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Dobratsch in Kärnten: Winterspaß ohne Liftzirkus

Foto: Stefan Herbke / SRT

Naturpark Dobratsch in Kärnten Hart rauf, sanft runter

Nach einigen schneearmen Wintern mussten die Skilifte am Dobratsch schließen. Heute zieht der Berg in Kärnten viele Winterwanderer und Skitourengeher an - die Region zeigt, wie Tourismus auch geht.
Von Stefan Herbke

2003 blieb auch der letzte Lift für immer stehen: Das Skigebiet am Dobratsch in den Gailtaler Alpen wurde geschlossen. Wer heute vom Talkessel auf 500 Meter Höhe hinauf fährt auf mehr als 1700 Meter und damit in den Winter, der sieht an den gut gefüllten Parkplätzen, dass der Hausgipfel von Villach ein Multifunktionsberg geworden ist - und sanfter Tourismus durchaus eine Chance hat.

Es gibt hier oben Langlaufloipen und Schneeschuhtouren. Am Endpunkt der Straße liegen Rodelhügel und statt Skifahrern nutzen Tourengeher die ehemaligen Pisten. Für Andrea Riedel war die Schließung des Skigebiets vor 15 Jahren ein Alptraum. Riedel ist Wirtin im Rosstrattenstüberl, ihre Familie hatte 1992 die Hütte direkt an der Bergstation der von Heiligenstadt heraufführenden Lifte gebaut.

Eine perfekte Lage, sagt Riedel, "die Leute sind ja quasi aus dem Lift in die Hütte gefallen". Das Gebiet war gut besucht. "Es war viel los. Das war ein richtig schönes, feines Familienskigebiet." Doch um die Jahrtausendwende kamen ein paar schneearme Winter, in denen die Lifte oft nur wenige Wochen lang in Betrieb waren.

Deshalb gab es Überlegungen, das Villacher Hausskigebiet komplett zu modernisieren, mit neuen Liften und einer Beschneiungsanlage. Da der Dobratsch jedoch auch der Trinkwasserspeicher von Villach ist, wurden die Pläne nicht genehmigt. Die Folge: Das Skigebiet sperrte zu, nachdem die Lifte im Winter zuvor keinen einzigen Tag gelaufen waren.

Die Lifte wurden verkauft, die Gäste blieben weg

An die Alternative eines Naturparks glaubte Riedel zunächst nicht. "Von Anfang an eine Totgeburt", war ihre erste Reaktion auf die neuen Pläne. "Ich habe mir einfach nicht vorstellen können, dass das irgendwann einmal läuft." Zwar war die Rosstratte knapp oberhalb der Waldgrenze schon früher dank der im Winter mautfreien Villacher Alpenstraße bequem zu erreichen, doch die Gäste waren vorrangig Pistenskifahrer.

Am Dobratsch lernten die Villacher Skifahren, und auch sonst ist der Berg für die Einheimischen etwas Besonderes. Wie ein kleines Gebirge baut sich dessen langgezogener Kamm westlich von Villach auf - unübersehbar und landschaftsformend: Am 25. Januar 1348 rutschte auf etwa einem Kilometer Länge 30 Millionen Kubikmeter Gestein ins Gailtal.

Außerdem ist der Dobratsch nicht nur Trinkwasserspeicher, am Fuß des Berges entspringen auch mehrere Thermalquellen. Neben einigen Hotels nutzt auch die Kärntentherme das Wasser.

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Dobratsch in Kärnten: Winterspaß ohne Liftzirkus

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Nach dem Abbau der Lifte blieben im Winter zunächst die Gäste weg. "Keiner hat mit dem Begriff Naturpark etwas anfangen können", sagt Andrea Riedel. "Wir wollten sogar die Hütte verkaufen, weil keiner mehr kam." Fünf lange Jahre kämpfte sie ums Überleben, bis das Umdenkungen begann und sich der Dobratsch vom Ski- zum Naherholungsberg wandelte.

Am 24. September 2002 wurde der Naturpark gegründet - er soll Bildung, Erholung, Regionalentwicklung und Schutz ermöglichen, Vier-Säulen-Konzept nennen sie das hier. "Am Anfang hat es eine gewisse Skepsis gegeben", sagt Robert Heuberger. Umso mehr freut sich der Naturpark-Manager, dass die Skepsis mittlerweile in Begeisterung umgeschlagen ist.

Der Schritt zurück war einer nach vorne

Dazu trägt auch das vor einigen Jahren neu gebaute Dobratsch-Gipfelhaus bei - ein Niedrigenergiegebäude mit besonderer Architektur. Nur wenige Meter oberhalb bietet die 2166 Meter hohe Bergspitze dank ihrer isolierten Lage eine Rundsicht bis zu den Hohen Tauern im Alpenhauptkamm, den mächtigen Kalkgipfeln der Julischen Alpen im Süden sowie über Ossiacher und Wörther See im Osten.

Den Gipfel mit dem großen Sendemast und zwei Kapellen, der von den Einheimischen auch als Villacher Alpe bezeichnet wird, erreichen Winterwanderer von der Rosstratte aus auf einem markierten Weg in etwa eineinhalb Stunden.

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Bedeutet das Gipfelhaus Konkurrenz für traditionelle Betriebe? Für Wirtin Riedel keineswegs, denn "wenn der Berg gut geführt wird, dann profitieren auch wir davon". Mittlerweile kommen die Besucher wieder, und das ohne Skigebiet. Wobei es immer wieder passiert, dass Urlauber, die früher mit ihren Eltern am Dobratsch beim Skifahren waren und jetzt mit ihrer Familie wiederkommen, fragen, wo denn die Lifte sind. "In Georgien", antwortet Andrea dann, "die wurden dorthin verkauft."

"Zum Glück", denken sich mittlerweile viele, denn die Winter von früher mit meterweise Schnee gibt es schon lange nicht mehr. Auch Riedel ist im Rückblick froh: "Man hat damals einen Schritt zurück gemacht, was heute betrachtet ein Schritt nach vorne war", sagt sie. Darüber, dass sie die Hütte in den schweren Jahren nicht verkauft hat, ist sie erleichtert.

Mittlerweile schaut sie zuversichtlich in die Zukunft. "Ich bin eines Besseren belehrt worden", gibt sie zu, "der Naturpark ist sicher auch ein Konzept für andere Regionen."

srt/abl
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