Strand auf Mallorca
Strand auf Mallorca
Foto: ENRIQUE CALVO/ REUTERS

Infizierte Familie Positiver Corona-Test nach Mallorca-Urlaub - was das für Reisende bedeutet

Eine Familie kommt aus dem Mallorca-Urlaub wieder - und Eltern wie Kinder sind mit dem Coronavirus infiziert. Wo haben sie sich angesteckt? Und was bedeutet der Fall für Reisende? Antworten auf die wichtigsten Fragen.
Von Julia Stanek

Wie vertragen sich Pandemie und Urlaubsreisen? Diese Frage stellen sich derzeit Wissenschaftler, Politiker - und viele Bürger, die gern verreisen wollen. Was ist erlaubt und was verboten an den Orten, an denen man die Ferien verbringen will? Wie gut werden die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus an Urlaubsorten und in den Verkehrsmitteln, die uns dorthin bringen, umgesetzt?

Nun hat sich herausgestellt, dass eine vierköpfige Familie aus Cottbus nach einem Mallorca-Urlaub mit dem Coronavirus infiziert ist. Einer der Arbeitgeber der Eltern hatte nach deren Rückkehr routinemäßig einen Test veranlasst, wie die Stadt mitteilt. Die Urlauber waren am vergangenen Sonntag von der Baleareninsel nach Nürnberg geflogen und dann mit dem Auto nach Cottbus weitergereist.

Ist bekannt, wo sich die Familie angesteckt hat?

Die Stadt Cottbus, die für die Nachverfolgung der Infektionskette zuständig ist, macht keine Angaben dazu, wo auf Mallorca die betroffene Familie Urlaub gemacht hat - und wie lange. Es ist daher theoretisch sogar möglich, dass sich mindestens ein Elternteil - Jahrgang 1987 und 1986 - oder eine der beiden Töchter - geboren 2006 und 2012 - schon vor der Abreise infiziert hat. Es könnte jedoch auch auf dem Weg in den Urlaub oder auf der Insel selbst passiert sein. Bisher zeigten alle vier Familienmitglieder keinerlei Covid-19-Symptome, sagte Jan Gloßmann, Pressesprecher der Stadt Cottbus. Sie befänden sich in Quarantäne.

Was ist mit den anderen Passagieren im Flugzeug?

"Das Wichtigste ist nun, dass wir alle Kontakte nachvollziehen können", sagt Gloßmann. Das zuständige Gesundheitsamt sei mit allen relevanten Stellen in Kontakt - sowohl in Deutschland als auch in Spanien. "Wir müssen nun schauen, wie groß der Personenkreis ist, den wir zurückverfolgen müssen - und das machen wir mit Ruhe und Sorgfalt, um niemanden zu übersehen."

Der Flughafen Nürnberg äußert sich zu dem Fall auf Anfrage des SPIEGEL nicht und verweist auf die Stadt Cottbus. Auch die beiden Fluggesellschaften, die am 19. Juli von Palma de Mallorca aus nach Nürnberg geflogen sind, ließen Anfragen des SPIEGEL bislang unbeantwortet. Es handelt sich dabei um die Billigfluggesellschaft Ryanair sowie die türkische Airline Corendon, ebenfalls ein Low-Cost-Carrier mit Heimatflughafen in Antalya.

Wie läuft die Rückverfolgung der Infektionskette bei Fluggästen ab?

Ziel der Kontaktpersonennachverfolgung ist es laut dem Robert Koch-Institut (RKI), "potenziell mit dem Virus infizierte Personen möglichst frühzeitig" zu ermitteln. Das Prozedere betrifft den Angaben zufolge

  • alle Personen, die in derselben Reihe sowie zwei Reihen vor und hinter der mit Sars-CoV-2 infizierten Person gesessen haben",

  • Besatzungsmitglieder

  • und andere Personen, die während des Aufenthalts im Flugzeug einen intensiveren Kontakt mit der infizierten Person hatten. "Dies kann zum Beispiel im Rahmen eines längeren Gesprächs oder häufigem Service an Bord sein (mindestens 15 Minuten Gesichtskontakt)", heißt es in einem Musteranschreiben des RKI an Fluggesellschaften, "oder bei Kontakt zu Sekreten oder Körperflüssigkeiten des Infizierten."

Für die Durchführung der Ermittlungen sind die Gesundheitsbehörden zuständig. Luftfahrtunternehmen müssen diesen "die nötigen Daten zur Erreichbarkeit von ansteckungsverdächtigen oder betroffenen Reisenden sowie zu ihren möglichen Kontaktpersonen unverzüglich zur Verfügung zu stellen". Angaben der Stadt Cottbus zufolge wurden bereits Menschen ermittelt, die mit der Familie in Kontakt waren. Sie sind ebenfalls in Quarantäne.

Wie groß ist das Risiko, sich auf einem Flug bei Corona-Infizierten anzustecken?

"Das Infektionsrisiko an Bord der Flugzeuge wird minimiert durch das Zusammenwirken von Kabinenbelüftung und Maskenpflicht", sagt Ivo Rzegotta, Pressesprecher vom Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft. Die Luft in der Kabine werde zum einen ständig ausgetauscht und gereinigt und außerdem mittels hochwertiger HEPA-Filter permanent von Schadstoffen, Viren und Bakterien befreit. Da ein weitreichender Abstand nicht gewährleistet werden könne, gilt zusätzlich eine Maskenpflicht an Bord der Flugzeuge.

Restlos ausschließen kann jedoch niemand, dass man sich an Bord eines Flugzeuges mit dem Coronavirus ansteckt - denn Masken dürfen zum Verzehr von Speisen und Getränken abgenommen werden. Außerdem kann der für eine saubere Luft an Bord nötige senkrechte Luftstrom in die falsche Richtung gelenkt werden, wenn Passagiere die Belüftungsdüsen verstellen.

Wäre es nicht besser, Reisende bei ihrer Ankunft direkt am Flughafen zu testen? 

Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern haben sich grundsätzlich darauf verständigt, dass Reisende künftig unmittelbar nach ihrer Rückkehr in Deutschland auf das Coronavirus getestet werden sollen - allerdings nur, wenn sie in Risikogebieten im Ausland waren. Welche Staaten das sind, definiert das RKI tagesaktuell. An Flughäfen soll es künftig Teststellen geben, weitere Details werden jedoch erst Ende der Woche besprochen.

"Tests für Rückkehrer aus RKI-Risikoländern sind sinnvoll als eine praktikable und gleichzeitig sichere Alternative zu der Quarantäneverpflichtung, die bei Einreisen aus solchen Risikoländern derzeit erforderlich sind", sagt BDL-Sprecher Rzegotta. Sie aber auf Urlaubsländer auszuweiten, in denen das Infektionsgeschehen ähnlich sei wie in Deutschland, davon hält er nichts. "Wenn wir beginnen, am Flughafen jeden zu testen, der aus Mallorca kommt, dann müssten wir auch jeden testen, der aus einem Restaurant oder aus einer U-Bahn kommt." Allerdings werden in der Gastronomie Abstände von 1,5 Metern zwischen den Tischen eingehalten - im Flugzeug gibt es diese Möglichkeit, zum Sitznachbarn Distanz zu halten, nicht.

Wenn Rückkehrer bereits am Flughafen positiv auf das Coronavirus getestet würden, könne dies das Risiko einer Weiterverbreitung verringern, sagt Jan Gloßmann, Stadtsprecher in Cottbus. "Auch der Aufwand für die Nachverfolgung wäre dann möglicherweise nicht so groß." Ob Tests am Flughafen aber sinnvoll seien, das müssten Experten entscheiden. "Wenn das aus virologischer Sicht so ist, dann sollte man das tun", findet Gloßmann. Vor allem aber appelliert er an alle Bürger und Reisenden, sich an die geltenden Hygienemaßnahmen und Verhaltensregeln wie das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes in der Öffentlichkeit zu halten. "Wenn auf dem betreffenden Flug alles eingehalten wurde, dann ist ein Großteil des Risikos schon gebannt."

Wie wichtig das Tragen von Masken für den Infektionsschutz ist, zeigte sich kürzlich in den USA. Dort hatten zwei infizierte Mitarbeiter eines Friseursalons vielen Menschen die Haare geschnitten - und niemanden angesteckt.

Im aktuellen Fall sind auch zwei Kinder infiziert - mussten diese auf dem Flug Masken tragen?

Wahrscheinlich ja, bestätigt ist das jedoch nicht. Denn noch ist unklar, mit welcher Airline die Familie geflogen ist. Infrage kommen lediglich Ryanair und Corendon. Beide Fluggesellschaften geben auf ihren Websites an, dass das Tragen einer Maske Pflicht ist - und sie nehmen Kinder davon nicht explizit aus. "Am Flughafen und an Bord Ihres Fluges ist das Tragen einer Mund-Nasen-Maske zu jeder Zeit verpflichtend", schreibt Ryanair. "Alle Flugpassagiere müssen eine Maske tragen", heißt es auf der Website von Corendon.

Die Familie hatte keine Symptome - ist das nicht beunruhigend für Reisende?

Prinzipiell könnten jederzeit infizierte Passagiere in ein Flugzeug einsteigen, wenn sie kein Fieber haben, nicht husten oder andere Corona-Symptome haben. Das sind potenzielle Überträger - auch wenn es keiner merkt. Allerdings werden die Airlines und der BDL nicht müde zu betonen, dass das Infektionsrisiko an Bord besonders gering ist. Außerdem sei die Nachverfolgung in der Luftfahrt besonders gut möglich, sagt BDL-Pressesprecher Rzegotta. "Im Luftverkehr müssen die personenbezogenen Daten von Fluggästen fünf Jahre lang aufbewahrt werden. Daher ist die Kontaktnachverfolgung einfacher als in fast jedem anderen Gesellschaftsbereich."

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