Entsetzte Isländer Touristen schlachten Lamm

Der Tourismus in Island nimmt rasant zu, und die Isländer sind über so manches Verhalten der internationalen Besucher entsetzt. Nun haben Touristen aus den USA ein Lamm geschlachtet - wohl fürs Barbecue.

DPA

In Island hatte die Polizei einen außergewöhnlichen Einsatz. Sie hat neun Touristen aus den USA verhaftet, weil sie ein Lamm gestohlen und getötet hatten. Wie isländische Medien berichteten, beobachteten Bauern die Männer in der Gemeinde Breiðdalur in der Region der Ostfjorde, als sie das Tier hinter dem Hof jagten.

Sie fanden das Lamm später mit durchgeschnittener Kehle in einem der Wohnmobile der Touristen. "Sie wollten sich Fleisch für ihr Barbecue besorgen", sagte Bjarki Svavarsson, einer der Augenzeugen, der isländischen Zeitung "Morgunblaðið". "Ich finde es wirklich komisch, dass Männer aus dem Ausland kommen, um sich ihr Essen zu jagen. Ich habe keine Ahnung, was sie sich dabei gedacht haben."

Zuerst bestritten die Männer die Tat. Bei der örtlichen Polizei gestanden sie sie jedoch laut "Morgunblaðið". Nachdem sie das Lamm und eine Strafe von 120.000 (rund 1000 Euro) isländischen Kronen gezahlt hatten, ließ die Polizei sie wieder frei. Es könnten jedoch weitere Zahlungen auf sie zukommen, schreibt die "Iceland Review".

Es ist nicht das erste Mal, dass die Isländer sich über das schlechte Benehmen internationaler Touristen beklagen: Als der in einen mit Moos bedeckten Hügel eingeschnittene Schriftzug "Send Nudes" entdeckt wurde, fiel der Verdacht gleich auf Besucher aus dem Ausland. Es wird Jahrzehnte dauern, bis die Pflanzen nachgewachsen sind. Empörung herrscht auch über Touristen, die an Türen klopfen und nach einer Übernachtungsmöglichkeit fragen oder die offroad fahren, obwohl es verboten ist.

In den vergangenen Jahren sind die Touristenzahlen auf der Insel rasant angestiegen. Rund 1,8 Millionen Besucher kamen laut der isländischen Tourismusbehörde im Jahr 2016 - das sind rund 500.000 mehr als im Vorjahr. Die Gäste bringen zwar Devisen ins Land, bereiten den Einheimischen aber auch Kopfzerbrechen: Die Sorgen sind groß, dass durch den massiven Andrang Natur zerstört wird. Islands Fußballnationaltrainer Heimir Hallgrímsson forderte schon einmal ein "Ausverkauft"-Schild am Flughafen von Reykjavík.

bbr

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