Tipps für Ski-Urlaub Die zehn steilsten Pisten der Alpen

Wenn schon abwärts, dann richtig: Diese zehn steilsten Pisten der Alpen sind höllisch. Berühmt, berüchtigt - aber es gibt noch Geheimtipps.

Mayrhofener Bergbahnen/ SRT

Wer das Kribbeln im Bauch mag, das Gefühl zwischen Angst und Spaß, der wird diese Pisten lieben. Wer den Rausch der Herausforderung spüren will, der sollte diese Abfahrten ansteuern. Am günstigsten allerdings wäre es, wenn auch die körperlichen und technischen Voraussetzungen passten, damit das Abenteuer nicht im Krankenhaus endet.

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Von Harakiri bis Streif: Die steilsten Pisten der Alpen

Die zehn steilsten Pisten der Alpen sind als "schwarz" markiert, wie bei Abfahrten ab 40 Prozent Neigung üblich - umgerechnet wäre das ein Winkel von 21,8 Grad. Für einen Eintrag in diese Liste braucht es aber noch mehr.

Kitzbühel, Österreich: Die Streif

Die Streif am Hahnenkamm in Kitzbühel ist wohl die bekannteste unter den extremen Pisten. Die Steilhänge mit einem maximalen Gefälle von 85 Prozent in der "Mausefalle" gleich nach dem Start werden außerhalb des Abfahrtrennens (im kommenden Jahr vom 21. bis 27. Januar) nur als sogenannte Skiroute freigegeben. Pistenfahrer können von der "Streif-Familienabfahrt", die die klassischen Schlüsselstellen umfährt, immerhin einen Blick darauf werfen - so kommen auch die Vorsichtigeren sicher und ohne Stress ins Tal nach Kitzbühel.

Das ist auch besser so, denn nur wenige würden die steilen Passagen, die sich vor und nach dem Rennen eher als schräg gestellte Eisbahn entpuppen, sicher bewältigen. Der Rest würde innerhalb von Sekunden nach Einfahrt in den Eiskanal einen Abflug machen und sich erst viel weiter unten im nächsten Flachstück wiederfinden.

Verbier, Schweiz: Mont Fort

Im Pistenplan eingezeichnet, aber nicht gewalzt wird der Steilhang direkt unter der auf 3330 Meter Höhe liegenden Seilbahn-Bergstation am Mont Fort. Schon von Weitem sind die riesigen Buckel in der Schneeflanke zu erkennen, die zwar - nicht zuletzt wegen ihrer Höhe - mühsam zu befahren sind, aber bei einem Sturz als willkommene Bremsblöcke dienen. Mit einem Gefälle von durchschnittlich 77 Prozent (in der Spitze mehr als 80 Prozent) ist der Mont Fort eindeutig ein skifahrerischer Höhepunkt der Schweiz.

Mayrhofen, Österreich: Harakiri

Mayrhofener Bergbahnen/ SRT

Schon der Name ist spitze: Die Harakiri gilt als Österreichs steilste Piste. Sie führt direkt unter einer Sesselbahn talwärts. Publikum ist also garantiert - und Schadenfreude, falls man nach einem Sturz erst an der Talstation wieder auf die Füße kommt.

Längst gibt es zu der Steilabfahrt mit einem Gefälle von maximal 78 Prozent auf der Homepage der Mayrhofener Bergbahnen eine Community, auf der man sein Statement abgeben kann. Und wer seinen Mut auch daheim vorführen möchte, der kann sogar an allen Kassen eigene Harakiri-Fanartikel kaufen. So steil die Harakiri auch sein mag - die gegenüberliegende Direttissima neben der Schneekarbahn ist auch eine schöne Herausforderung.

Trois Vallées, Frankreich: Saulire

Die 2740 Meter hohe Saulire ist für einen Skiberg ein verdammt felsiges Exemplar. Sowohl die nach Courchevel blickende Ostflanke als auch die Westseite oberhalb von Méribel durchziehen zahlreiche enge und steile Rinnen.

Ein Gelände, das üblicherweise Freeridern vorbehalten bleibt, doch auf beiden Seiten gibt es jeweils ein Couloir, das offiziell Pistenstatus hat: das Grand Couloir hinunter in den Nobelort Courchevel und das GoPro Couloir unterhalb der von Méribel heraufkommenden Gondelbahn Saulire Express, die mithin ein schöner Logenplatz ist, um dem Treiben vom Ehrgeiz getriebener Helmkameraträger zuzuschauen. Man muss ja nicht gleich ein Video vom Gelingen und Scheitern machen. Letzteres passiert angesichts von fast 80 Prozent Gefälle regelmäßig.

Portes du Soleil, Schweiz: Le Mur Suisse

Mitten im Megaskiverbund Les Portes du Soleil liegt ein Steilhang der Superlative. Le Mur Suisse, die Schweizer Mauer, wird die nicht präparierte Buckelpiste von Le Pas de Chavanette genannt. Bis zu 76 Prozent Gefälle bietet die weiße Mauer bei Champery; eine Mutprobe für Cracks, die im Labyrinth der je nach Schneelage bis zu zwei Meter hohen Buckel schnell einmal die Orientierung verlieren.

Hochpustertal, Italien: Holzriese

Eine Herausforderung für die Oberschenkel ist die tiefschwarze Piste "Raut" im Skigebiet Helm, die ohne Umwege der Falllinie folgt und unterhalb der Gondelbahn nach Obervierschach führt.

Und das Hochpustertal bietet noch mehr. Denn unter den Felswänden der fast 3000 Meter hohen Rotwandspitze verstecken sich die idealen Skihänge der Rotwandwiesen. Auf denen fühlen sich Anfänger wohl, während die Profis die rasante Talabfahrt Holzriese unter die Bretter nehmen, die seit einigen Wintern durch einen neuen Starthang mit bis 71 Prozent Gefälle (Holzriese I) noch einmal aufgewertet wurde.

Montafon, Österreich: Diabolo-Abfahrt

Eigentlich steht das Montafon für familienfreundliche Pisten. Doch auch die fortgeschrittensten Skifahrer kommen nicht zu kurz. So liegt in der weitläufigen Skischaukel Silvretta Nova nur wenige Meter von der Bergstation der Valiserabahn entfernt die Einfahrt in die Abhenkina: einen extrem steilen Downhill, bei dem man niemandem eisige Verhältnisse wünscht. Noch sportlicher geht es am benachbarten Golm zu. Die Diabolo-Abfahrt am Grüneck trumpft gleich zu Beginn mit einem rasanten Starthang (bis zu 70 Prozent Gefälle) auf, läuft dann aber relativ schnell flach aus.

Obertauern, Österreich: Gamsleiten 2

Schartner/ TVB Obertauern/ SRT

Fast schon legendär ist die Gamsleiten 2, die im unteren Abschnitt gut 70 Prozent Gefälle erreicht. Zwar hat sie längst einiges von ihrem Schrecken eingebüßt - die einst mit Buckeln gespickte Steilabfahrt wird präpariert -, doch bei hartem Schnee oder schlechten Kanten kann sie einen heute noch das Fürchten lehren. Und wem diese Herausforderung nicht reicht, für den gibt es neben dem Pistenband noch reichlich furchterregende Buckel.

Lech, Österreich: Langer Zug

Hier treffen sich die Reichen und Schönen - und die echten Könner unter den Skifahrern. Die Tiefschneemöglichkeiten am Arlberg sind legendär, und selbst die Pisten warten mit echten Herausforderungen auf. Hier gibt es echte Double-Black-Diamond-Routen und Skirouten, die so steil sind, dass man oben am liebsten gleich wieder kehrtmacht.

Paradebeispiel ist der Lange Zug unter dem Rüfikopf, eine Skiroute, die in der Regel gewalzt wird und über die das Gerücht kursiert, es handele sich um die steilste präparierte Piste der Welt. Das entspringt aber eher dem Anspruchsniveau, das man am Arlberg allgemein hat. Tatsächlich kommt die Abfahrt nicht ganz an die 70-Prozent-Marke heran. Verdammt steil ist sie trotzdem.

Madonna di Campiglio, Italien: Spinale Direttissima

Der mondäne Skiort am Fuß der Brenta ist vor allem für seine großartige Kulisse und seine sonnenüberfluteten Genusspisten bekannt, doch auch ambitionierte Skifahrer sind hier richtig. An vorderster Stelle steht dabei die Spinale Direttissima, die vom Monte Spinale in zunehmender Steilheit an den Ortsrand von Madonna führt. Der Höhepunkt ist der lange Schlusshang mit 70 Prozent Gefälle, der zu Ehren des Formel-1-Weltmeisters Michael Schumacher den Namen "Schumacher-Streif" trägt.

Christoph Schrahe, srt/abl

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