Erhöhung des Klein Matterhorns Turmbau zu Zermatt

Die Schweiz bastelt sich einen neuen Viertausender: Die Zermatter Bergbahnen wollen auf das Klein Matterhorn eine Glaspyramide setzen - und damit den 3883 Meter hohen Gipfel um wesentliche Meter erhöhen. SPIEGEL TV berichtet über das spektakulärste Bauprojekt der Alpen.


Ein Schneesturm fegt über den Gipfel des Klein Matterhorns, die Aussichtsplattform versteckt sich in dichtem Nebel. Das Atmen fällt schwer in knapp 4000 Meter Höhe. Im Frühling sind die Bedingungen für eine Großbaustelle äußerst schlecht. Doch ausgerechnet hier wollen Schweizer Ingenieure ein Bauprojekt der Superlative verwirklichen: Die Zermatter Bergbahnen planen eine Pyramide aus Stahl, Glas und Beton, die den knapp Viertausender zum echten Viertausender befördern würde.

An gleicher Stelle hat das Unternehmen bereits mit Bauarbeiten für eine Gaststätte und eine Bergsteigerunterkunft begonnen. "Es wird das europaweit erste Restaurant mit Minergie-P-Standard", sagt der Chef der Zermatter Bergbahnen, Christen Baumann. Das ist die derzeit höchste Energieeffizienz-Stufe. Riesige Sonnenkollektoren sollen die Gebäude auch bei schlechtem Wetter mit Solarenergie versorgen. In dieser Höhe liefern sie doppelt so viel Energie wie im Tal.

Außerdem haben die Bergbahnen am Klein Matterhorn einen 16 Meter langen Aufzugsschacht zwischen Fels und Gletscher gebaut. Nach Fertigstellung können sogar Touristen in Turnschuhen bequem von der Bergstation der höchstgelegenen Luftseilbahn Europas in eine unterirdische Gletschergrotte gelangen.

Noch ist Baustufe zwei, der Gipfelturm, nicht genehmigt. Die Zustimmung der Gemeindeverwaltung von Zermatt und der Kanton Wallis steht noch aus. Technisch wird das Pyramidenprojekt, an dem der Zermatter Künstler Heinz Julen und Architekt Ueli Lehmann basteln, weit schwieriger zu verwirklichen sein als das Restaurant. In dem geplanten Hotel müssen die Zimmer unter Überdruck gesetzt werden. Ansonsten bekommt der Gast aus dem Tal unweigerlich Kopfschmerzen, zudem drohen Hirnödeme.

Die Aufstockung des Klein-Matterhorn-Gipfels sorgt im Nobel-Skiort Zermatt für Diskussionen. "Im Unterland", wie der Schweizer sagt, sehen viele das Vorhaben kritisch. Ein solcher Eingriff in die Natur – "das ziemt sich nicht", sagt ein Zermatter. Eine elegant gekleidete ältere Dame pflichtet ihm bei: "Wir haben bereits 29 Viertausender, es ist genug da oben."

Baumann versucht, die Wogen zu glätten. Einen neuen Viertausender für Zermatt, darum gehe es ihm gar nicht: "Wir können auch einen 3990er bauen." Der Chef der Zermatter Bergbahnen gibt sich als Realist. "Es geht um die Restaurants. Dass wir genügend Platz haben und genügend Komfort für die Gäste."

Martin Heller



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