Eisenach Bachs Geburtsstadt feiert ihr Barock-Genie

Bei J.S. Bach denken viele nur an Leipzig. Doch der Barock-Meister stammte ursprünglich aus Eisenach. Für die Stadt und das Land Thüringen Anlass genug, ihrem berühmten Sohn und seiner Familie im nächsten Jahr ein üppiges Jubiläum zu bereiten.


Der Komponist Johann Sebastian Bach: Er wurde am 21. März 1685 in Eisenach geboren und starb am 28. Juli 1750 in Leipzig
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Der Komponist Johann Sebastian Bach: Er wurde am 21. März 1685 in Eisenach geboren und starb am 28. Juli 1750 in Leipzig

Eisenach - Viele deutsche Städte lassen sich mit dem Leben und Wirken Johann Sebastian Bachs in Verbindung bringen. Leipzig gehört ebenso dazu wie Arnstadt, Köthen, Weimar, Mühlhausen oder auch Lüneburg. "Aber wäre Bach nicht 1685 in unserer Stadt geboren worden, hätte er nicht anderswo Orgel spielen und komponieren können", sagt der Eisenacher Oberbürgermeister Gerhard Schneider.

Eisenach zeigt sich nicht nur stolz auf den großen Meister selbst, sondern auf die ganze weit verzweigte Familie Bach. Da die Deutsche Zentrale für Tourismus für 2004 das zentrale Marketing-Thema "Musikland Deutschland" ausgerufen hat, ist das für den Freistaat Thüringen und die Stadt Eisenach Grund genug, im nächsten Jahr "500 Jahre Familie Bach" zu feiern.

Mehr als 100 Musiker in sieben Generationen

Man muss allerdings etwas genauer hinschauen, wenn man den Grund für das Jubiläum finden will. "Auf das Jahr 1504 datieren die ersten Verweise in den Thüringer Kirchenbüchern auf die Bach-Familie", sagt Franziska Nentwig, Direktorin des Bachhauses Eisenach. Mehr als 132 Jahre Musiker mit dem Namen Bach saßen auf den Organistenbänken der Georgenkirche der Stadt. In sieben Generationen gingen über 100 Musiker aus der Familie hervor. Viele davon blieben später in Thüringen.

Deutschlandweit vor allem als Stadt der Wartburg bekannt, verfügt Eisenach über eine ganze Reihe authentischer Bach-Orte. Bereits 1907 wurde das Geburtshaus des Barock-Genies als Ausstellungsort eingeweiht und gilt damit heute als ältestes Bachmuseum der Welt. Hier sind Leben und Werk des bekanntesten Vertreters der Familie anschaulich dargestellt.

Die Wartburg: Eisenachs berühmtestes Wahrzeichen
GMS

Die Wartburg: Eisenachs berühmtestes Wahrzeichen

"Wir sind anders als andere Museen", sagt Direktorin Nentwig. Zu jedem Rundgang gehört hier auf historischen Instrumenten gespielte Musik. Darüber hinaus ist das Gebäude als Pilotprojekt des Landes Thüringen das einzige Museum des Landes, das als eigenständige GmbH die Hälfte seines Etats selbst erwirtschaften muss.

Eisenach pflegt das Erbe Bachs an vielen Orten

Vor der Tür steht das 1884 gestaltete Bach-Denkmal. In der Georgenkirche am Markt wurden Johann Sebastian Bach und viele andere Mitglieder der Familie getauft; der Original-Taufstein wird noch heute genutzt. Die Latein-Schule, die der Meister einst besuchte, beherbergt heute das Martin-Luther-Gymnasium und auf dem Alten Friedhof liegen mehrere Mitglieder der Familie begraben.

Eisenach pflegt das Erbe ihres großen Sohnes durch den Bach-Chor, die Musikschule, jährliche Bach-Wochen und thematische Stadtführungen. Für 2004 wurde nun ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm erarbeitet, das von hochkarätigen Konzerten zwischen Klassik und Jazz über Tagungen und Ausstellungen bis zu Wettbewerben reicht.

"Wir wollen dabei durchaus neue Wege gehen", sagt Franziska Nentwig. Die Kindheit Johann Sebastian Bachs etwa sei noch nie in einer Ausstellung aufgearbeitet worden. Immerhin habe Bach, dessen Vater als Stadtpfeifer in Eisenach tätig war, die ersten zehn Jahre seines Lebens in der Stadt verbracht. In der Sonderschau "Ich habe fleyßig sein müssen", die vom 21. März bis zum 30. Oktober 2004 im Bachhaus zu sehen sein wird, lassen sich diese zehn Jahre anschaulich dargestellt nachvollziehen.

Großes Konzertprogramm für 2004

Auf einer Freilichtbühne werden in den Sommermonaten traditionelle und ungewöhnliche Konzerte stattfinden. Es gastieren unter anderen das italienische Ensemble Risonanza mit einem Sonderkonzert "Vivaldi + Bach", das Hackesche Hoftheater Berlin und das Ensemble Classique mit "Bach meets Beatles".

Auch die Georgenkirche setzt 2004 voll auf den wohl berühmtesten Sohn der Stadt. "Wo Johann Sebastian und andere Mitglieder der Familie im Chor sangen, wollen wir die Tradition natürlich pflegen", sagt Christian Stötzner, Kantor der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde.

Höhepunkte des Musikjahres in der Georgenkirche sind die Aufführung der "Matthäus-Passion" am 4. April 2004 und das "Weihnachts-Oratorium" am 12. Dezember 2004. Darüber hinaus gibt es im Juli und August täglich, in der übrigen Zeit an den Wochenenden kleine Orgelkonzerte. Rund zehnmal im Jahr werden Kantaten-Gottesdienste, wie sie zu Zeiten Bachs üblich waren, gefeiert.

Ditmar Hauer,ddp



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