Erstes Open-Air-Hotel Ein Bett im Kornfeld

Es piekst und sticht, doch über dem Lager im Stroh öffnet sich das weite Sternenzelt – von einem Bett im Kornfeld träumt nicht nur Jürgen Drews. Das erste deutsche Open-Air-Hotel in Unterfranken ist ein voller Erfolg.


Bad Kissingen - Es war im Sommer 2002, Monika Fritz war völlig pleite, und die Urlaubszeit stand an. "Ich wollte irgendetwas machen, was aufregend, romantisch und naturverbunden ist - aber kein Geld kostet", erinnert sie sich. Aus ihrem Küchenradio dudelte "Ein Bett im Kornfeld" von Schlagerbarde Jürgen Drews, und plötzlich hatte Fritz eine Idee.

"Warum nicht mal im Kornfeld übernachten", dachte sie sich, schrieb ein Konzeptpapier für ihr "Open-Air-Hotel" und ging damit im unterfränkischen Bad Kissingen hausieren. Lange suchen musste Monika Fritz nicht. Landwirt und Stadtrat Otto Funck war von der Idee begeistert und stellte für das Vorhaben ein Weizenfeld zur Verfügung.

Ho Open-Air-Hotel-Betreiberin Monika Fritz: Viele Betten im Stroh gibt es in Bad Kissingen
DDP

Ho Open-Air-Hotel-Betreiberin Monika Fritz: Viele Betten im Stroh gibt es in Bad Kissingen

Im August 2002 eröffnete das "Hotel im Kornfeld" erstmals für zwei Wochen, seither wiederholen Funck und Fritz die Aktion jedes Jahr. In diesem Jahr feiern sie bereits ihr Fünfjähriges. "Das war eine völlig spontane Idee", sagt Monika Fritz, die den Erfolg des "Open-Air-Hotels" noch immer nicht so recht fassen kann. Doch die Besucher sind begeistert. Mittlerweile kommen Menschen aus ganz Deutschland, um unter fast freiem Himmel zu schlafen. Etliche sind schon zum dritten Mal dabei.

Unterm Sternenzelt

Das Hotel im Kornfeld funktioniert im Prinzip wie ein Labyrinth im Maisfeld, das übrigens direkt neben dem "Hotel" liegt. In das gewachsene Korn sind Wege und "Zimmer" hineingemäht. Über die drei mal drei Meter große Liegefläche, die jeder nach Belieben mit Stroh auslegen kann, ist ein Pavillon-Dach gespannt. Zwischen Dach und Weizenären ist ein knapp 30 Zentimeter großer Spalt, "so dass man trotz Regenschutz eine tolle Sicht auf den Sternenhimmel und den Sonnenaufgang hat", schwärmt Fritz. Manche Gäste nehmen sich Decken mit auf ihr "Zimmer", andere mummeln sich in Schlafsäcke. Denn ein bisschen frisch wird es im Korn schon.

Das Bad Kissinger Feld-Bett-Lager kann sich rühmen, das erste und einzige "Open-Air-Hotel" Deutschlands zu sein, beteuert Fritz. Nur in der Schweiz gebe es inzwischen einige Nachahmer. Das Besondere an ihrem "Hotel" sei aber nicht nur das Übernachten im Freien, "es gibt nämlich auch eine ganze Menge Rahmenprogramm", erklärt sie. Eine Stroh-Hüpfburg für die Kleinen, ein Heilmoorbad für die Großen und ein goldenes Bettgestell mit frischem Heu. Außerdem gibt es jeden Abend Lagerfeuer, Gegrilltes und morgens ein großes Frühstücksbuffet im Zirkuszelt - einer Hotellobby mitten im Kornfeld. "Ich finde das toll hier", sagt eine Besucherin aus Wiesbaden.

Ein Hotel-Angestellter ist immer im Feld

Privatsphäre hat man im Kornfeld-Hotel naturgemäß wenig. Zwischen den "Zimmern" sind höchstens zwei bis drei Meter Kornfeld. "Da hört man schon alles, was um einen herum passiert und gesprochen wird", gibt Fritz zu. Aber die Gäste scheint das nicht zu stören, sie kommen vor allem wegen des Naturerlebnisses. "Man darf sonst ja nirgends einfach in einem Weizenfeld schlafen", sagt ein Besucher aus Oberstaufen.

"Wir haben Gäste jeden Alters und aus allen Bildungsschichten", erklärt Natur-Hotelier Monika Fritz: Vom Richter bis zum Handwerker, vom rüstigen Rentner bis zum Kindergartenkind - alle wollen ins Feld, auch wenn das Stroh ein bisschen sticht.

Check-in ist täglich um 16.30 Uhr, abreisen muss man am nächsten Tag bis 12 Uhr. "Danach werden die Strohlager wieder aufgeschüttet", sagt die Hotel-Chefin. An vielen Tagen ist das Kornfeld schon komplett ausgebucht, wer dort nächtigen will, sollte unbedingt vorher ein "Zimmer" reservieren. Geöffnet hat das "Open-Air- Hotel" täglich bis 15. August. Monika Fritz wird in diesem Jahr aber nicht jede Nacht selbst im Freien verbringen: "Bislang war ich immer jede Nacht hier. Aber man wird ja nicht jünger." Ihr Rücken macht zwei Wochen Kornfeld nicht mehr anstandslos mit. Ein "Hotel-Angestellter" ist aber immer im Feld - auch nachts.

Daniel Staffen, ddp

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