Belgien nennt laut EVZ die folgenden Preisgrenzen: 55 Euro für einen PCR-Test, 120 Euro für einen Antigentest. Wie die Preise zustande kommen, ist dem EVZ nicht bekannt. »Wir haben uns gewundert, dass für einen Antigentest in Belgien mehr als doppelt so viel verlangt werden darf wie für einen PCR-Test.« Meistens würden Antigentests jedoch günstiger angeboten. Am Flughafen von Brüssel  kosteten sie zum Beispiel 55 Euro.

  • Frankreich hat 43,89 Euro für einen PCR-Test und 25 Euro für einen Antigentest als Höchstpreise festgelegt. Es kommt jedoch den Angaben zufolge häufig noch eine Bearbeitungsgebühr hinzu. Die tatsächlichen Preise können daher auch höher ausfallen. An den Pariser Airports  Charles de Gaulle und Orly etwa müssten Touristen für einen PCR-Test 50 Euro bezahlen, für einen Antigentest 30 Euro. Testzentren in Frankreich lassen sich hier  ausfindig machen (Website nur auf Französisch).

  • Die Preise für PCR- und Antigentests in Griechenland variieren, schreibt das EVZ. »Antigentests kosten im Durchschnitt zwischen 15 und 40 Euro, PCR-Tests zwischen 40 und 70 Euro.« Weitere Informationen zu Testzentren in Griechenland sind auf dieser Website  (auf Englisch) verfügbar.

  • In Italien werden nicht nur Urlauberinnen und Urlauber, sondern auch einheimische Bürgerinnen und Bürger zur Kasse gebeten. Wie viel die Coronatests kosten, legen die einzelnen Regionen fest: Für Antigentests sind es zwischen 20 und 50 Euro, bei den PCR-Tests liegen die Preise zwischen 50 und 120 Euro – je nachdem, welche öffentliche oder private Einrichtung den Test anbietet. Auch in Apotheken sind Tests möglich. Doch EVZ-Sprecher Koop hat noch einen Tipp: »Es gibt an zwölf Bahnhöfen in Italien die Möglichkeit, sich noch bis September kostenlos testen zu lassen.« Dabei handelt es sich um ein Angebot des Italienischen Roten Kreuzes (Croce Rossa Italiana) , das an Bahnhöfen von Bari bis Venedig – inklusive aller großen Städte wie Rom, Florenz und Mailand – Stände eingerichtet hat.

  • In Portugal nehmen die Labore und Kliniken im Schnitt 100 bis 120 Euro für einen PCR-Test, 25 bis 40 Euro für einen Antigenschnelltest und 80 bis 100 Euro für einen Serologischen Test. Außerdem warnt das EVZ: »Passagiere, die bei Ankunft am Flughafen kein negatives Testergebnis vorzeigen können, erhalten eine Geldstrafe und müssen sich kostenpflichtig testen lassen (100 Euro).«

  • Spanien: Hier sind Coronatests kostenlos, »wenn kürzlich Kontakt zu einer infizierten Person bestand oder Symptome von Covid-19 bestehen«. In diesen Fällen könne der Test in einem öffentlichen medizinischen Zentrum gemacht werden (Testzentren in Spanien finden Sie hier ). Andernfalls müssen Bürger wie Touristen zahlen: im Durchschnitt knapp 50 Euro für einen Antigentest und meist unter 100 Euro für einen PCR-Test. »Die Fluggesellschaft Vueling bietet Antigentests für 35 Euro (Resultat in 6 bis 12 Stunden) und PCR-Tests für 85 Euro (Resultat in 24 bis 48 Stunden) an«, schreibt das EVZ.

Bekomme ich das Geld zurück?

Ob ein im Ausland durchgeführter Coronatest in Deutschland erstattet werden kann, ist situations- und landesabhängig. »Wenn Sie im europäischen Ausland einen Coronatest (PCR- oder Antigentest) machen lassen, werden die Kosten von Ihrer deutschen Krankenkasse nur dann erstattet, wenn die Kosten auch in Ihrem Reiseland für die dort Versicherten übernommen werden«, schreibt das EVZ. Wenn es sich nicht um eine sogenannte »Leistung bei Krankheit« der Krankenkassen in dem jeweiligen EU-Land handele, hätte man auch hierzulande keinen Anspruch auf Erstattung.

Tipp der Verbraucherschützer: Im Zweifel immer die Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC)  vorzeigen. Auch wenn diese in vielen Arztpraxen und Krankenhäusern nicht anerkannt werde und man als Reisende oder als Reisender in Vorleistung gehen müsse, könne es sich lohnen: »Die Rechnung für den Test können Sie im Anschluss an Ihre Reise bei Ihrer Krankenversicherung einreichen, sofern der Coronatest erstattungsfähig ist.« Wer darüber hinaus eine private Auslandsreisekrankenversicherung habe, solle auch dort nachfragen, ob diese die Kosten für Coronatests eventuell übernimmt.

So planen Sie Ihren Test

»Sich am Flughafen testen zu lassen, kann ziemlich teuer werden«, sagt Peter Koop. Das zeige das Beispiel Finnland. Ein Antigentest am Flughafen Helsinki kostet 179 Euro, Familien bekommen dort einen Mengenrabatt: Bei zwei bis vier Personen werden 149 Euro pro Person verlangt. Bei fünf Personen oder mehr reduziert sich der Preis noch mal um zehn Euro pro Person. PCR-Tests schlagen noch höher zu Buche. Sie kosten am Flughafen 265 Euro. Wer einen PCR-Schnelltest benötigt, muss sogar 300 Euro bezahlen. (Tipp: Es gibt am Flughafen einen Servicepunkt, an dem man sich auch negative Testergebnisse abholen kann, die zuvor in einer Aava-Klinik durchgeführt wurden.)

Um keine bösen Überraschungen bei oder kurz vor der Rückreise nach Deutschland zu erleben, sollten sich Urlauberinnen und Urlauber ausführlich über Testmöglichkeiten am Urlaubsort und die damit verbundenen Kosten informieren, rät Koop. »Wichtig ist auch, dass sich Reisende rechtzeitig um einen Termin bemühen.« Nicht überall werde man spontan bedient. »In den Niederlanden wird zum Beispiel empfohlen, fünf Tage vor Abreise einen Termin zu vereinbaren.«

Die Auflistung  der Regeln und Kosten für Coronatests im Ausland soll eine Hilfestellung für Verbraucherinnen und Verbraucher sein, sagt Koop. Natürlich sollten sich Reisende zusätzlich auf der Internetseite des Auswärtigen Amtes  über Ein- und Rückreiseregeln informieren.

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Und dann bedarf es auch noch einer guten Planung, wann man sich testen lässt. »Nicht zu spät, nicht zu früh«, rät Koop. Denn letztlich gelten die Tests immer nur für eine bestimmte Zeitspanne: für 72 beziehungsweise 48 Stunden. (Wie viele Stunden das jeweils sind, wird in dieser Kurzübersicht des Bundesgesundheitsministeriums  deutlich.) »An diese Regeln muss man sich halten.«

An den Grenzen wird stichprobenartig kontrolliert. Heißt in der Praxis: Gut überlegen, wann man bei der Rückreise nach Deutschland voraussichtlich die Grenze übertreten wird – und entsprechend den Zeitpunkt des Coronatests planen.

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