Dramatische Rettung Bergsteiger überlebte zwei Tage in Gletscherspalte

Dramatisches Ende einer Sonntagstour: Ein bayerischer Bergsteiger brach bei der Überquerung eines Gletschers unter der Zugspitze 20 Meter tief in eine Eisspalte. Zwei Tage musste er dort ausharren - zwei Tage lang suchten die Retter zu Fuß und per Hubschrauber bei Gewitter und Schnee.


Garmisch-Partenkirchen – Zwei Nächte und zwei Tage musste ein 34-jähriger Bergsteiger in einer Gletscherspalte unter der Zugspitze ausharren, bis seine Retter ihn fanden. Vor allem das schlechte Wetter erschwerte die Suche nach dem Mann aus Landsberg am Lech, sagte der Einsatzleiter der Grainauer Bergwacht, Anton Fogg, zu SPIEGEL ONLINE. Der Wanderer war am Sonntagmorgen um 8.30 Uhr aus dem Tal hoch zum Höllentalferner aufgestiegen. Er wollte seine neuen Steigeisen ausprobieren. Auf dem Gletscher stürzte er dann durch den Schnee in eine verborgene Eisspalte.

Zugspitze hinter Wolken: Der Verunglückte wollte seine neuen Steigeisen testen
DDP

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In 20 Meter Tiefe prallte er auf eine Schneebrücke und blieb liegen. "Er fiel auf ein Schneepolster", sagte Fogg, "und hatte viel Glück, dass er sich nicht verletzt hat." Einen Tag später erst, am Montagabend, alarmierte ein Freund die Polizei, weil der Bergsteiger nicht zur Arbeit erschien. Die Bergwacht Grainau startete sofort eine Suche. Acht Männer suchten mit Hilfe eines Hubschraubers den Gletscher ab, bis sie wegen Regen, Gewitter und starken Schneefalls um Mitternacht die Aktion abbrechen mussten. In dieser Nacht fielen 10 bis 15 Zentimeter Schnee, die alle Spuren des Vermissten bedeckten, berichtet Fogg.

Auch am frühen Dienstagmorgen machten Sturmböen die Suche mit dem Polizeihubschrauber unmöglich. Erst am Nachmittag gegen 16.30 Uhr konnte ein Bundeswehrhelikopter starten und die achtköpfige Rettungsmannschaft unterstützen, die den gesamten Höllentalferner Spalte für Spalte absuchte. Der abgestürzte Bergsteiger bemerkte die Retter erst, als sie nur noch zehn Meter entfernt von ihm waren, und fing an zu rufen. Mit Hilfe des Hubschraubers konnte die Bergwacht den Mann um 19 Uhr aus der Gletscherspalte retten – zwei Tage nach seinem Sturz.

Mit Unterkühlungen, Prellungen und Abschürfungen, sonst aber unverletzt kam der 34-Jährige n die Klinik Garmisch. Er konnte auf dem Vorsprung in der Spalte aufstehen, sich bewegen und somit warm halten. Gegen den Durst trank er Gletscherwasser. Mit dem Handy hatte er aus dem Gletscher keine Verbindung.

"Wenn er in Begleitung unterwegs gewesen wäre", sagt Fogg, "wäre wahrscheinlich gar nichts passiert." Zwar war er auf einer stark begangenen Route, einer der schönsten an der Zugspitze, unterwegs gewesen. Doch da er vom Tal aufgestiegen war, war er später dran als andere, die von einer Hütte zum Gletscher starteten. Daher hatte niemand seinen Absturz bemerkt. Im Moment sei es schwierig einzuschätzen, wo sich Gletscherspalten unter dem Schnee verbergen, sage Fogg.

abl



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