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01. Mai 2017, 08:19 Uhr

Aufgemotzte Alpenhütten

Einsames Glück

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Vor Augen die zackigen Alpen, in der Nase der Wiesenduft: Wer die Berge liebt, kennt den Traum, für länger dort oben zu bleiben. Einige Mutige haben sich den Wunsch erfüllt. Hier sind ihre Hütten.

Überall in den Alpen stehen sie: jahrhundertealte Steinhäuschen mit dunklen Schindeln, verwitterte Bretterbuden - und daneben ein Stapel Feuerholz. Wer die Berge liebt, die Einsamkeit da oben, der kennt diesen Wunsch: dort zu bleiben. In einen Verschlag zu ziehen und den Alltag hinter sich zu lassen. Nicht nur für eine Nacht. Oder ein Wochenende. Sondern für länger.

Für die meisten bleibt diese Vorstellung ein Traum. Einige aber lässt der Wunsch nicht los. Sie suchen so lange nach einem Refugium in den Alpen, bis sie fündig werden.

So wie Stefano Maurizio. Der 33-jährige Schweizer hat sich ein sogenanntes Maiensäss im Bergell gekauft, dem kleinsten der italienischsprachigen Täler in Graubünden. Seit zwei Sommern arbeitet er daran, aus seiner Ruine auf 1940 Meter Höhe einen Ort zum Leben zu machen.

"Der Zustand war desolat", sagt Maurizio. "Das Holz begann zu faulen. Wir haben die Untermauern herausgenommen, Drainagen gelegt, das Fundament betoniert, neue Mauern gesetzt und die Balken mit Baustützen aufgefangen." Nächstes Jahr will der Biologe fertig sein - und seine Hütte dann mit Frau, Freunden und Familie teilen, wie er sagt.

Maurizios Alm-Bauprojekt ist nur eins von 17, die in dem kürzlich erschienenen Buch "Eine Hütte zum Glück" (Knesebeck) vorgestellt werden. Alle Kapitel handeln davon, wie sich Menschen ihren Traum von einem Rückzugsort in den Bergen erfüllen. Auf mehr als 220 Seiten sind mal extrem moderne, mal archaisch wirkende Häuschen abgebildet. Sie erzeugen Sehnsucht nach der Stille in den Alpen, machen Lust auf ein Bad im Hotpot mit Seeblick oder sorgen gar für den Gedanken: "Das will ich auch."

Begleittexte erzählen von den Beweggründen, die bei den porträtierten Menschen zum Einsiedlerleben geführt haben, schildern aber auch die Herausforderungen des abgeschiedenen Lebens. Pietro Zanoli etwa braucht gut vier Stunden, um seine Alpe Nimi im Tessin vom Ort Gordevio zu erreichen - der steile Weg führt "durch Kastanien- und Buchenwälder, über rauschende Bergbäche, alte Treppen und Steinbrücken", wie es im Buch heißt.

Es sind Porträts über Lebenskünstler wie Zanoli, den ehemaligen Banker aus Zürich, der sich vor 17 Jahren als Ziegenhirte selbstständig machte. Nun melkt er auf 1718 Meter Höhe die Tiere einer vom Aussterben bedrohten Rasse, macht Käse und führt gestresste Städter in völlig unberührte Gegenden, um dort Steinmauern zu bauen oder Pilze zu sammeln.

Es sind auch Geschichten von extrem erfolgreichen Geschäftsleuten, die aus ihrem Hideaway in den Alpen nur noch Aufgaben delegieren. Wie die von Markus Theune, der zusammen mit seinem Bruder Wellness-Anlagen baut und in diesem Bereich in Deutschland Marktführer ist.

Oder Geschichten wie die von Johanna Fink-Settari, die in Südtirol eine urige und zugleich schicke Pension führt und am liebsten in ihrem Baumhaus sitzt. Geschichten wie die von Andreas und Felicitas Gisler-Helbling, die sich ein Berghaus am Splüngenpass kauften und 2012 ein Restaurant eröffneten und seither eine Art Doppelleben führen. Von Mitte Mai bis Oktober leben sie als Wirtspaar im Rheinwald, den Rest des Jahres in einem Zweifamilienhaus am Zürichsee.

Was die Menschen im Buch vereint: Sie lieben die Natur wie ihre Behausungen. Mal sind diese luxuriös ausgestattet - mit Anbauten aus Beton und Glas sowie riesigen Panoramafenstern, mal spartanisch eingerichtet mit Petroleumlampen und verwurmten Kiefernmöbeln.

Alle Hütten und Hüslis sind Sehnsuchtsorte. Und über allen scheint ein Motto zu schweben: Ein Leben ohne Hektik ist möglich.

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