Dinosaurierküste in Asturien Auf großem Fuße

Was ist in Stein eingegraben, misst 1,20 Meter im Durchmesser und sieht aus wie ein Ahornblatt? Richtig, der Abdruck eines Dinosauriers. An der Küste Asturiens können große und kleine Dinofans die Millionen Jahre alten Spuren von Tyrannosaurus und Co. verfolgen.

Von Martin Cyris


"Wanderer – pass auf, wo du hintrittst!" lautet eine alte Siebenmeilenstiefelweisheit – zum Schutz von Flora und Fauna. Beim Wandern an der Dinosaurierküste in Nordspanien sollte man aufpassen, dass man nicht plötzlich im Fußabtritt eines Dinosauriers steht. Nicht, weil es ohnehin anmaßend wäre, in die Fußstapfen von Dinosauriern zu treten, sondern weil man mitunter schwer wieder hinausfinden könnte: Der größte Abtritt misst hier 1,20 Meter im Durchmesser und ist damit der zweitgrößte, der weltweit jemals gefunden wurde.

Zum Einstieg in die Zeiten von Tyrannosaurus und Co. empfiehlt sich Ribadesella. Das asturische Örtchen verfügt über einen lang gezogenen Sandstrand, die Playa de Santa Marina. Östlich davon wechselt der Untergrund von sandig auf felsig. Graublaue und lehmiggrüne Felswände bauen sich auf. Dann plötzlich, in etwa sieben Meter Höhe, sind deutlich zentimetertiefe Fußspuren zu erkennen, klobige, rundliche Dinofußspuren. Was man zuerst gar nicht recht glauben will – wer hat so was schon in freier Natur gesehen? – ist tatsächlich echt und original und viele Millionen Jahre alt.

Aber warum auf einer schrägen, beinahe senkrechten Felswand? Die asturischen Dinosaurier konnten natürlich weder die Schwerkraft aushebeln, noch hatten sie Saugnäpfe unter den Sohlen. Die Antwort: Durch Gesteinsverschiebungen im Lauf der Erdgeschichte wurden die einstigen Trampelpfade der mitunter gewaltigen Landwirbeltiere in die Vertikale befördert.

Phantasien von gruseligen Kreaturen

"Die haben hier bestimmt einen schönen Strandspaziergang gemacht", sagt Laura Pinuela und lacht. Die Wissenschaftlerin ist Sprecherin des Asturischen Jura-Museums (MUJA) und hat hier jahrelang Dinospuren gesucht und vermessen. "Wenn man hier allein in der Natur vor diesen riesigen Abdrucken steht, regt das die Phantasie ziemlich an", sagt sie. Tagelang habe sie bei ihren Außeneinsätzen von aberwitzigen Kreaturen phantasiert.

Auch Kindern dürfte die Phantasie an der Dinosaurierküste durchgehen. Die Wege zu den Fußspuren werden deshalb gerne auch von wanderfreudigen Eltern oder Lehrern angesteuert. Denn die Dinos machen den Kindern Beine. Am Ende des Wegs wartet das MUJA, das mit Riesenskeletten die Kleinen in den Bann zieht.

Spanien: Klicken Sie hier - und Sie finden die Dinosaurier-Route.
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Doch zwischen Ribadesella und dem Museum liegt ein etwa zweieinhalbstündiger Fußmarsch. Immer den Atlantik zur einen, und das hügelige asturische Hinterland, das von Obst- und Eukalyptusbäumen sowie alten Aussiedlerhöfen geprägt ist, zur anderen Seite. Kurz hinter Ribadesella erreicht man auf asphaltierter Straße den Weiler Tereñes. Ein Hinweisschild "Rastros de dinosaurios" weist Richtung Meer.

Auf einem Trampelpfad geht es etwa 500 Meter in Richtung Küste. Das schroffe Ufer, genannt Acantilados de Tereñes, steht bei Flut unter Wasser. Hier hat ein Urzeitlebewesen eine rund 15 Meter lange, inzwischen versteinerte Spur hinterlassen. Da der begehbare Abschnitt des Ufers nur schmal ist, ist die Spur für Dino-begeisterte Wanderer leicht zu finden.

Noch hält sich der Ansturm auf die Dinosaurierspuren in Grenzen. Sie sind weder von einem Zaun noch einer anderen Art von Absperrung vor menschlichen Trampeltieren geschützt. "Wir setzen auf die Vernunft der Leute", sagt Laura Pinuela. Was unzählige Millionen Jahre in der Natur überdauert habe, würde auch ein paar tausend Besucher pro Jahr verkraften. "Interessanterweise sind Kinder viel respektvoller beim Anblick der Fußspuren und dadurch auch vorsichtiger als Erwachsene", sagt Laura.

Dinospur in Augenhöhe

Hinter Tereñes sind es zirka sechs Kilometer bis zum Weiler Torre, zunächst auf einem Weg in Richtung Inland und dann auf einem Trampelpfad einen kurzen Abschnitt entlang der einigermaßen stark befahrenen Bundesstraße N632. In Torre steuert man Richtung des Dorfes Vega und damit wieder Richtung Meer. Etwa 300 Meter hinter Vega erstreckt sich der Playa de Vega, ein einsamer Strand, der selbst in der Hochsaison kaum besucht ist. Der Strand wird rechts von einer Felswand flankiert. Anders als beim Playa de Ribadesella muss man hier jedoch genauer hinsehen, um die Versteinerungen zu erkennen. Dafür sind sie an dieser Stelle in Augenhöhe zu erkennen.

Vom Playa de Vega geht es wieder zurück bis Torre an der N632 und dann weitere knapp vier Kilometer bis Colunga, einer typisch asturischen Provinzstadt mit altem Ortskern. Hier folgt man den Hinweisschildern zum Playa de la Griega. Nach etwa einem Kilometer ist auf einer Anhöhe bereits das Museum zu erkennen. Doch statt nach links dorthin abzubiegen, nehmen Dino-Wanderer zunächst den kleinen Weg Richtung Playa de la Griega.

Der Playa de la Griega ist nicht nur wegen seiner idyllischen Lage eine echte Attraktion. Unweit des Sandstrands fanden Forscher vor wenigen Jahren im grauen Fels ein paar der größten Dinosaurierfußspuren, die jemals vermessen wurden. Auf bis zu 1,20 Meter im Durchmesser kommen die Hinterlassenschaften der Dinos. Auch sie sind für Wanderer und Dino-Fans frei zugänglich.

Anwärter auf Weltkulturerbe-Titel

Vom Playa de la Griega sind es schließlich noch knapp über zwei Kilometer, bis das Asturische Jura-Museum - natürlich in Form eines Dino-Fußabtritts errichtet - erreicht ist. Über 8000 Fossilien aus dem Trias, dem Jura und der Kreidezeit sind hier zu bestaunen, außerdem ragen gigantische Sauriermodelle bis zur Decke hoch.

Kaum verwunderlich, dass vor allem Schulklassen oder Familien mit Kindern das Museum stürmen. 150.000 Besucher zählt es im Jahr. "Aus Deutschland kommen bis jetzt nur sehr wenige Besucher", sagt José-Carlos Garcia-Ramos, der wissenschaftliche Leiter des Museums. Dabei wisse er, dass vor allem deutsche Kinder ein Faible für die Riesen aus der Vorzeit haben. Mit Video- und Diashows werden die Zeiten der Dinosaurier lebendig gemacht, es gibt Audioführungen auch in Deutsch.

Vielleicht erhält das Museum demnächst Schützenhilfe von der Unesco: Der Playa de la Griega ist bei der Vergabe des Titels zum Weltkulturerbe vorgemerkt. Damit dürfte die gesamte Dinosaurierküste auch im Rest Europas kein unbekannter Flecken mehr bleiben.


Eine Wanderbroschüre, die auch eine Beschreibung der Dinosaurierküste enthält, kann bestellt werden bei www.infoasturias.com.

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Seite 1
Hypnodisc 04.06.2008
1.
Guten tag, dieses ist mein erstes gesprach - ich bin neu! Ich bin ein Englander, enschuldigung fur mein schlecht Deutsch :( Heute, dieses im 'Build': http://www.bild.de/BILD/lifestyle/reise/2008/05/brite-bekommt-schadenersatz/wegen-deutscher-im-hotel,geo=4701818.html Sind wir (Englander) so Schlechtes in Spanien?
Mocs, 04.06.2008
2. Maresme - immer wieder gern
Ich mag die Costa del Maresme - besonders das Hinterland. Die Gegend zwischen Barna und der quirligen Costa Brava hat für mich irgendwie einen ganz besonderen Reiz. Dia Altstadt von Girona, das nette Malgrat, nette Restaurants und Bodegas in den ländlichen Räumen.... Ist zwar schon lange kein Geheimtipp mehr - aber noch weit entfernt von anderen Massentourismusgebieten. Und von Hamburg ist man mit dem Bus der Deutsche Touring in knapp 29 Stunden in Girona - ganz ohne umweltverschmutzende Flugreise. Catalunya no es Espanya !
Nicola54 05.06.2008
3. Son Mist ;)
Die "Playa de la Griega" ist mein Lieblingssstrand. Wo es jetzt im Spiegel stand, wirds wohl mit der Idylle vorbei sein. Ich bin nicht dankbar ;)
strandfliege 05.06.2008
4.
Zitat von HypnodiscGuten tag, dieses ist mein erstes gesprach - ich bin neu! Ich bin ein Englander, enschuldigung fur mein schlecht Deutsch :( Heute, dieses im 'Build': http://www.bild.de/BILD/lifestyle/reise/2008/05/brite-bekommt-schadenersatz/wegen-deutscher-im-hotel,geo=4701818.html Sind wir (Englander) so Schlechtes in Spanien?
Nein! Besoffene Deutsche sind genauso doof wie besoffene Engländer. Ich habe sehr viel nette Engländer in La Cala Mijas, kennengelernt. Mit ihnen in einem Hause Urlaub verbracht. Keine Probleme. Egal, ob bei Diskussionen oder Feiern, einfach klasse.
strandfliege 05.06.2008
5.
Zitat von HypnodiscGuten tag, dieses ist mein erstes gesprach - ich bin neu! Ich bin ein Englander, enschuldigung fur mein schlecht Deutsch :( Heute, dieses im 'Build': http://www.bild.de/BILD/lifestyle/reise/2008/05/brite-bekommt-schadenersatz/wegen-deutscher-im-hotel,geo=4701818.html Sind wir (Englander) so Schlechtes in Spanien?
Nein! Besoffene Deutsche sind genauso doof wie besoffene Engländer. Ich habe sehr viel nette Engländer in La Cala Mijas, kennengelernt. Mit ihnen in einem Hause Urlaub verbracht. Keine Probleme. Egal, ob bei Diskussionen oder Feiern, einfach klasse.
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